Die Ordnung *Blattodea* umfasst taxonomisch sowohl die Schaben als auch die Termiten und bildet eine monophyletische Gruppe innerhalb der Überordnung *Dictyoptera*.[3][1] Historisch wurden Schaben oft unter dem Namen *Blattaria* geführt, während Termiten als eigenständige Ordnung *Isoptera* klassifiziert waren, was jedoch aufgrund phylogenetischer Erkenntnisse revidiert wurde.[1][2] Moderne molekulare Analysen belegen, dass Termiten tief in die Stammesgeschichte der Schaben eingebettet sind und eine Schwestergruppe zu den holzfressenden Vertretern der Familie Cryptocercidae (*Cryptocercus*) bilden.[2][3] In der aktuellen Systematik werden Termiten daher oft als Epifamilie Termitoidae innerhalb der *Blattodea* geführt, wodurch die frühere Trennung der *Isoptera* als paraphyletisch gilt.[3][1] Die interne Gliederung der *Blattodea* erfolgt in die drei Hauptlinien Corydioidea, Blaberoidea und *Blattoidea*, wobei letztere die Termiten einschließt. Als Schwestergruppe der *Blattodea* gilt die Ordnung *Mantodea* (Fangschrecken), von der sie sich vor etwa 263 Millionen Jahren trennte. Der Fossilbericht reicht bis in das Karbon vor rund 300 Millionen Jahren zurück, wobei frühe Vertreter wie *Archimylacris eggintoni* als „Roachoids“ oder Proto-Schaben bekannt sind.[1] Im Deutschen wird die Gruppe allgemein als Schaben bezeichnet, wobei spezifische Familien wie *Blattidae* (z. B. *Blatta orientalis*) und *Ectobiidae* unterschieden werden.[1][4]
Die Ordnung *Blattodea* umfasst morphologisch diverse Insekten, wobei Schaben typischerweise einen dorsoventral abgeflachten, ovalen Körperbau aufweisen, während Termiten weiche, zylindrische Körper besitzen. Die Körpergröße variiert stark von wenigen Millimetern bis zu über 9 cm, wobei das Exoskelett aus Chitin besteht und oft mit Calciumcarbonat verstärkt ist.[1] Der große, hypognathe Kopf ist bei Schaben meist von einem schildartigen Pronotum des Prothorax verdeckt, das Schutz von oben bietet.[3] Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal sind die Antennen: Sie sind bei Schaben lang, fadenförmig (filiform) und vielgliedrig, während Termiten perlschnurartige (moniliforme) Fühler besitzen.[6] Beide Gruppen verfügen über beißend-kauende Mundwerkzeuge mit robusten Mandibeln, die zur Zerkleinerung von organischer Materie geeignet sind.[3] Adulte Schaben besitzen oft ledrige Vorderflügel (Tegmina), die die membranösen, fächerartigen Hinterflügel schützen, wobei viele Arten auch flügellos oder kurzflügelig (brachypter) sind.[3][1] Geflügelte Termiten (Alate) hingegen weisen zwei Paar gleich lange, membranöse Flügel auf, die nach dem Schwärmen abgeworfen werden. Die Beine sind meist als Laufbeine ausgebildet, mit bedornten Tibien und fünfgliedrigen Tarsen, die oft Haftpolster (Arolia) für das Klettern an glatten Oberflächen tragen. Das Abdomen besteht aus zehn Segmenten und trägt am Ende paarige Cerci, die als Sinnesorgane für Erschütterungen dienen.[3] Ein Sexualdimorphismus zeigt sich oft in der Größe, wobei Weibchen meist größer sind, sowie in den Genitalstrukturen, wie den asymmetrischen Phallomeren der Männchen.[1] Da *Blattodea* eine hemimetabole Entwicklung ohne Puppenstadium durchlaufen, ähneln die Nymphen den Adulttieren, sind jedoch kleiner und flügellos.[3] Schabenweibchen produzieren charakteristische Ootheken (Eikapseln), die je nach Art 12 bis 40 Eier enthalten und vor Austrocknung schützen.[4] Im Gegensatz dazu legen Termitenköniginnen ihre Eier einzeln oder in kleinen Clustern ab.[1] Termiten zeigen zudem einen ausgeprägten Kastenpolymorphismus: Soldaten besitzen oft vergrößerte Köpfe mit Verteidigungsmandibeln oder Nasus-Drüsen, während Arbeiter reduzierte Augen aufweisen.[3]
Obwohl die meisten *Blattodea*-Arten ökologisch wertvolle Zersetzer sind, gelten einige synanthrope Vertreter als bedeutende Hygiene- oder Materialschädlinge.[3] Schaben wie die Deutsche Schabe (*Blattella germanica*) fungieren als mechanische Vektoren für Pathogene wie *Salmonella enterica* und können durch Allergene in Kot und Häutungsresten Asthma auslösen.[3][1] Termiten, insbesondere unterirdische Arten wie *Coptotermes formosanus*, verursachen weltweit massive Schäden an Gebäudestrukturen mit jährlichen Kosten von über 40 Milliarden Dollar. Ein effektives Management basiert auf Integrierter Schädlingsbekämpfung (IPM), die sanitäre Maßnahmen zur Beseitigung von Nahrungs- und Wasserquellen mit baulicher Prävention kombiniert. Zur Bekämpfung von Schaben werden häufig Gelköder mit Wirkstoffen wie Fipronil oder Hydramethylnon eingesetzt, die durch sekundären Transfer innerhalb der Population wirken.[3] Um Resistenzen entgegenzuwirken, kommen auch Köderformulierungen mit Neonicotinoiden wie Acetamiprid oder Borsäure zum Einsatz. Ergänzend können Repellentien auf Basis von Transfluthrin genutzt werden, um einen Befall präventiv abzuwehren.[4] Das Termitenmanagement setzt primär auf langsam wirkende Ködersysteme, die auf die Eliminierung ganzer Kolonien abzielen, sowie auf Bodenbehandlungen.[3] Biologische Bekämpfungsansätze beinhalten den Einsatz natürlicher Feinde wie der Schlupfwespe *Evania appendigaster*, deren Larven sich in Schaben-Ootheken entwickeln.[1] Neuere biotechnologische Forschungen untersuchen zudem den Einsatz von RNA-Interferenz (RNAi), um die Immunabwehr von Termiten gezielt zu schwächen.[3]