Fakten (kompakt)
- Mit 82 Gattungen stellen die Florfliegen nach den Ameisenlöwen (*Myrmeleontidae*) die zweitgrößte Familie innerhalb der Ordnung der Netzflügler dar. - Die evolutionäre Geschichte der Familie reicht weit zurück, wobei Fossilienfunde ihre Existenz und räuberische Rolle bereits im Jura belegen. - Die Larven mancher Arten tarnen sich aktiv, indem sie Debris oder Reste von Beutetieren als „Müllpakete“ („trash packets“) auf ihrem Rücken umhertragen. - Die Fraßleistung der Larven ist enorm; einzelne Individuen können bis zu 80 Beutetiere pro Tag vertilgen. - Die Verpuppung erfolgt geschützt innerhalb von seidenen Kokons. - In gemäßigten Klimazonen überwintern die Tiere je nach Strategie als Präpuppe, Puppe oder als Adultus. - Anatomisch weist der Thorax der Adulten ein Pronotum auf, das breiter ist als der Kopf. - Das Abdomen besteht aus 8 bis 10 sichtbaren Segmenten und besitzt keine Cerci, was typisch für die Familie ist. - Die Mundwerkzeuge der Imagines sind vom haustellaten Typ, angepasst an das Saugen von Flüssigkeiten, und verfügen über gut entwickelte Maxillarpalpen. - Bei einigen Spezies, etwa innerhalb der Gattung *Chrysopa*, existiert ein Sexualdimorphismus, der sich in unterschiedlichen Flügelmarkierungen an der Basis des Pterostigmas äußert. - *Chrysoperla carnea* wird weltweit massenhaft gezüchtet und kommerziell für den integrierten Pflanzenschutz freigesetzt.[6]
Die wissenschaftliche Erstbeschreibung der Familie *Chrysopidae* erfolgte im Jahr 1815 durch den britischen Zoologen William Elford Leach, zeitgleich mit der Aufstellung der Typusgattung *Chrysopa*.[1] Im Deutschen trägt die Familie den Trivialnamen „Florfliegen“, während sie im englischen Sprachraum aufgrund ihrer Erscheinung als „green lacewings“ bezeichnet wird.[3][4] Historisch wurden diese Insekten in frühen Klassifikationen oft wegen ähnlicher Flügeladerung mit den Taghaften (Hemerobiidae) zusammengefasst.[1] Eine bedeutende Erweiterung der bekannten Taxa erfolgte im frühen 20. Jahrhundert durch den spanischen Entomologen Longinos Navás, dessen zahlreiche Neubeschreibungen jedoch zunächst zu einer taxonomischen Unübersichtlichkeit führten.[1] Die moderne Systematik basiert maßgeblich auf einer Revision durch Stephen J. Brooks aus dem Jahr 1997, welche die Unterteilung in die drei rezenten Unterfamilien Nothochrysinae, Apochrysinae und Chrysopinae festigte. Phylogenetisch gehören die Florfliegen zum Kladus Myrmeleontiformia innerhalb der Netzflügler (*Neuroptera*) und gelten als Schwestergruppe der Ameisenjungfern (Myrmeleontidae).[3] Der Fossilbericht der Familie reicht bis in das Mittlere Jura zurück, wobei Funde der Gattung *Mesypochrysa* aus China ein Alter von etwa 165 Millionen Jahren aufweisen. Mit heute rund 1.416 beschriebenen Arten in 82 Gattungen stellen die *Chrysopidae* die zweitgrößte Familie ihrer Ordnung dar.[3]
Adulte *Chrysopidae* sind zarte, weichhäutige Insekten mit einer Körperlänge von typischerweise 10 bis 20 mm. Ihre Grundfärbung ist ein prominentes Grün, bedingt durch Biliverdin im Integument, wobei sich dieser Farbton saisonal ins Bräunliche wandeln oder nach dem Tod rasch verblassen kann.[3][4] Der Körper ist mit feinen Borsten (Setae) bedeckt, was besonders an Kopf, Thorax und Antennen zu einer samtigen Textur führt.[4] Der Kopf trägt große, auffällige Komplexaugen, die golden oder kupferfarben schimmern.[3][4] Die langen, fadenförmigen Antennen bestehen aus Scapus, Pedicellus sowie einer vielgliedrigen Geißel und erreichen oft fast die Länge des gesamten Körpers. Die Mundwerkzeuge sind vom haustellaten Typ und zum Saugen von Flüssigkeiten angepasst, unterstützt durch gut entwickelte Maxillarpalpen. Am Thorax fällt das Pronotum auf, das breiter als der Kopf ist und Flügeln sowie Beinen strukturellen Halt bietet.[4] Ein charakteristisches Bestimmungsmerkmal sind die vier transparenten Membranflügel mit einer dichten, netzartigen Aderung, die in Ruhestellung dachartig über dem Abdomen getragen werden.[3][4] Das Abdomen besteht aus 8 bis 10 sichtbaren Segmenten und besitzt keine Cerci, was die Familie innerhalb der Neuroptera abgrenzt. Ein Sexualdimorphismus zeigt sich bei manchen Arten wie in der Gattung *Chrysopa* durch Unterschiede in der Flügelform oder spezifische schwarze Markierungen an der Basis des Pterostigmas.[4] Die länglichen Eier werden auf 5 bis 10 mm langen, dünnen Seidenstielen abgelegt, um sie vor Fressfeinden wie Ameisen zu schützen. Larven besitzen einen länglichen, abgeflachten (campodeiformen) Körper und sichelförmige Mandibeln, die zum Anstechen und Aussaugen weichhäutiger Beute dienen.[3][4] Während ihrer Entwicklung über drei Stadien wachsen sie von 1–2 mm auf 10–12 mm heran, wobei die Sklerotisierung zunimmt.[4] Larven bestimmter Gattungen wie *Mallada* tarnen sich aktiv mit Debris oder Beuteresten, die an hakenförmigen Rückenborsten befestigt werden.[3][4] Die Verpuppung erfolgt in einem seidenen Kokon, wobei die Puppe exarat ist und funktionsfähige Mandibeln (decticous) besitzt.[4]
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