Fakten (kompakt)
- Aktuelle taxonomische Datenbanken führen *Saintpaulia ionantha* mittlerweile als Synonym für *Streptocarpus ionanthus*, womit die Art der Gattung der Drehfrucht (*Streptocarpus*) zugeordnet wird.[4] - Bei der vegetativen Vermehrung werden Blattstecklinge auf eine Stiellänge von zwei bis drei Zentimetern eingekürzt, wobei sich nach etwa sechs Wochen Adventivtriebe bilden. - Samen des Usambaraveilchens sind Lichtkeimer, die bei einer Temperatur von 20 bis 25 °C eine Keimdauer von nur fünf Tagen aufweisen.[1] - Zur Erzeugung einer gelben Blütenfarbe wurden die Gene *4'CGT* und *AS1* aus dem Löwenmaul (*Antirrhinum majus*) mittels *Agrobacterium tumefaciens* übertragen, da dem Usambaraveilchen das Enzym Chalcon-Isomerase (CHI) zur natürlichen Bildung von Auronen fehlt. - Die Regenerationsrate bei der Erzeugung dieser transgenen, gelb blühenden Pflanzen lag in Versuchsreihen zwischen 20 und 30 %.[3] - Zu den namentlich bekannten Sorten zählen unter anderem 'Artus' und 'Blue' (blau), 'Anna' (rosa), 'Akira' (rot) sowie 'Comet' (weiß).[1] - Der kulturelle Einfluss der Pflanze zeigt sich in der deutschen Fernsehgeschichte: Die 123. Folge der Krimireihe *Tatort* aus dem Jahr 1981 trug den Titel „Usambaraveilchen“.[1]
Das Usambaraveilchen führt den wissenschaftlichen Namen *Saintpaulia ionantha* H.Wendl. und wird der Familie der Gesneriengewächse (Gesneriaceae) zugeordnet. Die Erstbeschreibung der Art erfolgte im Jahr 1893 durch Hermann Wendland in der Zeitschrift „Gartenflora“, womit sie gleichzeitig als Typusart der Gattung *Saintpaulia* etabliert wurde. Das gewählte Artepitheton *ionantha* bedeutet übersetzt „veilchenblütig“ und bezieht sich auf die ursprüngliche violette Blütenfarbe. Im englischen Sprachraum ist die Pflanze als „African violet“ bekannt, wobei der Namensteil „Veilchen“ lediglich auf die Farbähnlichkeit verweist und keine nähere Verwandtschaft zur Gattung *Viola* besteht. Historisch wurden der Art verschiedene Synonyme zugeordnet, darunter *Petrocosmea ionantha* (H.Wendl.) Rodigas sowie *Saintpaulia kewensis* C.B.Clarke. Das Typusmaterial basierte auf Samen, die von Saint-Paul-Illaire von den Originalstandorten versendet wurden, woraus sich der Gattungsname ableitet.[3] Die taxonomische Bewertung hat sich im Laufe der Zeit gewandelt, wobei neuere phylogenetische Erkenntnisse, wie die von Nishii et al. (2015), die Systematik veränderten.[3] In aktuellen Biodiversitätsdatenbanken wird *Saintpaulia ionantha* daher inzwischen als Synonym für *Streptocarpus ionanthus* geführt.[4] Trotz dieser taxonomischen Verschiebungen bleibt der Name *Saintpaulia* im Zierpflanzenbau und Handel die dominierende Bezeichnung.[3]
Bei den Wildformen von *Saintpaulia ionantha* handelt es sich um tropische, immergrüne und ausdauernde krautige Pflanzen, die rosettenförmig bis kriechend stängelbildend wachsen. Der anfangs behaarte Stängel ist gestaucht, kurz und robust oder schlanker und bis zu 20 cm lang. Die in Blattstiel und Blattspreite gegliederten Laubblätter sind fleischig bis sehr dünn und farblich hellgrün bis purpurrot. Die Blattspreite ist mit einer Länge von 1,7 bis 12,5 cm eiförmig, elliptisch oder kreisförmig mit einer herzförmigen Basis, wobei der Blattrand gewellt, gesägt oder fast glatt sein kann. Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal ist die je nach Unterart sehr unterschiedliche Behaarung der Blattoberseite. Die fünfzähligen, zygomorphen Blüten besitzen eine doppelte Blütenhülle und stehen in seitenständigen Blütenständen. Die fünf Kelchblätter sind an der Basis verwachsen, während die Kronblätter eine kurze Röhre mit zwei Lippen bilden (obere Lippe zweilappig, untere dreilappig). Bei Wildformen sind nur zwei Staubblätter fertil, die durch große, nierenförmige und leuchtend gelbe Staubbeutel auffallen.[1] Mikroskopische Analysen zeigen, dass bei weißblühenden Wildtypen blassgelbe Pigmente (Chalkone) in der adaxialen Epidermis lokalisiert sind, während das Mesophyll weiß erscheint.[3] Die Frucht ist eine 7 bis 30 mm lange, eiförmige bis schmal zylindrische Kapsel mit unterschiedlich stark behaarter Oberfläche. Die darin enthaltenen Samen sind 0,4 bis 0,65 mm lang, warzig und weisen longitudinale Kämme auf. Kulturformen unterscheiden sich durch größere Wuchshöhen und Pflanzendurchmesser sowie eine enorme Varianz bei Blütenfarben und -formen, wobei auch gefüllte Blüten oder solche mit gefransten Rändern vorkommen.[1]
Das *Saintpaulia ionantha* ist eine kommerziell bedeutende Zierpflanze und zählt zu den beliebtesten blühenden Zimmerpflanzen, wobei allein in den USA über 2000 Sorten registriert sind.[1][3] Der globale Markt für Zierpflanzen wird auf über 300 Milliarden Dollar geschätzt, wobei die Variabilität der Blütenfarbe einen wesentlichen ökonomischen Faktor darstellt.[3] Da die Art natürlicherweise über kein Gelb-Pigment verfügt, zielen biotechnologische Forschungen darauf ab, durch genetische Modifikation (z. B. mit Genen aus *Antirrhinum majus*) neue Farbvarianten zu erzeugen und den Marktwert zu steigern.[3] In der Kulturführung sind präventive Maßnahmen gegen physiologische Schäden entscheidend, da die Pflanzen empfindlich auf Kälte reagieren. So darf die Temperatur bei der Vermarktung und beim Transport 10 °C nicht unterschreiten. Auch das Gießwasser sollte nicht kälter als 20 °C sein und idealerweise über ein Anstauverfahren verabreicht werden. Um Wachstumsstörungen zu vermeiden, darf beim Topfen das Herz der Pflanze nicht mit Erde bedeckt werden, obwohl der Vegetationspunkt etwas tiefer als der Topfrand liegen sollte. Im Sommer müssen die Bestände schattiert werden, um Schäden durch zu hohe Lichtintensität zu verhindern, während im Winter Assimilationslicht die Kulturdauer verkürzen kann.[1]