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Asiatischer Marienkäfer Harmonia axyridis

Asiatischer Marienkäfer
Ungefährlich Invasive Art Allergen Kan bijten Nützling

Taxonomische Klassifikation

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Käfer (Coleoptera)
Familie Coccinellidae
Gattung Harmonia
Art Harmonia axyridis
Wissenschaftlicher Name: Harmonia axyridis (Pallas, 1773)
Akzeptierter Name
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Einleitung

Der **Asiatische Marienkäfer** (*Harmonia axyridis*) ist eine ursprünglich in Ostasien beheimatete Art aus der Familie der Marienkäfer (Coccinellidae).[1] Zunächst weltweit zur biologischen Bekämpfung von [Blattläusen](/pages/lexikon/blattlause) eingeführt, gilt die Art heute in vielen Regionen als invasiv und bedroht durch Nahrungskonkurrenz sowie Prädation die Bestände heimischer Marienkäfer.[1][2] Charakteristisch ist die extrem variable Färbung der Flügeldecken, die von Gelb bis Schwarz reichen kann, weshalb die Art im englischen Sprachraum auch als *Harlequin ladybird* bekannt ist.[1][3]

Fakten (kompakt)

Hier sind einige Fakten über den Asiatischen Marienkäfer (*Harmonia axyridis*) in einer kompakten Liste: - *Harmonia axyridis* ist eine Art der räuberischen [Käfer](/pages/lexikon/kafer) aus der Familie der Marienkäfer (Coccinellidae). - Die Art ist in Ostasien beheimatet, einschließlich Regionen in China, Japan, Korea und Russland. - Erwachsene [Käfer](/pages/lexikon/kafer) messen 5,5–8,5 mm in der Länge. - Die Färbung der [Käfer](/pages/lexikon/kafer) ist sehr variabel und reicht von blassgelb bis orange, rot oder schwarz, oft mit 0–22 schwarzen Flecken auf den Flügeldecken. - Das Pronotum ist schwarz und mit weißen vorderen seitlichen Flecken versehen, die ein "M"-förmiges Muster bilden. - Die Art ist ein gefräßiger, generalistischer Räuber, der sich hauptsächlich von [Blattläusen](/pages/lexikon/blattlause) ernährt, aber auch andere [Insekten](/pages/lexikon/insekten) mit weichem Körper, Pollen und Nektar frisst. - Die Larven weisen kannibalisches Verhalten und Intraguild-Prädation gegenüber anderen Marienkäfern auf.[6] - *H. axyridis* wurde ab 1916 absichtlich nach Nordamerika eingeführt, um [Blattläuse](/pages/lexikon/blattlause) und andere Schadinsekten auf Nutzpflanzen biologisch zu bekämpfen. - In Europa wurde die Art 1982 und in Südamerika in den 1990er Jahren zur Schädlingsbekämpfung eingeführt. - Bis 2024 hat sich die Art in mindestens 86 Ländern weltweit etabliert.[6] - Als invasive Art stellt *H. axyridis* erhebliche ökologische Bedrohungen dar, indem sie einheimische Marienkäferarten verdrängt und sich von ihnen ernährt, was zu einem Rückgang der Artenvielfalt innerhalb aphidophager Gemeinschaften führt. - Aggregationen von Erwachsenen, die Überwinterungsplätze in Gebäuden suchen, können zu einer Plage werden, allergische Reaktionen beim Menschen auslösen und Oberflächen mit Reflexblutungen verunreinigen. - Die Art kann bis zu 1.000 Eier pro Weibchen legen. - *Harmonia axyridis* wurde ursprünglich 1773 von Peter Simon Pallas als *Coccinella axyridis* beschrieben.[6]

Namen & Einordnung (kurz)

Die Erstbeschreibung der Art erfolgte 1773 durch Peter Simon Pallas unter dem ursprünglichen Namen *Coccinella axyridis* anhand sibirischer Exemplare. Aufgrund der variablen Erscheinung wurden historisch diverse Synonyme wie *Coccinella bisexnotata* (Herbst, 1793) beschrieben, die heute als ungültig gelten.[1] Systematisch wird *Harmonia axyridis* innerhalb der Familie der Marienkäfer (Coccinellidae) in die Tribus Coccinellini eingeordnet und ist eng mit Schwesterarten wie *Harmonia yedoensis* verwandt.[3]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die adulten [Käfer](/pages/lexikon/kafer) von *Harmonia axyridis* erreichen eine Körperlänge von 4,9 bis 8,2 mm sowie eine Breite von 4,0 bis 6,6 mm. Der Körper ist mäßig gewölbt und bildet eine verkürzte ovale Form, wobei die Deckflügel das Abdomen vollständig bedecken.[1] Die Färbung der Elytren ist äußerst variabel (Polymorphismus) und reicht von blassgelb über orange und rot bis hin zu schwarz.[1][3] Bei der häufigsten Farbvariante (*succinea*) zeigt sich ein roter oder oranger Hintergrund mit 0 bis 19 schwarzen Punkten, während melanische Formen wie *spectabilis* oder *conspicua* schwarz mit typischerweise zwei bis vier roten Flecken sind.[1] Ein zentrales Bestimmungsmerkmal auf dem gelblichen Halsschild (Pronotum) ist eine variable schwarze Zeichnung, die oft ein charakteristisches „M“-förmiges Muster bildet.[4] Der Kopf ist mit kurzen, elfgliedrigen Antennen ausgestattet, die am Ende keulenartig verdickt sind. Ein Sexualdimorphismus zeigt sich in der Körpergröße, wobei Weibchen meist größer sind als Männchen, sowie in der Form des fünften Abdominalsternits.[1] Die Larven durchlaufen vier Stadien und wachsen dabei von etwa 2 mm auf bis zu 10 mm heran. Sie besitzen einen länglichen, abgeflachten und stacheligen Körper, der grau-schwarz gefärbt ist und orange bis gelbe Zeichnungen sowie borstentragende Tuberkel aufweist, was ihnen ein alligatorähnliches Aussehen verleiht. Die kuppelförmigen Puppen verfärben sich während der Entwicklung von blassgelb zu orange mit schwarzen Flecken und behalten oft die abgestreifte Larvenhaut am hinteren Ende.[3] In ihrem nativen asiatischen Verbreitungsgebiet ähnelt die Art morphologisch der Geschwisterart *Harmonia yedoensis*, mit der sie sympatrisch vorkommen kann.[5]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Harmonia axyridis übt als invasiver Prädator erheblichen ökologischen Druck aus, indem er durch Intraguild-Prädation heimische Marienkäferarten wie *Adalia bipunctata* verdrängt.[4][5] In Agrarökosystemen wird die Art einerseits zur biologischen Bekämpfung von [Blattläusen](/pages/lexikon/blattlause) in Kulturen wie Soja und Äpfeln geschätzt. Andererseits verursacht der [Käfer](/pages/lexikon/kafer) ökonomische Schäden im Obstbau, insbesondere in Weinbergen, indem er reifende Früchte anfrisst. Gelangen [Käfer](/pages/lexikon/kafer) in die Traubenernte, kann ihre Hämolymphe den Wein verunreinigen und einen als "Ladybug Taint" bekannten Fehlgeschmack verursachen.[4] Im Herbst suchen große Aggregationen der Tiere Schutz in Gebäuden, wobei sie bevorzugt durch Risse und Öffnungen in Dachböden oder Hohlräume eindringen. Bei Störung sondern sie reflexartig eine gelbliche Flüssigkeit ab, die Oberflächen und Textilien dauerhaft verfärbt.[3] Der Kontakt mit *Harmonia axyridis* kann bei Menschen allergische Reaktionen wie Rhinokonjunktivitis, Asthma oder Urtikaria auslösen.[4] Zudem neigen die [Käfer](/pages/lexikon/kafer) eher als heimische Arten dazu, Menschen zu beißen, was zwar meist harmlos ist, aber als lästig empfunden wird.[3] Für Haustiere besteht ein Risiko, da das Verschlucken mehrerer [Käfer](/pages/lexikon/kafer) durch die ätzende Hämolymphe zu Verätzungen der Mundschleimhaut führen kann.[1] Aufgrund der ökologischen Risiken wurden gezielte Freisetzungen in der Europäischen Union mittlerweile untersagt.[4]

Biologie & Lebenszyklus

*Harmonia axyridis* durchläuft einen holometabolen Lebenszyklus, der die Stadien Ei, Larve, Puppe und Imago umfasst.[3] Die gesamte Entwicklung vom Ei bis zum erwachsenen [Käfer](/pages/lexikon/kafer) dauert unter optimalen Sommerbedingungen temperaturabhängig etwa 20 bis 40 Tage.[1] Weibchen legen gelbe bis orangefarbene, längliche Eier in Clustern von 10 bis 30 Stück meist auf Blattunterseiten oder in der Nähe von Blattlauskolonien ab. Nach einer Inkubationszeit von drei bis fünf Tagen bei 25 °C schlüpfen die Larven, wobei wärmere Temperaturen diesen Prozess auf zwei Tage verkürzen können.[4] Die Larvenentwicklung verläuft über vier Stadien (Instare) innerhalb von 12 bis 14 Tagen, wobei die Tiere von anfänglich 2 mm auf bis zu 10 mm heranwachsen.[3] Die Larven sind stachelig und ähneln kleinen Alligatoren, wobei ältere Stadien kannibalistisches Verhalten zeigen und Eier oder kleinere Artgenossen fressen.[4] Das Puppenstadium ist unbeweglich, dauert fünf bis sieben Tage und findet oft an Blättern befestigt statt.[3] Adulte [Käfer](/pages/lexikon/kafer) haben eine Lebensspanne von einem bis zwei Jahren, wobei sie in kühleren Monaten eine Diapause einlegen und in Aggregationen überwintern. Ein Weibchen kann im Laufe seines Lebens bis zu 3.800 Eier produzieren, wobei die Eiablagerate bei optimalen Temperaturen von 20 bis 30 °C am höchsten ist.[1] *Harmonia axyridis* ernährt sich primär räuberisch von [Blattläusen](/pages/lexikon/blattlause), Schildläusen und Adelgiden. Während das vierte Larvenstadium bis zu 65 [Blattläuse](/pages/lexikon/blattlause) pro Tag vertilgt, können adulte [Käfer](/pages/lexikon/kafer) täglich bis zu 200 [Blattläuse](/pages/lexikon/blattlause) fressen.[4] Ergänzend nehmen die [Käfer](/pages/lexikon/kafer) Pollen, Nektar und Honigtau auf, was ihnen das Überleben in Zeiten geringer Beutedichte ermöglicht, jedoch für die vollständige Entwicklung nicht ausreicht.[5]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Herford, Zum Haberland, 32051 Herford, Deutschland

    20.01.2026

  • Deutschland

    19.01.2026

  • Bayern, Deutschland

    19.01.2026

  • Mönkeberg, Schleswig-Holstein, Deutschland

    19.01.2026

  • Idstein Bahnhof, 65510 Idstein, Deutschland

    18.01.2026

Daten: iNaturalist

Vorkommen & Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von *Harmonia axyridis* umfasst weite Teile Ostasiens, vom Altai-Gebirge und Südsibirien über China bis zur Pazifikküste und Japan.[3] Seit dem späten 20. Jahrhundert hat sich die Art als invasives Neozoon weltweit etabliert und kommt heute in mindestens 86 Ländern in Nord- und Südamerika, Europa, Afrika sowie Ozeanien vor.[4][1] Als Habitat-Generalist besiedelt der [Käfer](/pages/lexikon/kafer) bevorzugt baumreiche Lebensräume in Wäldern, nutzt jedoch auch intensiv landwirtschaftliche Flächen und urbane Räume. Ein charakteristisches Merkmal ist die Bildung großer Überwinterungsgesellschaften im Herbst, bei denen die Tiere gezielt Gebäude, Dachböden und sonnenexponierte Fassaden aufsuchen. Aggregierte Datenanalysen zeigen korrelierend dazu ein gesteigertes öffentliches Interesse im Oktober, was zeitlich mit der Wanderung in diese Winterquartiere zusammenfällt.[3] Die rasche globale Expansion wird sowohl durch die natürliche Flugfähigkeit der Adulten als auch durch den passiven Transport im internationalen Handel begünstigt.[1]

Saisonalität & Aktivität

In gemäßigten Klimazonen absolviert *Harmonia axyridis* mehrere Generationen pro Jahr, wobei die Aktivität stark von der Umgebungstemperatur und dem Nahrungsangebot abhängt.[1] Nach der Überwinterung erscheinen die adulten [Käfer](/pages/lexikon/kafer) im zeitigen Frühjahr, sobald die Temperaturen 10–15 °C überschreiten, um zu fressen und sich fortzupflanzen.[4] Aggregierte Suchanfragen bestätigen ein primäres Interesse im Juni, was die hohe Präsenz der Art während ihrer Hauptreproduktionsphase widerspiegelt.[1][4] Die [Käfer](/pages/lexikon/kafer) sind tagaktiv, wobei Feldstudien eine bevorzugte Nahrungssuche zwischen 10:00 und 14:00 Uhr belegen.[1] Im Herbst, typischerweise von September bis November, folgt eine zweite markante Aktivitätsphase, wenn die Tiere Schutzräume für den Winter suchen.[3] Dies korreliert mit einem erneuten Anstieg des öffentlichen Interesses im Oktober, der durch die massenhaften Ansammlungen an Gebäudefassaden verursacht wird.[4][3] In den Wintermonaten Dezember und Januar verharrt die Art in einer reproduktiven Diapause, wodurch die Aktivität auf ein Minimum sinkt.[1]

Wissenschaftliche Forschung & Patente

CN-113200903-A Chemical Anmeldung

Pyrrol-Alkaloid-Verbindung in Solanum rostratum mit fraßhemmender Funktion auf Harmonia axyridis sowie Extraktionsverfahren

University of Shenyang Agricultural (2021)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Es wird eine Pyrrol-Alkaloid-Verbindung aus den Blättern von Solanum rostratum extrahiert. Diese Verbindung zeigt eine deutliche fraßhemmende (antifeedant) Wirkung spezifisch gegen Harmonia axyridis. Das Patent beschreibt den genauen Extraktions- und Isolierungsprozess mittels Chromatographie. Dies stellt einen potenziellen natürlichen Abwehrstoff zur Vergrämung des Schädlings dar.

LU-101601-B1 Behavioral Erteilt

Pflanzlicher Lockstoff für Harmonia axyridis (Pallas) und dessen Anwendung

University of Jiliang China (2020)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Beschrieben wird ein Lockstoff basierend auf p-Myrcen, a-Cuben und Methylsalicylat, der Wirtspflanzen imitiert. Die Mischung dient dazu, die Anlockungsrate von Harmonia axyridis signifikant zu erhöhen. Die Anwendung erfolgt über Slow-Release-Dispenser im Feld. Die Innovation zielt darauf ab, die Population lokal zu steuern, was sowohl für den biologischen Pflanzenschutz als auch für das Management der Art relevant ist.

CN-110628775-A Biological Unbekannt

Zielgen zur Prävention und Bekämpfung von Harmonia axyridis und dessen Anwendung

University of South China Agricult (2019)

Relevanz: 10/10

Zusammenfassung

Das Patent identifiziert das Gen betaCOPI in Harmonia axyridis als Ziel für die Schädlingsbekämpfung. Es wird eine spezifische dsRNA (dsbetaCOPI) entwickelt, die durch RNA-Interferenz das Gen ausschaltet und eine hohe Letalität beim Marienkäfer bewirkt. Die Methode gilt als umweltfreundlich und hocheffizient, da sie spezifisch auf den Schädling wirkt. Die Anwendung erfolgt durch direkte Fütterung der dsRNA.

CN-110669768-B Biological Erteilt

Verfahren zur Vorbeugung und Bekämpfung von Harmonia axyridis

(2019)

Relevanz: 10/10

Zusammenfassung

Basierend auf dem letalen Gen ArfCOPI wird eine RNA-Interferenz-Methode entwickelt. Durch die Verabreichung von dsRNA (dsArfCOPI) wird das Zielgen im Käfer stummgeschaltet, was zum Tod führt. Die Methode wird als hochspezifisch und umweltfreundlich beschrieben. Sie ermöglicht eine gezielte Bekämpfung des Asiatischen Marienkäfers auf genetischer Ebene.

CN-110628772-B Biological Erteilt

Gen Gamma-COPI und dessen Anwendung zur Bekämpfung von Harmonia axyridis

(2019)

Relevanz: 10/10

Zusammenfassung

Das Patent schützt die Nutzung des Gens Gamma-COPI zur Schädlingsbekämpfung. Eine spezifisch designte dsRNA (dsgamma COPI) sorgt für das Silencing dieses Gens. Dies führt zu einer hohen Mortalität bei Harmonia axyridis. Die Erfindung bietet eine effektive, biotechnologische Lösung zur Kontrolle der Population.

Quellen & Referenzen

  1. https://www.gbif.org/species/4989904
  2. https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rspb.2012.2113
  3. https://animaldiversity.org/accounts/Harmonia_axyridis/
  4. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC524671/
  5. https://www.frontiersin.org/journals/ecology-and-evolution/articles/10.3389/fevo.2017.00156/full
  6. Literaturzusammenfassung: Harmonia axyridis