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Usambaraveilchen Saintpaulia ionantha

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Usambaraveilchen

Taxonomische Klassifikation

Reich Pflanzen (Plantae)
Stamm Tracheophyta (Tracheophyta)
Klasse Magnoliopsida (Magnoliopsida)
Ordnung Lamiales (Lamiales)
Familie Gesneriaceae
Gattung Streptocarpus
Art Saintpaulia ionantha
Wissenschaftlicher Name: Saintpaulia ionantha H.Wendl.
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Einleitung

Das **Usambaraveilchen** (*Saintpaulia ionantha*) ist eine immergrüne, ausdauernde krautige Pflanzenart aus der Familie der Gesneriengewächse (Gesneriaceae). Die ursprünglich in den Usambara-Bergen Tansanias endemische Art ist heute eine weltweit bedeutende Zierpflanze, von der über 2000 Sorten registriert sind.[1][2] Der Trivialname leitet sich von der veilchenartigen Blütenfarbe der Wildformen ab, eine nähere Verwandtschaft zur Gattung der Veilchen (*Viola*) besteht jedoch nicht.[1]

Fakten (kompakt)

- Aktuelle taxonomische Datenbanken führen *Saintpaulia ionantha* mittlerweile als Synonym für *Streptocarpus ionanthus*, womit die Art der Gattung der Drehfrucht (*Streptocarpus*) zugeordnet wird.[4] - Bei der vegetativen Vermehrung werden Blattstecklinge auf eine Stiellänge von zwei bis drei Zentimetern eingekürzt, wobei sich nach etwa sechs Wochen Adventivtriebe bilden. - Samen des Usambaraveilchens sind Lichtkeimer, die bei einer Temperatur von 20 bis 25 °C eine Keimdauer von nur fünf Tagen aufweisen.[1] - Zur Erzeugung einer gelben Blütenfarbe wurden die Gene *4'CGT* und *AS1* aus dem Löwenmaul (*Antirrhinum majus*) mittels *Agrobacterium tumefaciens* übertragen, da dem Usambaraveilchen das Enzym Chalcon-Isomerase (CHI) zur natürlichen Bildung von Auronen fehlt. - Die Regenerationsrate bei der Erzeugung dieser transgenen, gelb blühenden Pflanzen lag in Versuchsreihen zwischen 20 und 30 %.[3] - Zu den namentlich bekannten Sorten zählen unter anderem 'Artus' und 'Blue' (blau), 'Anna' (rosa), 'Akira' (rot) sowie 'Comet' (weiß).[1] - Der kulturelle Einfluss der Pflanze zeigt sich in der deutschen Fernsehgeschichte: Die 123. Folge der Krimireihe *Tatort* aus dem Jahr 1981 trug den Titel „Usambaraveilchen“.[1]

Name & Einordnung

Das Usambaraveilchen führt den wissenschaftlichen Namen *Saintpaulia ionantha* H.Wendl. und wird der Familie der Gesneriengewächse (Gesneriaceae) zugeordnet. Die Erstbeschreibung der Art erfolgte im Jahr 1893 durch Hermann Wendland in der Zeitschrift „Gartenflora“, womit sie gleichzeitig als Typusart der Gattung *Saintpaulia* etabliert wurde. Das gewählte Artepitheton *ionantha* bedeutet übersetzt „veilchenblütig“ und bezieht sich auf die ursprüngliche violette Blütenfarbe. Im englischen Sprachraum ist die Pflanze als „African violet“ bekannt, wobei der Namensteil „Veilchen“ lediglich auf die Farbähnlichkeit verweist und keine nähere Verwandtschaft zur Gattung *Viola* besteht. Historisch wurden der Art verschiedene Synonyme zugeordnet, darunter *Petrocosmea ionantha* (H.Wendl.) Rodigas sowie *Saintpaulia kewensis* C.B.Clarke. Das Typusmaterial basierte auf Samen, die von Saint-Paul-Illaire von den Originalstandorten versendet wurden, woraus sich der Gattungsname ableitet.[3] Die taxonomische Bewertung hat sich im Laufe der Zeit gewandelt, wobei neuere phylogenetische Erkenntnisse, wie die von Nishii et al. (2015), die Systematik veränderten.[3] In aktuellen Biodiversitätsdatenbanken wird *Saintpaulia ionantha* daher inzwischen als Synonym für *Streptocarpus ionanthus* geführt.[4] Trotz dieser taxonomischen Verschiebungen bleibt der Name *Saintpaulia* im Zierpflanzenbau und Handel die dominierende Bezeichnung.[3]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Bei den Wildformen von *Saintpaulia ionantha* handelt es sich um tropische, immergrüne und ausdauernde krautige Pflanzen, die rosettenförmig bis kriechend stängelbildend wachsen. Der anfangs behaarte Stängel ist gestaucht, kurz und robust oder schlanker und bis zu 20 cm lang. Die in Blattstiel und Blattspreite gegliederten Laubblätter sind fleischig bis sehr dünn und farblich hellgrün bis purpurrot. Die Blattspreite ist mit einer Länge von 1,7 bis 12,5 cm eiförmig, elliptisch oder kreisförmig mit einer herzförmigen Basis, wobei der Blattrand gewellt, gesägt oder fast glatt sein kann. Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal ist die je nach Unterart sehr unterschiedliche Behaarung der Blattoberseite. Die fünfzähligen, zygomorphen Blüten besitzen eine doppelte Blütenhülle und stehen in seitenständigen Blütenständen. Die fünf Kelchblätter sind an der Basis verwachsen, während die Kronblätter eine kurze Röhre mit zwei Lippen bilden (obere Lippe zweilappig, untere dreilappig). Bei Wildformen sind nur zwei Staubblätter fertil, die durch große, nierenförmige und leuchtend gelbe Staubbeutel auffallen.[1] Mikroskopische Analysen zeigen, dass bei weißblühenden Wildtypen blassgelbe Pigmente (Chalkone) in der adaxialen Epidermis lokalisiert sind, während das Mesophyll weiß erscheint.[3] Die Frucht ist eine 7 bis 30 mm lange, eiförmige bis schmal zylindrische Kapsel mit unterschiedlich stark behaarter Oberfläche. Die darin enthaltenen Samen sind 0,4 bis 0,65 mm lang, warzig und weisen longitudinale Kämme auf. Kulturformen unterscheiden sich durch größere Wuchshöhen und Pflanzendurchmesser sowie eine enorme Varianz bei Blütenfarben und -formen, wobei auch gefüllte Blüten oder solche mit gefransten Rändern vorkommen.[1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Das *Saintpaulia ionantha* ist eine kommerziell bedeutende Zierpflanze und zählt zu den beliebtesten blühenden Zimmerpflanzen, wobei allein in den USA über 2000 Sorten registriert sind.[1][3] Der globale Markt für Zierpflanzen wird auf über 300 Milliarden Dollar geschätzt, wobei die Variabilität der Blütenfarbe einen wesentlichen ökonomischen Faktor darstellt.[3] Da die Art natürlicherweise über kein Gelb-Pigment verfügt, zielen biotechnologische Forschungen darauf ab, durch genetische Modifikation (z. B. mit Genen aus *Antirrhinum majus*) neue Farbvarianten zu erzeugen und den Marktwert zu steigern.[3] In der Kulturführung sind präventive Maßnahmen gegen physiologische Schäden entscheidend, da die Pflanzen empfindlich auf Kälte reagieren. So darf die Temperatur bei der Vermarktung und beim Transport 10 °C nicht unterschreiten. Auch das Gießwasser sollte nicht kälter als 20 °C sein und idealerweise über ein Anstauverfahren verabreicht werden. Um Wachstumsstörungen zu vermeiden, darf beim Topfen das Herz der Pflanze nicht mit Erde bedeckt werden, obwohl der Vegetationspunkt etwas tiefer als der Topfrand liegen sollte. Im Sommer müssen die Bestände schattiert werden, um Schäden durch zu hohe Lichtintensität zu verhindern, während im Winter Assimilationslicht die Kulturdauer verkürzen kann.[1]

Biologie & Lebenszyklus

Bei den Wildformen von *Saintpaulia ionantha* handelt es sich um tropische, immergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen, die rosettenförmig oder kriechend stängelbildend wachsen. In ihrem natürlichen Habitat besiedelt die Art die Krautschicht im Schatten von Wäldern oder feuchte Felsen.[11] Die zwittrigen, zygomorphen Blüten sind fünfzählig und besitzen eine doppelte Blütenhülle. Ein charakteristisches Merkmal der Wildformen ist, dass nur zwei Staubblätter fertil sind, während zwei bis drei Staminodien winzig bleiben. Die robusten Staubbeutel sind nierenförmig und leuchtend gelb.[12] Die Blütenfarbe wird primär durch Anthocyane bestimmt, welche ein Spektrum von Orange über Rot bis Violett und Blau abdecken, während die Farbe Gelb (Aurone) natürlich nicht vorkommt.[3] Nach der Befruchtung bildet sich eine eiförmige bis schmal zylindrische Kapselfrucht, die 7 bis 30 mm lang wird und eine unterschiedlich stark behaarte Oberfläche aufweist. Die darin enthaltenen Samen sind mit 0,4 bis 0,65 mm sehr klein, warzig und besitzen longitudinale Kämme.[12] Physiologisch zählen die Samen zu den Lichtkeimern, wobei die Keimdauer bei Temperaturen von 20 bis 25 °C etwa fünf Tage beträgt. In der Kultur erfolgt die Vermehrung überwiegend vegetativ über Blattstecklinge, die bei 20 bis 25 °C gehalten werden. Nach etwa sechs Wochen erscheinen Adventivtriebe, und der Zyklus vom Stecken des Blattes bis zum pikierfähigen Austrieb dauert insgesamt drei Monate. Die Pflanzen sind nicht winterhart und reagieren empfindlich auf Kälte; bereits Temperaturen unter 10 °C oder Gießwasser unter 20 °C können zu Schäden führen.[8]

Vorkommen & Lebensraum

Das natürliche Verbreitungsgebiet der reinen botanischen Art *Saintpaulia ionantha* beschränkt sich auf die Usambara-Berge in Tansania. In dieser Region ist die Spezies endemisch und heute noch vereinzelt als Wildform anzutreffen. Die Pflanzen gedeihen dort als tropische, immergrüne und ausdauernde krautige Gewächse. Ihr bevorzugter Lebensraum befindet sich in der Krautschicht im Schatten der Wälder oder an feuchten Felsen. Dabei wachsen die Wildformen rosettenförmig bis kriechend stängelbildend und nutzen spezifische Mikrohabitate. Historische Samenkollektionen, auf denen heutige Unterarten basieren, stammten von zwei spezifischen Standorten innerhalb dieses Verbreitungsgebiets.[6] Außerhalb des natürlichen Areals hat sich das Usambaraveilchen weltweit als bedeutende kommerzielle Zierpflanze etabliert. Es existieren mittlerweile über 2000 Sorten, die sich in Blütenfarbe und -form unterscheiden. Natürlich kommen Farben wie Weiß, Rot, Violett und Pink vor, jedoch fehlt der Art das Pigment für gelbe Blüten.[7] In der Kultur benötigen die Pflanzen Temperaturen von 20 bis 25 °C, um ganzjährig Stecklinge gewinnen zu können. Im Sommer müssen die Bestände schattiert werden, da die Pflanzen an schattige Waldhabitate angepasst sind.[8] Der deutsche Name „Veilchen“ bezieht sich lediglich auf die violette Farbe der ursprünglichen *Saintpaulia*, eine nähere Verwandtschaft zur Gattung *Viola* besteht nicht.[6]

Saisonalität & Aktivität

Bei den Wildformen von *Saintpaulia ionantha* handelt es sich um immergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen, die an tropische Bedingungen angepasst sind. Die domestizierten Kultur-Sorten zeichnen sich durch die Fähigkeit aus, bei entsprechender Pflege ganzjährig zu blühen.[3] In der Erwerbskultur und Forschung werden die Pflanzen oft unter kontrollierten Bedingungen bei Temperaturen zwischen 20 und 25 °C gehalten.[3][2] Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist dennoch lichtabhängig; so beträgt die Kulturdauer vom Eintopfen bis zur Verkaufsreife im Sommer etwa drei Monate, im Winter jedoch einen Monat länger. Um Wachstumsphasen auch im Winter (Mitte Oktober bis Ende Februar) aufrechtzuerhalten, ist in Mitteleuropa oft der Einsatz von Assimilationslicht notwendig. Im Gegensatz dazu müssen die Bestände im Sommer vor zu hoher Lichtintensität schattiert werden. Die vegetative Vermehrung vom Stecken des Blattes bis zum Austrieb neuer Triebe dauert durchschnittlich drei Monate.[3] Unter Laborbedingungen erreichen Pflanzen nach der Akklimatisierung im Gewächshaus ihre Reife nach etwa 16 Wochen.[2] Ergänzende Daten zeigen, dass das öffentliche Interesse an der Pflanze im Frühjahr (März und Mai) am höchsten ist, während es im Dezember und August abnimmt.[5]

Quellen & Referenzen

  1. Wikipedia-Artikel: Usambaraveilchen (OCR-Text)
  2. Rajabi, A. et al. (2022): Genetic engineering of novel yellow color african violet (Saintpaulia ionantha). Biological Procedures Online 24:3. https://doi.org/10.1186/s12575-022-00164-0
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Usambaraveilchen
  4. https://www.gbif.org/species/6365236
  5. Suchinteresse-Zeitreihe (aggregiert)
  6. W. A. Rodgers, K. M. Homewood: Species richness and endemism in the Usambara mountain forests, Tanzania. In: Biological Journal of the Linnean Society. 18, 1982, S. 197–242.
  7. Rajabi, A., Fahmideh, L., Keykhasaber, M. et al. Genetic engineering of novel yellow color african violet (Saintpaulia ionantha) produced by accumulation of Aureusidin 6-O-glucoside. Biol Proced Online 24, 3 (2022). https://doi.org/10.1186/s12575-022-00164-0
  8. Karl Zimmer: Hauptkulturen im Zierpflanzenbau, 3. Auflage, Eugen Ulmer, 1991, ISBN 3-8001-5134-0.
  9. Darbyshire, I. (2006): Gesneriaceae. In: Beentje, H.J. & Ghazanfar, S.A. (Hrsg.): Flora of Tropical East Africa.
  10. GBIF Backbone Taxonomy. Checklist dataset https://doi.org/10.15468/39omei
  11. Rodgers, W. A., Homewood, K. M.: Species richness and endemism in the Usambara mountain forests, Tanzania. Biological Journal of the Linnean Society 18, 1982, S. 197–242.
  12. Darbyshire, I.: Gesneriaceae. In: H.J. Beentje & S.A. Ghazanfar (Hrsg.): Flora of Tropical East Africa. 2006.
  13. World Checklist of Gesneriaceae Query Results - Gesneriaceae Research: Saintpaulia ionantha