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Lagererzwespen Lariophagus distinguendus

Lagererzwespen

Taxonomische Klassifikation

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Hautflügler (Hymenoptera)
Familie Pteromalidae
Gattung Lariophagus
Art Lariophagus distinguendus
Wissenschaftlicher Name: Lariophagus distinguendus (Förster, 1841)
Akzeptierter Name
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Einleitung

Die **Lagererzwespe** (*Lariophagus distinguendus*) ist ein Hautflügler aus der Familie der Pteromalidae innerhalb der Überfamilie der Erzwespen (Chalcidoidea). Diese kosmopolitisch verbreitete Art wurde durch menschliche Aktivitäten weltweit verschleppt.[1] Als Parasitoid, der sich in den Larven von Vorratsschädlingen wie *Sitophilus*-Arten entwickelt, wird die Wespe als Nützling im biologischen Vorratsschutz verwendet.[1][2]

Fakten (kompakt)

- Adulte Tiere ernähren sich vermutlich von dem sogenannten Genagsel (Nagerückstände), das die Wirtslarven produzieren. - Die Körpergröße weist einen Geschlechtsdimorphismus auf: Männchen erreichen eine Länge von 2,0 bis 2,4 Millimetern, während Weibchen mit 3,0 bis 3,3 Millimetern deutlich größer werden.[17] - Neuere Forschungen zeigen, dass ätherische Öle aus Zimt (*Cinnamomum verum*) und Gewürznelken (*Syzygium aromaticum*) eine stark abschreckende Wirkung (Repellenz) auf die Wespen haben. - Die chemischen Verbindungen Eugenol und Cinnamaldehyd wirken spezifisch als Repellents auf *Lariophagus distinguendus*, während sie auf den Wirt *Sitophilus oryzae* teilweise anziehend wirken. - Unter Laborbedingungen (25 °C, 60–70 % Luftfeuchtigkeit) schlüpfen die adulten Parasitoide etwa 15 bis 20 Tage nach der Parasitierung aus den Wirten. - Phenylpropanoide können die olfaktorischen Signalwege der Wespen modulieren und so das Suchverhalten beeinflussen.[4]

Name & Einordnung

Die Art trägt den wissenschaftlichen Namen *Lariophagus distinguendus* (Förster, 1841).[3][5] Systematisch wird sie der Ordnung der Hautflügler (Hymenoptera) sowie der Familie der Pteromalidae zugeordnet.[3][4] Innerhalb der Überfamilie der Erzwespen (Chalcidoidea) zählt die Spezies zur Unterfamilie Pteromalinae und dem Tribus Pteromalini. Im deutschsprachigen Raum hat sich der Trivialname Lagererzwespe etabliert. Historische Quellen und ältere Fachliteratur führen die Art teilweise auch unter der Bezeichnung Kornkäfer-Chalcidier.[3]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die adulten Tiere von *Lariophagus distinguendus* besitzen einen schwarzen, leicht metallisch glänzenden Körper, der bei Vergrößerung einen dunklen, stahlblauen Schimmer aufweist. Die Körperoberfläche ist fein gekörnelt und punktiert, wobei der Hinterleib an den Seiten, wo die Beine anliegen, glatt poliert erscheint. Thorax und Metathorax sind schuppig punktiert und tragen kurze, kräftige Haare. Die Facettenaugen heben sich kaum von der schwarzen Grundfarbe ab und sind schwach dunkelbraunrot gefärbt. Ab den Schenkelringen (Trochanteren) sind die Beine gelblichbraun. Sowohl die Fühler als auch die distalen Teile der Beine sind kurzborstig, aber dicht behaart. Es besteht ein deutlicher Sexualdimorphismus bezüglich der Körpergröße und der Form des Hinterleibs. Männchen erreichen eine durchschnittliche Körperlänge von 2,0 Millimetern bei einer Maximallänge von 2,4 Millimetern. Ihr Hinterleib ist oval, kaum breiter als der Thorax und wird von den zusammengefalteten Flügeln überragt. Zudem sind bei den Männchen das fünfte bis zehnte Fühlerglied weiter auseinandergezogen als bei den weiblichen Tieren. Weibchen sind mit durchschnittlich 3,0 Millimetern (maximal 3,3 Millimeter) deutlich größer. Ihr Hinterleib ist breiter und dicker als der Thorax und am Ende in eine Spitze ausgezogen, wobei die Flügel diesen nicht vollständig verdecken können. Der gelblich braune Legebohrer (Ovipositor) entspringt aus einer Rinne an der Bauchseite der Hinterleibsspitze. Die ausgewachsenen Larven sind etwa 2,5 bis 3 Millimeter lang, bräunlich gefärbt und sehr beweglich.[6]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die Lagererzwespe (*Lariophagus distinguendus*) ist als Nützling im Vorratsschutz etabliert und wird gezielt gegen Lagerschädlinge in Getreidespeichern eingesetzt.[9] Sie parasitiert die Larven verschiedener Käferarten, die sich im Inneren von Samen oder Kokons entwickeln, darunter Kornkäfer (*Sitophilus granarius*), Maiskäfer (*Sitophilus zeamais*) und Reiskäfer (*Sitophilus oryzae*). Das Wirtsspektrum umfasst zudem den Getreidekapuziner (*Rhizopertha dominica*) sowie den Tabakkäfer (*Lasioderma serricorne*).[16] Ein bedeutender Vorteil für die Anwendung ist die Fähigkeit der Wespen, Wirtslarven in Silos bis zu einer Tiefe von vier Metern aufzuspüren.[13] Da die Bekämpfung ohne chemische Rückstände erfolgt, erlangen die Tiere vor allem im biologischen Landbau Bedeutung.[9][4] Im Kontext integrierter Bekämpfungsstrategien ist die Kompatibilität mit botanischen Insektiziden begrenzt. Studien belegen, dass ätherische Öle aus Nelken (*Syzygium aromaticum*) und Zimt (*Cinnamomum verum*) eine stark abschreckende Wirkung auf *Lariophagus distinguendus* haben. Während Zimtöl *Sitophilus oryzae* anlockt, meiden die Parasitoiden behandelte Bereiche, was den gleichzeitigen Einsatz dieser Methoden erschwert.[4]

Biologie & Lebenszyklus

Das Paarungsverhalten von *Lariophagus distinguendus* beginnt damit, dass das kleinere Männchen auf den Rücken des Weibchens klettert und dessen Fühler mit den eigenen bepeitscht, um die Paarungsbereitschaft zu stimulieren. Nach einem ritualisierten Betippen der weiblichen Fühlerspitzen erfolgt die nur wenige Sekunden dauernde Kopulation. Während Männchen danach aktiv neue Partner suchen, verhalten sich Weibchen gegenüber weiteren Paarungsversuchen meist passiv.[13] Zur Wirtsfindung nutzen die Weibchen olfaktorische Reize und orientieren sich an Duftstoffen, die durch den Fraß der Wirtslarven am Getreide freigesetzt werden.[11] Das Weibchen betastet das Korn intensiv, um die Position der Wirtslarve zu lokalisieren, und legt pro Wirt nur ein einziges Ei ab.[13] Als Wirte dienen Larven von mindestens 11 Käferarten, darunter der Kornkäfer (*Sitophilus granarius*), der Reiskäfer (*Sitophilus oryzae*) und der Tabakkäfer (*Lasioderma serricorne*).[13][11] Auch Larven der Getreidemotte (*Sitotroga cerealella*) werden parasitiert. Die schlüpfende Wespenlarve lebt als Ektoparasitoid und saugt die Körperflüssigkeiten des Wirtes aus, bis dieser abstirbt, sich bräunlich verfärbt und verkümmert. Die ausgewachsenen, etwa 2,5 bis 3 Millimeter langen Larven verpuppen sich geschützt im Inneren des Getreidekorns. Die Puppenruhe dauert etwa 10 Tage, bevor die Imagines schlüpfen.[13] Die gesamte Entwicklungsdauer von der Eiablage bis zum Schlupf der adulten Wespe beträgt unter Laborbedingungen bei 25 °C etwa 15 bis 20 Tage.[11] Um das Korn zu verlassen, fressen sich die adulten Wespen mit ihren Mandibeln einen Weg ins Freie. Die Ernährung der adulten Tiere erfolgt vermutlich durch die Aufnahme von Ausscheidungen oder Fraßrückständen (Genagsel) der Wirtslarven.[13]

Vorkommen & Lebensraum

Die Lagererzwespe (*Lariophagus distinguendus*) ist weltweit verbreitet und gilt als Kosmopolit. Diese globale Präsenz wurde der Art vermutlich primär durch menschliche Verschleppung ermöglicht.[6] Der Lebensraum der Wespe ist eng an das Vorkommen geeigneter Wirte gebunden, bei denen es sich um Larven handelt, die sich im Inneren von Samen oder in Kokons entwickeln.[8] Aufgrund dieser spezifischen Wirtsbindung ist die Art regelmäßig in anthropogenen Lagerstätten wie Getreidespeichern oder Silos anzutreffen.[9] Innerhalb solcher Schüttgutlager zeigen die Weibchen eine ausgeprägte Suchfähigkeit und können Wirtslarven bis zu einer Lagertiefe von vier Metern aufspüren.[10] Das Habitat wird durch das Vorkommen von mindestens 11 verschiedenen Käferarten definiert, die als Wirte dienen. Zu den primären Wirtsarten in diesen Lebensräumen zählen der Kornkäfer (*Sitophilus granarius*), der Maiskäfer (*Sitophilus zeamais*) sowie der Reiskäfer (*Sitophilus oryzae*).[8] Darüber hinaus besiedelt die Wespe Bereiche, die vom Getreidekapuziner (*Rhizopertha dominica*), dem Tabakkäfer (*Lasioderma serricorne*) oder der Getreidemotte (*Sitotroga cerealella*) befallen sind.[8][11] Auch Larven des Brotkäfers (*Stegobium paniceum*) dienen als Wirt und definieren somit das potenzielle Vorkommensgebiet der Art.[12]

Saisonalität & Aktivität

Die Verbreitung von *Lariophagus distinguendus* ist weltweit und vermutlich kosmopolitisch, wobei die Besiedlung neuer Lebensräume oft durch menschliche Verschleppung erfolgt. Die Entwicklung der Parasitoide verläuft rasant; bereits nach etwa 10 Tagen schlüpfen die adulten Imagines aus dem befallenen Getreidekorn.[6] Hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit in den Lagerstätten beschleunigen das Populationswachstum zusätzlich. Die Art ist flugfähig, was für die Wirtssuche relevant ist.[4] Das öffentliche Suchinteresse zeigt eine klare Saisonalität mit Spitzenwerten in den Monaten Juli und August, was auf eine erhöhte Aktivität oder Wahrnehmung in diesem Zeitraum hindeutet.[7]

Quellen & Referenzen

  1. Lagererzwespe - OCR Text (Wikipedia-Artikel)
  2. Parichanon, P. et al. (2025). Behavioral Selectivity: Species-Specific Effects of Nutmeg, Cinnamon, and Clove Essential Oils on Sitophilus oryzae and Its Parasitoid Lariophagus distinguendus. Molecules, 30, 3627. https://doi.org/10.3390/molecules30173627
  3. Wikipedia OCR: Lagererzwespe
  4. https://doi.org/10.3390/molecules30173627
  5. https://www.gbif.org/species/4501193
  6. Sitzungsberichte der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin, Jahrgang 1919, Berlin, 1920, S. 402ff.
  7. Zeitreihen-Analyse: Suchinteresse (aggregiert), DE, 2026
  8. Steidle, J. L. M. et al.: Potential der Lagererzwespe Lariophagus distinguendus zur Bekämpfung des Tabakkäfers. Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie 15, 2013.
  9. Eberhardt, B.: Die Büchse der Parasiten, Stuttgarter Zeitung vom 2. September 2013.
  10. Niedermayer, S. & Steidle, J. L. M.: Biologische Schädlingsbekämpfung im ökologischen Vorratsschutz mit Hilfe der Lagererzwespe. Landinfo 1/2011.
  11. Parichanon, P. et al.: Behavioral Selectivity: Species-Specific Effects of Nutmeg, Cinnamon, and Clove Essential Oils on Sitophilus oryzae and Its Parasitoid Lariophagus distinguendus. Molecules 2025, 30, 3627.
  12. Benelli, G. et al.: Following a scented beetle: Larval faeces as a key olfactory cue in host location of Stegobium paniceum by Lariophagus distinguendus. Chemoecology 2013, 23, 129–136.
  13. Steffi Niedermayer & Johannes L. M. Steidle: Biologische Schädlingsbekämpfung im ökologischen Vorratsschutz mit Hilfe der Lagererzwespe Lariophagus distinguendus. Landinfo 1/2011
  14. Johannes L. M. Steidle et al.: Potential der Lagererzwespe Lariophagus distinguendus zur Bekämpfung des Tabakkäfers. Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie 15, 2013
  15. Steffi Niedermayer & Johannes L. M. Steidle: Biologische Schädlingsbekämpfung im ökologischen Vorratsschutz mit Hilfe der Lagererzwespe. Landinfo 1/2011
  16. Johannes L. M. Steidle et al.: Potential der Lagererzwespe Lariophagus distinguendus zur Bekämpfung des Tabakkäfers Lasioderma serricorne. Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Angewandte Entomologie 15
  17. Wikipedia OCR Text (Page 1-2)