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Fliegende Ameisen: Erkennen und Bekämpfen
januari 23, 2026 Patricia Titz

Fliegende Ameisen: Erkennen und Bekämpfen

Es ist ein schwüler Hochsommertag, die Luft steht förmlich, und plötzlich scheint der Boden lebendig zu werden. Tausende von geflügelten Insekten steigen gleichzeitig in die Luft auf und bilden dichte Schwärme. Für viele Hausbesitzer und Gartenfreunde ist dieses Phänomen, bekannt als das Auftreten „fliegender Ameisen“, ein jährliches Ereignis, das oft Besorgnis auslöst. Handelt es sich um eine gefährliche Mutation? Steht eine Plage bevor? Die gute Nachricht vorweg: Es handelt sich nicht um eine neue Spezies, sondern um einen ganz natürlichen biologischen Vorgang, den sogenannten Hochzeitsflug. Dennoch kann das massenhafte Auftreten, insbesondere innerhalb von Wohnräumen, lästig sein und Maßnahmen erfordern. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles über die Hintergründe, wie Sie die Tiere sicher identifizieren und welche Strategien zur Bekämpfung oder Umsiedlung wirklich sinnvoll sind.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Keine eigene Art: Fliegende Ameisen sind keine spezielle Spezies, sondern geschlechtsreife Männchen und Jungköniginnen bekannter Arten (z. B. der Schwarzen Wegameise) auf dem Hochzeitsflug.
  • Zeitpunkt: Das Schwärmen findet meist an warmen, schwülen Tagen zwischen Mai und September statt, oft synchronisiert durch Wetterbedingungen.
  • Harmlosigkeit: Die geflügelten Tiere stechen in der Regel nicht und sterben (Männchen) oder verlieren ihre Flügel (Königinnen) kurz nach der Paarung.
  • Verwechslungsgefahr: Wichtig ist die Unterscheidung zu Termiten oder Holzschädlingen; Ameisen haben eine deutlich eingeschnürte „Wespentaille“.
  • Maßnahmen: Im Freien ist keine Bekämpfung nötig. Im Haus helfen Staubsauger, Fliegengitter und bei Befall der Bausubstanz professionelle Köder oder Fachleute.

Das Phänomen „Fliegende Ameisen“ verstehen

Um effektiv auf das Auftreten geflügelter Ameisen reagieren zu können, ist ein Verständnis ihrer Biologie unerlässlich. Ameisen sind eusoziale Insekten, die in komplexen Staaten leben. Die überwältigende Mehrheit der Tiere, die wir im Alltag sehen, sind unfruchtbare Arbeiterinnen ohne Flügel. Nur zu bestimmten Zeiten im Jahr produziert die Kolonie geschlechtsfähige Nachkommen: die geflügelten Männchen und die ebenfalls geflügelten Jungköniginnen[1].

Der Hochzeitsflug: Ein synchronisiertes Ereignis

Der sogenannte Hochzeitsflug dient der Paarung und der genetischen Durchmischung. Damit Inzucht vermieden wird, schwärmen die Geschlechtstiere verschiedener Nester einer Region oft gleichzeitig aus. Dieses Verhalten wird durch eine „innere Uhr“ sowie spezifische Umweltfaktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lichtverhältnisse gesteuert[2]. Besonders an schwülen Nachmittagen vor oder nach einem Sommergewitter ist die Wahrscheinlichkeit für dieses Massenphänomen hoch.

Während des Fluges oder unmittelbar nach der Landung findet die Begattung statt. Ein interessantes Detail der Evolution: Die Männchen sterben kurz nach der Paarung, da ihr biologischer Zweck erfüllt ist. Die begatteten Jungköniginnen hingegen brechen sich ihre nun nutzlos gewordenen Flügel ab (daher findet man oft Flügel am Boden) und suchen nach einem geeigneten Ort zur Gründung einer neuen Kolonie[3]. Die Königin speichert das Sperma in einer Samentasche (Receptaculum seminis) und kann damit über Jahre hinweg Eier befruchten, ohne sich erneut paaren zu müssen[4].

Welche Arten fliegen wann?

In Mitteleuropa gibt es etwa 160 Ameisenarten, aber nur wenige treten in menschlichen Siedlungsbereichen massenhaft in Erscheinung. Die Bestimmung der Art ist wichtig, da einige Arten Bauschäden verursachen können, während andere harmlos sind.

Die Schwarzgraue Wegameise (Lasius niger)

Dies ist die häufigste Art in deutschen Gärten und Städten. Ihre Schwarmflüge finden hauptsächlich von Mitte Juli bis Anfang August statt, oft an schwülen Tagen zwischen 11:30 und 18:00 Uhr[5]. Sie nisten oft unter Gehwegplatten oder im Rasen, dringen aber auf der Suche nach Nahrung auch in Häuser ein. Sie sind als Lästlinge einzustufen, verursachen aber keine direkten Bauschäden.

Die Gelbe Wiesenameise (Lasius flavus)

Diese Art lebt überwiegend unterirdisch und legt Erdhügel im Rasen an. Ihre Geschlechtstiere schwärmen an warmen Spätnachmittagen zwischen Juni und September[5]. Da sie fast nie in Häuser eindringen, werden sie selten zum Problem, können aber durch ihre Hügelbildung im Zierrasen als störend empfunden werden.

Holzzerstörende Arten

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn geflügelte Ameisen sehr früh im Jahr (Mai/Juni) oder direkt aus Bauteilen im Haus erscheinen. Die Braune Wegameise (Lasius brunneus) und die Zweifarbige Wegameise (Lasius emarginatus) sowie Rossameisen (Camponotus sp.) können Nester in verbautem Holz anlegen und die Bausubstanz schädigen[6]. Die Rossameise Camponotus ligniperda schwärmt beispielsweise schon ab Anfang Mai bis Ende Juni[7].

Warnung: Verwechslung mit Termiten

Obwohl Termiten in Mitteleuropa seltener sind, können sie mit fliegenden Ameisen verwechselt werden. Ein klares Unterscheidungsmerkmal ist die Körperform: Ameisen besitzen zwischen Brust (Thorax) und Hinterleib (Gaster) eine deutliche Einschnürung, die sogenannte „Wespentaille“ (Petiolus). Bei Termiten geht der Brustabschnitt fast übergangslos in den Hinterleib über[8]. Zudem sind die Fühler von Ameisen gekniet (gewinkelt), während Termiten gerade Fühler haben.

Sind fliegende Ameisen gefährlich?

Für den Menschen geht von den meisten fliegenden Ameisen in Deutschland keine direkte Gefahr aus. Die Männchen besitzen keinen Stachel und können nicht beißen. Die Jungköniginnen haben zwar Mundwerkzeuge, setzen diese aber fast nie zur Verteidigung gegen Menschen ein. Eine Ausnahme bilden Arten der Gattung Myrmica (Knotenameisen), wie die Rote Gartenameise (Myrmica rubra). Diese besitzen einen Giftstachel und können empfindlich stechen, ähnlich wie Brennnesseln[9]. Allerdings sind diese Arten während des Schwärmens meist weniger aggressiv als bei der Verteidigung ihres Nestes am Boden.

Gesundheitlich relevant können Ameisen werden, wenn sie als Vektoren für Keime fungieren. Die Pharaoameise (Monomorium pharaonis), eine winzige, wärmeliebende Art, kann Krankheitserreger wie Salmonellen und Streptokokken verbreiten, schwärmt aber in unseren Breiten nicht im Freien, sondern besiedelt ganzjährig beheizte Gebäude wie Krankenhäuser oder Großküchen[10].

Prävention und Bekämpfung

Wenn fliegende Ameisen auftreten, ist Panik der falsche Ratgeber. Da das Ereignis meist nur wenige Stunden bis Tage andauert, ist oft gar keine massive chemische Bekämpfung notwendig. Die Strategie hängt stark davon ab, ob die Tiere im Freien oder im Haus auftreten.

Maßnahmen im Außenbereich

Im Garten sind Ameisen ein wichtiger Teil des Ökosystems. Sie lockern den Boden auf (oft effizienter als Regenwürmer), verbreiten Pflanzensamen und vertilgen Aas sowie andere Insekten[11]. Ein Schwarmflug auf der Terrasse ist zwar lästig, regelt sich aber meist von selbst. Vögel und andere Insektenfresser freuen sich über das reichhaltige Nahrungsangebot.

Wer die Nester dennoch von der Terrasse vertreiben möchte, kann auf Vergrämung setzen. Ameisen orientieren sich stark an Gerüchen. Starke Düfte wie Lavendelöl, Zimt, Gewürznelken oder Zitronenschalen können dazu führen, dass die Ameisen ihren Standort verlegen[12].

Maßnahmen im Innenbereich

Treten fliegende Ameisen massenhaft im Wohnraum auf, deutet dies darauf hin, dass sich ein Nest im Haus oder unmittelbar an der Hauswand befindet. Hier ist Handlungsbedarf gegeben.

  • Mechanische Entfernung: Die einfachste und ungiftigste Methode ist der Staubsauger. Saugen Sie die schwärmenden Tiere einfach ein. Entsorgen Sie den Beutel danach direkt in der Mülltonne außerhalb des Hauses.
  • Fenster öffnen: Da die Tiere zum Licht streben, hilft es oft, Fenster weit zu öffnen (und Lichtquellen im Raum auszuschalten), damit die Tiere nach draußen abziehen können.
  • Eintrittspforten verschließen: Untersuchen Sie Fensterrahmen, Türschwellen und Mauerwerk auf Risse. Silikon oder Gips können helfen, die Wege der Ameisen dauerhaft zu versperren[13].

Profitipp: Biologische Bekämpfung mit Nematoden

Für eine nachhaltige und umweltfreundliche Bekämpfung von Nestern im Boden (z.B. in Pflanzkübeln oder im Rasen) eignen sich Nematoden (Fadenwürmer). Diese mikroskopisch kleinen Nützlinge dringen in die Ameisenlarven ein und bekämpfen die Kolonie von innen, ohne Pflanzen oder Haustiere zu gefährden. Dies ist die einzige Methode, die rechtlich als „natürliches Ameisenmittel“ bezeichnet werden darf[14].

Chemische Bekämpfungsmittel

Wenn Hausmittel nicht wirken oder die Bausubstanz bedroht ist, kommen Biozide zum Einsatz. Hierbei unterscheidet man zwischen Kontaktgiften (Sprays) und Fraßgiften (Köder).

Sprays (z.B. mit Geraniol oder Permethrin): Diese wirken sofort bei Kontakt. Sie eignen sich gut, um akute Schwärme an Eintrittspforten zu stoppen. Sie töten jedoch meist nur die Arbeiterinnen und Geschlechtstiere, erreichen aber nicht die Königin im Nest[14].

Ameisenköder (Gels und Dosen): Diese enthalten Lockstoffe (Zucker oder Proteine) gemischt mit einem verzögert wirkenden Insektizid (z.B. Spinosad oder Fipronil). Die Arbeiterinnen tragen den Wirkstoff in das Nest und füttern damit die Brut und die Königin. Dies ist die effektivste Methode, um eine Kolonie dauerhaft zu eliminieren[15].

Achtung: Naturschutz beachten

Nicht jede Ameise darf bekämpft werden. Die hügelbauenden Waldameisen (Formica-Arten) stehen unter strengem Artenschutz. Sie dürfen weder getötet noch ihre Nester zerstört werden. Sollten sich Waldameisen in Ihren Garten oder gar ins Haus verirrt haben (was selten vorkommt), ist eine Bekämpfung illegal. Wenden Sie sich in diesem Fall an die Deutsche Ameisenschutzwarte e.V., die bei Bedarf Notumsiedlungen durchführt[16].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie lange dauert die Phase der fliegenden Ameisen?

Der eigentliche Schwarmflug einer einzelnen Kolonie dauert oft nur wenige Stunden. Da jedoch verschiedene Kolonien in einer Region leicht zeitversetzt schwärmen können, kann das Phänomen über einige Tage bis maximal zwei Wochen beobachtet werden. Danach verschwinden die geflügelten Tiere wieder bis zum nächsten Jahr.

Können fliegende Ameisen stechen?

Die meisten Arten, die in Häusern auftreten (wie Lasius niger), können nicht stechen. Männchen sind generell wehrlos. Arten der Gattung Myrmica (Knotenameisen) besitzen einen Stachel und können schmerzhafte Stiche verursachen, sind aber während des Hochzeitsflugs meist weniger aggressiv.

Warum kommen fliegende Ameisen ins Haus?

Oft geschieht dies versehentlich, da sie von Lichtquellen angelockt werden oder durch offene Fenster eindringen. Wenn sie jedoch in großer Zahl im geschlossenen Raum auftauchen, befindet sich das Nest wahrscheinlich in der Wand, im Bodenaufbau oder unter dem Haus.

Hilft Backpulver gegen Ameisen?

Backpulver ist ein altes Hausmittel, das oft empfohlen wird. Es ist jedoch qualvoll für die Tiere, da es in ihrem Magen aufquillt und sie platzen lässt. Aus Tierschutzgründen und wegen der oft geringen Effizienz auf die gesamte Kolonie (die Königin wird selten erreicht) ist von Backpulver abzuraten. Moderne Ködergel-Präparate sind zielführender und hygienischer.

Fazit

Fliegende Ameisen sind ein faszinierendes Naturschauspiel, das die Fortpflanzung und Verbreitung dieser ökologisch wichtigen Insekten sichert. Auch wenn das massenhafte Auftreten kurzzeitig für Unruhe sorgen kann, besteht in den meisten Fällen kein Grund zur Sorge. Mit einfachen mechanischen Mitteln und vorbeugenden Maßnahmen lässt sich die Situation meist schnell entschärfen. Nur bei wiederkehrendem Befall im Innenraum oder bei Verdacht auf holzzerstörende Arten sollten gezielte Bekämpfungsmaßnahmen mit Ködern oder die Hinzuziehung eines Schädlingsbekämpfers in Betracht gezogen werden. Respektieren Sie dabei stets den Naturschutz und greifen Sie im Garten lieber zu sanften Vergrämungsmethoden als zur chemischen Keule.

Quellen und Referenzen

  1. Biologiezentrum Linz, "Das Leben unserer Ameisen – ein Überblick", Denisia 25, 2009, S. 7.
  2. Biologiezentrum Linz, "Das Leben unserer Ameisen – ein Überblick", Denisia 25, 2009, S. 26.
  3. SWR2 Wissen: Aula, "Ameisen – Welteroberer und Wunderwesen", Manuskript zur Sendung, 2021, S. 4.
  4. Grokipedia / Wikipedia, Artikel "Ameisen", Abschnitt Fortpflanzung/Hochzeitsflug, Stand 2026.
  5. Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU), "Ameisen", UmweltWissen – Praxis, 2013, S. 25 (Steckbriefe).
  6. Behr's Verlag, "Ameisen", Abschnitt 1.6.1, S. 27.
  7. Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU), "Ameisen", UmweltWissen – Praxis, 2013, S. 27.
  8. Biologiezentrum Linz, "Das Leben unserer Ameisen – ein Überblick", Denisia 25, 2009, S. 10.
  9. Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU), "Ameisen", UmweltWissen – Praxis, 2013, S. 34.
  10. Behr's Verlag, "Pharaoameise (Monomorium pharaonis)", Abschnitt 1.6.2, S. 3.
  11. Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU), "Ameisen", UmweltWissen – Praxis, 2013, S. 2.
  12. Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU), "Ameisen", UmweltWissen – Praxis, 2013, S. 2 (Vergrämen).
  13. Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU), "Ameisen", UmweltWissen – Praxis, 2013, S. 3 (Ameisen im Haus).
  14. Produktübersicht Ameisenmittel, "Übersicht: Welches Ameisenmittel passt zu deinem Fall?", S. 2.
  15. Behr's Verlag, "Ameisen", Abschnitt Bekämpfung, S. 30.
  16. Behr's Verlag, "Ameisen", Abschnitt Waldameisen, S. 28.

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