Die wissenschaftliche Erstbeschreibung der Gelbhalsmaus erfolgte im Jahr 1834 durch den deutschen Naturforscher Heinrich Christian Melchior unter dem Namen *Mus flavicollis*. Als Typlokalität für die Beschreibung dienten Exemplare von der dänischen Insel Seeland (Sieland).[2] Das Art-Epitheton *flavicollis* setzt sich aus den lateinischen Begriffen *flavus* (gelb) und *collum* (Hals) zusammen, was auf die charakteristische gelbe Querbinde im Kehlbereich des Tieres verweist.[2][1] Taxonomisch wird die Art heute meist in die Gattung *Apodemus* und dort in die Untergattung *Sylvaemus* gestellt.[2] Neuere molekularbiologische Studien und einige Fachpublikationen schlagen vor, *Sylvaemus* als eigenständige Gattung zu führen, weshalb die Art in technischer Literatur auch als *Sylvaemus flavicollis* bezeichnet wird.[2][1] Historisch wurde die Gelbhalsmaus lange Zeit taxonomisch eng mit der Waldmaus (*Apodemus sylvaticus*) assoziiert, bevor kraniometrische Analysen in den 1960er und 1970er Jahren sowie spätere genetische Untersuchungen die Eigenständigkeit bestätigten.[2] Die evolutionäre Trennung von der Schwesterart *A. sylvaticus* wird auf einen Zeitraum vor etwa 2,2 bis 3,5 Millionen Jahren datiert. Die Art gilt derzeit als monotypisch, ohne formal anerkannte Unterarten, obwohl genetische Differenzierungen zwischen europäischen und nahöstlichen Populationen nachweisbar sind. Systematisch gehört die Gelbhalsmaus zur Familie der Langschwanzmäuse (Muridae).[2]
Die Gelbhalsmaus (*Apodemus flavicollis*) ist ein schlankes Nagetier mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 95 bis 135 mm und einer etwa körperlangen Schwanzlänge von 77 bis 130 mm. Das Körpergewicht adulter Tiere variiert saisonal und altersabhängig zwischen 14 und 46 g, wobei der Durchschnitt meist im Bereich von 26 bis 38 g liegt. Das Fell ist auf der Oberseite rötlich bis kastanienbraun gefärbt und bietet eine gute Tarnung im Laubstreu. Die Unterseite setzt sich scharf abgegrenzt in reinem Weiß von der Oberseite ab.[1][3] Ein entscheidendes Bestimmungsmerkmal ist das durchgehende, gelbbraune Querband auf der Kehle und Brust, welches der Art ihren Namen verleiht.[1] Der Kopf zeichnet sich durch große, hervorstehende Augen und große, abgerundete Ohren aus, die das Tier als nachtaktiven Kletterer ausweisen. Der lange Schwanz ist zweifarbig, oberseits dunkler und unterseits heller, und weist eine Struktur aus 180 bis 220 Hautringen auf.[1][3] Die Zahnformel entspricht mit insgesamt 20 Zähnen (1/1, 0/0, 0/0, 3/3) dem typischen Muriden-Gebiss, wobei die breiten Jochbögen eine kräftige Kaumuskulatur unterstützen.[3] Im Vergleich zur sehr ähnlichen Waldmaus (*Apodemus sylvaticus*) besitzt *A. flavicollis* eine breitere interorbitale Einschnürung und größere Molaren. Ein weiteres mikroskopisches Unterscheidungsmerkmal ist das ausgeprägtere Cingulum am ersten oberen Backenzahn. Es besteht ein leichter Sexualdimorphismus, bei dem Männchen durchschnittlich 3 bis 4 % größer und bis zu 10 % schwerer als Weibchen sind. Die Hinterfüße sind mit durchschnittlich 22 mm relativ lang und mit scharfen Krallen versehen, die das Klettern an Bäumen erleichtern.[3] Jungtiere kommen nackt und blind zur Welt und öffnen ihre Augen nach etwa 14 Tagen.[1][3]
Die Gelbhalsmaus (*Apodemus flavicollis*) ist ein kleiner Nager aus der Familie der Langschwanzmäuse (Muridae), der eng mit der Waldmaus (*Apodemus sylvaticus*) verwandt ist und funktionell an das Leben in reifen Laubwäldern angepasst ist. Ihr Körperbau ist schlank und agil, was in Kombination mit scharfen Krallen und kräftigen Hinterbeinen ein geschicktes Klettern sowie Sprünge von bis zu einem Meter ermöglicht. Anatomisch auffällig sind die großen, hervorstehenden Augen und Ohren, die eine hohe Wachsamkeit gegenüber Fressfeinden und eine Orientierung bei dämmerungs- und nachtaktiver Lebensweise gewährleisten. Der Schwanz entspricht in seiner Länge etwa der Kopf-Rumpf-Länge (10,8–13 cm) und weist eine feine Struktur aus 180 bis 220 Ringen auf. Als besondere Verteidigungsstrategie besitzt die Art die Fähigkeit zur Autotomie, bei der im Gefahrenfall die Schwanzhaut abgeworfen werden kann, um Prädatoren zu entkommen. Der Schädel zeichnet sich durch breite Jochbögen aus, die einer robusten Kaumuskulatur zur Verarbeitung harter Pflanzensamen Platz bieten, wobei das Gebiss die typische Zahnformel 1/1, 0/0, 0/0, 3/3 aufweist. Die Entwicklung verläuft über nesthockende Jungtiere, die blind, haarlos und mit einem Gewicht von etwa 2,8 g geboren werden. Die Augenöffnung erfolgt nach 14 Tagen, während die Entwöhnung nach etwa vier Wochen abgeschlossen ist. Die Geschlechtsreife tritt bereits nach etwa drei Monaten beziehungsweise zehn Wochen ein, was eine rasche Reproduktion innerhalb der Saison von Februar bis Oktober ermöglicht.[1] Ein Sexualdimorphismus ist vorhanden, wobei Männchen tendenziell größer und bis zu 10 % schwerer sind als Weibchen (ca. 40,7 g gegenüber 36,6 g).[1] Historisch wurde die Art 1834 von Heinrich Christian Melchior ursprünglich als *Mus flavicollis* beschrieben und später aufgrund morphologischer Merkmale wie der breiteren Interorbitalregion in die Gattung *Apodemus* (Untergattung *Sylvaemus*) gestellt.[1][2] Genetische Untersuchungen datieren die evolutionäre Trennung von der Schwesterart *A. sylvaticus* auf einen Zeitraum vor etwa 2,2 bis 3,5 Millionen Jahren.[1]
*Apodemus flavicollis* ist ein geschickter Kletterer, der auch in Baumkronen nach Nahrung sucht und Sprünge von bis zu einem Meter Weite ausführen kann, um Fressfeinden zu entkommen.[1][3] Die Art ist strikt nachtaktiv, wobei über 93 % der Bewegungen in der Dunkelheit stattfinden und Aktivitätsspitzen in der Dämmerung liegen.[3] Im Gegensatz zu einem echten Winterschlaf verfallen die Tiere in tägliche Torpor-Phasen, um Energie zu sparen, und teilen sich im Winter oft Nester mit Artgenossen zur Wärmeregulation.[1][3] Außerhalb der Paarungszeit leben sie weitgehend solitär, wobei Männchen große, markierte Territorien verteidigen, die sich mit den Revieren mehrerer Weibchen überschneiden.[3] Die Kommunikation erfolgt unter anderem über Ultraschalllaute im Frequenzbereich von 20 bis 100 kHz, die als Alarmrufe oder gesangsähnliche Signale bei der Balz dienen. Als spezifischer Abwehrmechanismus (Autotomie) kann die Gelbhalsmaus bei Ergreifung durch Räuber die Haut ihres Schwanzes abwerfen, um zu entkommen.[2] Das Nahrungsverhalten beinhaltet das Anlegen von Vorräten in bis zu 1,5 Meter tiefen Bauen sowie das Vergraben von Samen, wodurch die Art zur Waldverjüngung beiträgt.[1][3] Neuere Studien deuten darauf hin, dass Individuen in anthropogen gestörten Lebensräumen eine schnellere Problemlösungskompetenz zeigen als solche in geschützten Gebieten.[1]
Die Gelbhalsmaus (*Apodemus flavicollis*) ist ein Waldspezialist, der vorwiegend reife Laub- und Mischwälder besiedelt, wobei Bestände mit Eichen (*Quercus*) und Buchen (*Fagus sylvatica*) aufgrund des Nahrungsangebots bevorzugt werden. Innerhalb dieser Habitate wählt die Art strukturreiche Mikrohabitate mit hohem Kronenschluss und nutzt Baumhöhlen, Wurzelteller sowie Totholz als Nistplätze und Verstecke.[2][1] Als agiler Kletterer besetzt sie eine ökologische Nische, die auch die Nahrungssuche in der Baumkrone umfasst, wodurch sie sich von rein bodenlebenden Nagetieren unterscheidet.[1] Das Nahrungsspektrum ist omnivor und umfasst energiereiche Samen wie Eicheln, Bucheckern und Haselnüsse, die in unterirdischen Vorratslagern gehortet werden, was die Art zu einem wichtigen Samenverbreiter macht. Ergänzend werden Insekten, Larven, Spinnen sowie Pilze verzehrt, wobei tierische Kost saisonal einen signifikanten Anteil der Nahrung ausmachen kann.[1][3] Die Art dient als Beute für diverse Prädatoren, darunter Waldkäuze (*Strix aluco*), Schleiereulen (*Tyto alba*), Füchse (*Vulpes vulpes*) sowie Marderartige wie Wiesel und Hermeline.[1] In sympatrischen Vorkommen mit der Waldmaus (*Apodemus sylvaticus*) zeigt sich eine Nischentrennung, bei der *A. flavicollis* feuchtere, komplexere Waldinnenbereiche dominiert, während die Konkurrenzart eher Randbereiche nutzt.[2] Die Tiere legen ihre Baue und Vorratskammern oft zwischen Baumwurzeln oder in bis zu 1,5 Metern Tiefe an und nutzen gelegentlich Löcher anderer Tierarten.[1] Ökologisch fungiert *A. flavicollis* als Reservoirwirt für Zecken und die von ihnen übertragenen Pathogene wie *Borrelia burgdorferi*, dem Erreger der Lyme-Borreliose.[1][2] Obwohl sie durch Bodenbelüftung und Samenverbreitung nützlich ist, kann die Art in Verjüngungsflächen oder Obstplantagen durch den Fraß an Knospen, Rinde und Jungtrieben Schäden verursachen.[1]
Die Gelbhalsmaus (*Apodemus flavicollis*) wird im Pflanzenschutz überwiegend als Forstschädling klassifiziert, erfüllt jedoch ökologisch eine nützliche Funktion als Samenverbreiter in Waldökosystemen.[1][2] Typische Fraßschäden treten an Samen, Waldfrüchten, Knospen, Jungtrieben sowie der Rinde von Bäumen auf.[1] In landwirtschaftlichen Kulturen können die Nager in Obst- und Nussplantagen durch den Verzehr von Sämlingen und jungen Bäumen wirtschaftliche Verluste verursachen und den Erfolg von Aufforstungsmaßnahmen beeinträchtigen.[2] Während der Wintermonate dringen die Tiere gelegentlich in menschliche Gebäude, Vorratslager und Nebengebäude ein, was sie zu Lästlingen im häuslichen Umfeld macht.[1][2] Eine signifikante gesundheitliche Bedeutung kommt der Art als Reservoirwirt für Zoonosen zu.[1] Sie fungiert als Hauptwirt für *Borrelia burgdorferi*, den Erreger der Lyme-Borreliose, sowie für Hantaviren wie das Dobrava-Belgrad-Virus.[1][2] Die Übertragung von Krankheitserregern wird durch Ektoparasiten wie Zecken, Flöhe und Milben begünstigt, die die Mäuse befallen. Zur Überwachung der Bestandsdichte werden in wissenschaftlichen Studien vorwiegend Lebendfallen eingesetzt, wobei Populationsspitzen oft eng an Mastjahre von Eichen und Buchen gekoppelt sind. Zur natürlichen Regulation der Populationen tragen Prädatoren wie Eulen, Marder, Füchse und Hauskatzen bei. Die Art wird auf der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet („Least Concern“) geführt und unterliegt keinen speziellen gesetzlichen Schutzbestimmungen, die eine Bekämpfung im Schadfall ausschließen würden.[2]
Die Gelbhalsmaus (*Apodemus flavicollis*) wird in der professionellen Schädlingsbekämpfung primär als Forstschädling klassifiziert. Wirtschaftliche Schäden entstehen in der Forstwirtschaft durch den Fraß an Baumsamen, Knospen, Jungtrieben sowie der Rinde, was den Erfolg von Aufforstungen und die natürliche Verjüngung beeinträchtigen kann.[1] In landwirtschaftlichen Bereichen treten gelegentlich Schäden in Obstplantagen und Nusshainen auf, wo die Tiere Sämlinge und junge Bäume attackieren.[2] Im Vergleich zu anderen Nagetieren dringt die Art seltener in menschliche Gebäude ein, nutzt jedoch im Winter gelegentlich Häuser und Nebengebäude als Rückzugsorte auf der Suche nach Ressourcen. Dort können durch das Anlegen von Vorratslagern und Nagetätigkeit Materialschäden entstehen. Eine indirekte wirtschaftliche Bedeutung ergibt sich aus der Rolle der Art als Reservoirwirt für *Borrelia burgdorferi*, dem Erreger der Lyme-Borreliose, was gesundheitsökonomische Relevanz besitzt.[1][2] Demgegenüber stehen positive forstwirtschaftliche Aspekte, da die Tiere durch das Verstecken von Eicheln und Bucheckern (Scatter-Hoarding) wesentlich zur Verbreitung von Laubgehölzen beitragen. Vergrabene und nicht wiedergefundene Samen weisen oft höhere Keimraten auf als an der Oberfläche liegende, was die Waldregeneration unterstützt. Zudem fördern die Grabaktivitäten der Mäuse die Bodenbelüftung und den Nährstoffkreislauf im Waldboden.[2]