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Lexicon-vermelding

Boerenkool Brassica oleracea var. sabellica

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Boerenkool

Taxonomie

Rijk Pflanzen (Plantae)
Stam Tracheophyta (Tracheophyta)
Klas Magnoliopsida (Magnoliopsida)
Orde Brassicales (Brassicales)
Familie Brassicaceae
Geslacht Brassica
Soort Brassica oleracea sabellica
Wetenschappelijke naam Brassica oleracea var. sabellica L.

Einleitung

Der Grünkohl (*Brassica oleracea var. sabellica*) ist eine kultivierte Varietät des Gemüsekohls aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae).[1] Innerhalb der Art wird er der Acephala-Gruppe zugeordnet, die sich im Gegensatz zu Kopfkohlformen durch ein offenes Wachstum ohne die Bildung geschlossener Köpfe auszeichnet und primär wegen ihrer Blätter angebaut wird.[1][2] Diese auch als Blattkohl bekannten Formen weisen oft gekrauste Blätter auf und sind morphologisch eng mit der Wildform verwandt, da sie keine extremen Umbildungen des Blütenstandes oder der Sprossachse zeigen.[1]

Fakten (kompakt)

- Die Art besitzt einen diploiden Chromosomensatz von 2n = 18 und repräsentiert das C-Genom in der Brassica-Zytogenetik. - Im genetischen Modell des „Dreiecks des U“ (1935) bildet *Brassica oleracea* einen der drei Eckpunkte und fungierte als Elternteil für die Entstehung der amphidiploiden Art *Brassica napus* (Raps). - Phylogenetische Analysen aus dem Jahr 2021 bestätigten die in der Ägäis endemische Art *Brassica cretica* als den nächsten lebenden Verwandten, wobei sie eine eigenständige evolutionäre Linie darstellt. - Die Früchte entwickeln sich zu 2,5 bis 10 cm langen, linearen Schoten, die jeweils 10 bis 20 dunkelbraune bis schwärzliche Samen pro Fruchtfach enthalten.[11] - Historische Belege deuten auf eine Kultivierung im Mittelmeerraum bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. hin. - Für das optimale Wachstum bevorzugt die Pflanze stickstoffreiche Böden mit einem pH-Wert zwischen 6,0 und 8,0. - Ein taxonomisches Synonym, das historisch für die Wildform verwendet wurde, ist *Brassica sylvestris*.[11]

Name & Einordnung

Der Grünkohl wird taxonomisch als *Brassica oleracea* var. *sabellica* L. geführt, wobei er in der modernen Klassifikation meist der *Brassica oleracea* Acephala-Gruppe zugeordnet wird.[1][2] Diese Gruppe umfasst nicht-kopfbildende Varietäten wie Kale und Collards, die primär wegen ihrer Blätter kultiviert werden und sich von kopfbildenden Formen wie der Capitata-Gruppe unterscheiden.[1] Der Gattungsname *Brassica* leitet sich vom lateinischen Wort für Kohl ab, welches ursprünglich auf den keltischen Begriff „bresic“ zurückgeht. Das Art-Epitheton *oleracea* entstammt dem Lateinischen und bedeutet „zum Gemüsegarten gehörig“, was die historische Nutzung als Kulturpflanze unterstreicht.[3] Carl von Linné etablierte das Binomen *Brassica oleracea* im Jahr 1753 in seinem Werk *Species Plantarum* als wissenschaftlichen Namen für den Gemüsekohl.[3][1] Genetisch gehört der Grünkohl zum C-Genom (2n=18) und bildet einen der Eckpunkte des U-Dreiecks der Gattung *Brassica*.[1] Phylogenetische Studien deuten darauf hin, dass die Acephala-Gruppe polyphyletischen Ursprungs ist und eng mit wilden Kohlformen des östlichen Mittelmeerraums verwandt ist. Im Deutschen ist der Name Grünkohl gebräuchlich, was sich auf die Wuchsform und Farbe bezieht, während internationale Bezeichnungen oft den Begriff „Kale“ verwenden.[3]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Brassica oleracea wächst als zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanze, die typischerweise Wuchshöhen von 0,3 bis 3 Metern erreicht. Der aufrechte oder niederliegende Stängel ist kahl, verzweigt und oft blaugrün bereift (glauk).[6] Die Art bildet eine grundständige Rosette aus fleischigen, grau-grünen Blättern, die eine dicke, wachsartige Textur aufweisen und bis zu 40 cm lang werden.[6][2] Diese Blätter sind gestielt, eiförmig bis lanzettlich und besitzen Ränder, die von ganzrandig bis fiederspaltig variieren.[6] Im Gegensatz zu kopfbildenden Varietäten zeichnet sich die Acephala-Gruppe, zu der der Grünkohl zählt, durch eine offene Wuchsform ohne Bildung eines festen Kopfes aus.[1] Die cremegelben oder weißen Blüten bestehen aus vier 1,5 bis 3 cm langen Kronblättern in kreuzförmiger Anordnung.[6] Sie erscheinen im zweiten Jahr in traubigen Blütenständen mit 20 bis 40 Einzelblüten, die Durchmesser von 3 bis 5 cm erreichen.[2] Aus den bestäubten Blüten entwickeln sich 2,5 bis 10 cm lange, lineare Schoten (Siliquen), die zylindrisch geformt sind und sich längs öffnen. Im Inneren der Schoten befinden sich pro Fruchtfach 10 bis 20 kleine, runde Samen von dunkelbrauner bis schwärzlicher Färbung.[6] Das Wurzelsystem wird durch eine tiefe Pfahlwurzel dominiert, die der Pflanze Stabilität und Zugang zu tiefen Wasserreserven verleiht.[2] Verwechslungsmöglichkeiten bestehen mit wilden Verwandten wie Brassica cretica, die morphologisch ähnlich ist, jedoch genetisch als eigenständige Art im ägäischen Raum abgegrenzt wird.[4]

Beschreibung

Brassica oleracea var. sabellica, allgemein als Grünkohl bekannt, ist eine zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanze, die sich taxonomisch in die Acephala-Gruppe einordnet und durch ihren aufrechten, nicht kopfbildenden Wuchs charakterisiert ist.[2][1] Im Gegensatz zu den eng verwandten kopfbildenden Varietäten entwickelt diese Form einen oft verzweigten, verholzenden Stängel, an dem die Blätter wechselständig angeordnet sind und eine offene Rosette bilden.[1][7] Die Blätter selbst sind fleischig, dick und weisen eine wachsartige, graugrüne Oberfläche (glauk) auf, die als anatomische Anpassung den Wasserverlust minimiert und Schutz vor Salzgischt in maritimen Lebensräumen bietet.[1][6] Ein markantes Erkennungsmerkmal vieler Grünkohl-Sorten ist die starke Kräuselung oder Lappung der Blattränder, eine Eigenschaft, die auf polygener Vererbung beruht und durch spezifische Quantitative Trait Loci (QTLs) gesteuert wird. Im natürlichen Lebenszyklus konzentriert sich die Pflanze im ersten Jahr ausschließlich auf das vegetative Wachstum und die Ausbildung der Blattmasse. Erst nach einer obligatorischen Kälteperiode (Vernalisation) im Winter wird im zweiten Jahr die reproduktive Phase eingeleitet, die durch das rapide Strecken des Blütenstängels („Schießen“) gekennzeichnet ist.[1] Während der Blütezeit von Frühling bis Sommer bildet die Pflanze traubige Blütenstände mit zahlreichen cremegelben bis weißen, vierzähligen Blüten aus, die einen Durchmesser von 1,5 bis 3 cm erreichen. Aus diesen entwickeln sich nach der Bestäubung durch Insekten lineare, 2,5 bis 10 cm lange Schoten (Siliquen), die bei Reife längsseitig aufplatzen und 10 bis 20 dunkelbraune Samen pro Fruchtfach freisetzen.[8] Das Wurzelsystem ist als tiefe Pfahlwurzel ausgeprägt, was der Pflanze eine hohe Standfestigkeit und Zugang zu tiefer liegenden Nährstoffen in kargen Böden verleiht.[4] Ökologisch interagiert die Art intensiv mit spezialisierten Insekten; so dienen die Blätter als primäre Nahrungsquelle für die Larven des Kleinen Kohlweißlings (*Pieris rapae*), die sich an die chemische Abwehr der Pflanze angepasst haben. Diese Abwehr besteht aus Glucosinolaten, die beim Gewebebruch in toxische Isothiocyanate umgewandelt werden und generalistische Herbivoren abschrecken.[1] Historisch und morphologisch steht die Acephala-Gruppe der wilden Stammform *Brassica oleracea* näher als die stark domestizierten Formen wie Blumenkohl oder Kopfkohl, da sie die ursprüngliche Blattarchitektur weitgehend beibehält.[2][4]

Verhalten

Das Verhalten von *Brassica oleracea* ist primär durch physiologische Anpassungen an Umweltreize und komplexe biotische Interaktionen geprägt. Der Lebenszyklus folgt meist einem zweijährigen Muster, bei dem nach einer vegetativen Phase durch Kältereize (Vernalisation) im Winter das Schossen und die Blütenbildung induziert wird.[1] Zur Sicherung der genetischen Vielfalt nutzt die Art einen Selbstinkompatibilitäts-Mechanismus, der die Befruchtung durch eigenen Pollen verhindert und auf Fremdbestäubung durch Insekten wie Bienen und Schwebfliegen angewiesen ist.[9] Eine zentrale Abwehrstrategie ist die chemische Verteidigung durch Glucosinolate, deren Abbauprodukte (Isothiocyanate) generalistische Herbivoren abschrecken. Diese chemischen Verbindungen wirken zudem allelopathisch, indem sie das Wachstum benachbarter Pflanzen hemmen und so die interspezifische Konkurrenz in nährstoffarmen Habitaten verringern.[1] Neuere Studien zeigen, dass *Brassica oleracea* bei Insektenfraß aktiv das Mikrobiom der Rhizosphäre moduliert und spezifische Bakterien rekrutiert, die die pflanzliche Abwehr und das Wachstum stärken.[4] Obwohl die Art oft als Nicht-Wirt für Mykorrhiza gilt, kann sie unter Stressbedingungen opportunistische Symbiosen mit arbuskulären Mykorrhizapilzen eingehen, um die Nährstoffaufnahme zu verbessern. Die Verbreitung der Samen erfolgt mechanisch durch das explosive Aufplatzen der Schoten (Siliquen) bei Reife, wodurch die Samen von der Mutterpflanze weggeschleudert werden. In der Nahrungskette dient die Pflanze zudem als spezialisierte Wirtspflanze für die Larven des Kleinen Kohlweißlings (*Pieris rapae*).[1]

Ökologie

In ihren natürlichen Habitaten besiedelt *Brassica oleracea* vorzugsweise kalkhaltige Böden an Atlantikküsten, wo die Art salzhaltige Gischt und starke Winde toleriert.[1] Die Bestäubung der Blüten erfolgt primär durch Insekten wie Honigbienen, Solitärbienen und Schwebfliegen, die eine Fremdbestäubung gewährleisten.[9] Als bedeutende Futterpflanze dient die Art den Larven des Kleinen Kohlweißlings (*Pieris rapae*), die sich auf den Verzehr der Blätter spezialisiert haben.[3] Zu den weiteren Antagonisten zählen die Mehlige Kohlblattlaus (*Brevicoryne brassicae*), welche Kolonien auf den Blattunterseiten bildet, sowie die Kleine Kohlfliege (*Delia radicum*), deren Larven das Wurzelsystem schädigen.[4][1] Vögel wie Finken nutzen die Samen als Nahrungsquelle und tragen dabei zur Ausbreitung der Pflanze in Küstenökosystemen bei.[3] Zur Abwehr von Generalisten und zur Konkurrenzvermeidung produziert die Pflanze Glucosinolate, deren Abbauprodukte allelopathische Wirkungen auf benachbarte Vegetation haben können.[1] Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Zusammensetzung der Rhizosphären-Bakterien die pflanzliche Abwehr gegen Insektenfraß und Krankheiten moduliert.[4][1] Obwohl Brassicaceen oft als Nicht-Wirte für Mykorrhiza gelten, wurden unter Stressbedingungen assoziierte Pilzinteraktionen beobachtet, die beispielsweise die Zink- oder Phosphoraufnahme verbessern. Im Boden persistierende Pathogene wie der Erreger der Kohlhernie (*Plasmodiophora brassicae*) können das Wurzelsystem befallen und die Nährstoffaufnahme massiv beeinträchtigen.[1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Als Kulturpflanze unterliegt Brassica oleracea einem erheblichen Druck durch spezialisierte Schädlinge und Krankheitserreger, die Ertrag und Qualität massiv beeinträchtigen können.[1] Zu den bedeutendsten Insektenschädlingen zählt die Mehlige Kohlblattlaus (*Brevicoryne brassicae*), die Kolonien auf den Blattunterseiten bildet, was zu Blattkräuselungen, Wachstumsstörungen und der Übertragung von Viren führt.[4] Die Larven der Kleinen Kohlfliege (*Delia radicum*) verursachen durch Fraßgänge in den Wurzeln Welkeerscheinungen und begünstigen Sekundärinfektionen, während Raupen des Kleinen Kohlweißlings (*Pieris rapae*) durch direkten Blattfraß Schäden anrichten.[4][3] Ein gravierendes phytopathologisches Problem stellt die Kohlhernie dar, verursacht durch den Protisten *Plasmodiophora brassicae*, der Wurzelgallen induziert und die Wasser- sowie Nährstoffaufnahme blockiert.[1] Bakterielle Erkrankungen wie die Adernschwärze (*Xanthomonas campestris* pv. *campestris*) zeigen sich durch V-förmige, gelbe Läsionen mit schwarzen Adern an den Blatträndern und können zu systemischen Nekrosen führen.[2][1] Pilzliche Erreger wie *Phoma lingam* verursachen Stängelkrebs (Umfallkrankheit), während der Falsche Mehltau (*Hyaloperonospora brassicae*) bei feucht-kühler Witterung Sporulationen auf den Blattunterseiten bildet.[10][4] Virale Bedrohungen umfassen das Turnip Mosaic Virus (TuMV), das Mosaikmuster und Nekrosen hervorruft und oft durch Blattläuse verbreitet wird.[1] Zur Prävention ist eine strikte Fruchtfolge essenziell, bei der Kreuzblütler für mindestens drei bis vier Jahre nicht auf derselben Fläche angebaut werden, um Pathogenzyklen im Boden zu unterbrechen. Im Rahmen des Integrierten Pflanzenschutzes (IPM) werden Monitoring, biologische Bekämpfungsmittel und selektive Biopestizide kombiniert, um den Einsatz synthetischer Mittel zu minimieren.[4] Die Züchtung resistenter Sorten, wie etwa gegen Kohlhernie toleranter Grünkohl (z. B. 'Caledonian'), nutzt polygene Resistenzen wilder Verwandter zur Befallsminderung.[4] Moderne biotechnologische Ansätze wie CRISPR-basiertes Gene Editing zielen darauf ab, Resistenzen gegen Krankheiten wie die Fusarium-Welke oder Adernschwärze direkt in das Genom zu integrieren.[3] In gesundheitlicher Hinsicht sind allergische Reaktionen auf *B. oleracea* selten, können jedoch durch IgE-vermittelte Hypersensitivität gegenüber Proteinen wie Profilin oder Lipid-Transfer-Proteinen (LTPs) ausgelöst werden. Zudem kann ein übermäßiger Rohverzehr aufgrund von Glucosinolat-Abbauprodukten goitrogene Effekte haben, die die Jodaufnahme der Schilddrüse hemmen, was jedoch durch Kochen weitgehend neutralisiert wird.[4]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die weltweite Produktion von *Brassica oleracea*-Kulturen, zu denen auch Grünkohl zählt, belief sich im Jahr 2022 auf rund 72,6 Millionen Tonnen, was die enorme wirtschaftliche Relevanz eines effektiven Pflanzenschutzes unterstreicht.[1] Insekten wie die Mehlige Kohlblattlaus (*Brevicoryne brassicae*) verursachen durch ihre Saugtätigkeit nicht nur Wuchsdepressionen und Qualitätsminderungen, sondern fungieren vor allem als Vektoren für pathogene Viren.[4] Das durch Blattläuse übertragene Rübenmosaikvirus (TuMV) kann bei anfälligen Sorten zu Ertragsverlusten von bis zu 100 % führen, was einem totalen wirtschaftlichen Ausfall gleichkommt.[1] Auch bakterielle Erkrankungen wie die Schwarzadrigkeit (*Xanthomonas campestris* pv. *campestris*) führen unter warm-feuchten Bedingungen zu rapiden Nekrosen und potenziellen Totalverlusten der Ernte.[2] Der Erreger der Kohlhernie (*Plasmodiophora brassicae*) induziert Gallenbildungen an den Wurzeln, die die Nährstoffaufnahme blockieren und oft zum Absterben der Pflanzen führen, was dauerhafte Ertragseinbußen auf befallenen Flächen zur Folge hat. Die Kleine Kohlfliege (*Delia radicum*) schädigt durch Larvenfraß im Wurzelbereich, was Welkeerscheinungen und Sekundärinfektionen begünstigt und die Marktfähigkeit der Pflanzen stark beeinträchtigt.[1] Zur Minderung dieser wirtschaftlichen Risiken werden zunehmend resistente Sorten gezüchtet, wie etwa gegen Kohlhernie widerstandsfähige Grünkohl-Varietäten (z. B. 'Caledonian'), um Erträge auf infizierten Böden zu sichern.[1] Ökonomisch positiv wirken Bestäuber wie Bienen und Schwebfliegen, die für die Saatgutproduktion essentiell sind und die genetische Vielfalt in Wildpopulationen erhalten.[9]

Biologie & Lebenszyklus

Die Art *Brassica oleracea* ist eine zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanze, die im ersten Jahr eine vegetative Phase mit einer basalen Blattrosette durchläuft.[1][2] Der Übergang zur reproduktiven Phase, das sogenannte Schossen, erfolgt im zweiten Jahr nach einer obligatorischen Kälteperiode (Vernalisation) im Winter, die zur Streckung des Blütenstängels führt. Die Pflanze bildet traubige Blütenstände mit kreuzförmigen, hellgelben Blüten, die vier 1,5 bis 3 cm lange Kronblätter aufweisen.[1] Die Bestäubung erfolgt primär durch Insekten wie Bienen (*Apis mellifera*, Solitärbienen) und Schwebfliegen, da die Art genetisch selbstinkompatibel ist und auf Fremdbestäubung angewiesen ist.[9][1] Nach der Befruchtung entwickeln sich 4 bis 8 cm lange Schoten (Siliquen), die bei Reife explosiv aufspringen und 10 bis 20 dunkelbraune bis schwärzliche Samen pro Fruchtfach freisetzen. Die Samen bleiben unter kühlen, trockenen und dunklen Bedingungen bis zu fünf Jahre keimfähig.[1] Genetisch weist die Pflanze einen diploiden Chromosomensatz von 2n = 18 auf und repräsentiert das C-Genom im U-Dreieck der Gattung *Brassica*.[4] Physiologisch zeichnet sich die Art durch die Produktion von Glucosinolaten aus, deren Abbauprodukte (Isothiocyanate) als chemische Abwehr gegen Herbivoren dienen und allelopathisch das Wachstum benachbarter Pflanzen hemmen. Im Ökosystem fungiert *Brassica oleracea* als spezifische Wirtspflanze für die Larven des Kleinen Kohlweißlings (*Pieris rapae*), die sich vom Blattgewebe ernähren.[1] Saugende Insekten wie die Mehlige Kohlblattlaus (*Brevicoryne brassicae*) besiedeln die Blattunterseiten und können Viren wie das Turnip-Mosaic-Virus übertragen, was zu Nekrosen führt.[4][1] Die Larven der Kleinen Kohlfliege (*Delia radicum*) entwickeln sich im Wurzelbereich, wo sie durch Fraßgänge Welke und Sekundärinfektionen verursachen. Ein bedeutender Mortalitätsfaktor ist der Protist *Plasmodiophora brassicae*, der die Kohlhernie verursacht und durch Gallenbildung an den Wurzeln die Nährstoffaufnahme blockiert.[4] Obwohl Brassicaceen oft als Nicht-Wirte für Mykorrhiza gelten, zeigen Studien, dass arbuskuläre Mykorrhizapilze unter Stressbedingungen die Zinkaufnahme und Stressresistenz verbessern können. Wilde Populationen sind an kalkhaltige, gut durchlässige Böden und maritime Bedingungen angepasst und tolerieren Salzgischt sowie Trockenheit.[1]

Vorkommen & Lebensraum

Als Zuchtform besitzt *Brassica oleracea var. sabellica* (Grünkohl) kein ursprüngliches natürliches Verbreitungsgebiet, sondern entstand durch menschliche Selektion aus dem Wildkohl. Die wilde Stammform *Brassica oleracea* ist an den Atlantikküsten Westeuropas heimisch, wobei sich das natürliche Areal von Spanien über Frankreich bis nach Großbritannien erstreckt.[1] In diesen Habitaten besiedelt die Art vorwiegend kalkhaltige Felsklippen, Küstendünen und gut durchlässige Böden in direkter Meeresnähe.[1][4] Wildbestände sind an extreme maritime Bedingungen angepasst und tolerieren salzhaltige Gischt sowie starke Winde. Ein bekanntes Vorkommen der wilden Stammform in Deutschland befindet sich auf den Felsen der Insel Helgoland, wo genetisch ursprüngliche Populationen in isolierten Lagen überdauern. Weltweit wird Grünkohl heute in gemäßigten Klimazonen angebaut, wobei China und Indien global zu den größten Produzenten von *Brassica*-Gemüse zählen. In Europa liegt ein Schwerpunkt des Anbaus und der kulturellen Nutzung in den nördlichen Regionen sowie im deutschsprachigen Raum, wo die Pflanze als klassisches Wintergemüse gilt.[1] Die Pflanze bevorzugt für das Wachstum stickstoffreiche, gut drainierte Böden mit einem pH-Wert zwischen 6,0 und 8,0 in sonniger bis halbschattiger Lage.[4] Außerhalb des Anbaus treten verwilderte Formen von *Brassica oleracea* gelegentlich in gestörten Habitaten wie Wegrändern, Feldern oder Ruderalflächen auf. Durch Verschleppung und Verwilderung haben sich Populationen der Art auch auf anderen Kontinenten etabliert, beispielsweise an den Küsten Kaliforniens in Nordamerika.[1] Auch in Australien, insbesondere in Victoria und New South Wales, wurden naturalisierte Bestände dokumentiert, die oft aus Kulturflüchtlingen hervorgingen.[4] Die vertikale Verbreitung der wilden Stammform reicht in Küstengebieten bis in Höhenlagen von etwa 500 Metern.[1]

Saisonalität & Aktivität

Die Pflanzen der Art *Brassica oleracea*, zu der auch der Grünkohl (*var. sabellica*) zählt, folgen typischerweise einem zweijährigen Lebenszyklus mit vegetativem Wachstum im ersten und der Blütenbildung im zweiten Jahr.[2][1] Die Blütezeit erstreckt sich in der Regel vom Frühling bis zum Sommer, abhängig vom Zeitpunkt der Vernalisation, die zwingend durch winterliche Kältereize ausgelöst wird.[1] Für die Keimung und das frühe Wachstum sind kühle Temperaturen zwischen 15 und 20 °C optimal, weshalb die Pflanze in gemäßigten Klimazonen gut gedeiht.[3] Die Art weist eine ausgeprägte Frosttoleranz auf und kann saisonale Extreme überdauern, was sie für den Winteranbau prädestiniert.[1] In der landwirtschaftlichen Praxis erfolgt die Ernte meist 60 bis 90 Tage nach dem Auspflanzen, wobei moderne Anbaumethoden wie Vertical Farming inzwischen eine ganzjährige Produktion ermöglichen.[3][1] Während der Vegetationsperiode treten spezifische Schädlinge auf, darunter die Larven des Kleinen Kohlweißlings (*Pieris rapae*) und Blattläuse (*Brevicoryne brassicae*), die die Blätter besiedeln.[3][4] Klimamodelle deuten darauf hin, dass steigende Temperaturen die Aktivität und geografische Verbreitung von Schädlingen wie der Kohlfliege intensivieren und nach Norden verschieben werden.[1] Ergänzend zeigt das öffentliche Interesse in Deutschland eine klare Saisonalität mit Spitzenwerten in den Monaten November und Dezember, was die traditionelle Nutzung als Wintergemüse widerspiegelt.[5]

Bronnen & Referenties

  1. https://www.gbif.org/species/3042870
  2. https://plants.ces.ncsu.edu/plants/brassica-oleracea/
  3. https://www.indefenseofplants.com/blog/2018/5/1/one-mustard-many-flavors
  4. https://archive.ahdb.org.uk/knowledge-library/pest-insects-in-brassica-crops-fly-pests
  5. https://blogs.ifas.ufl.edu/gulfco/2021/09/10/cabbage-what-every-fall-garden-needs/
  6. http://floranorthamerica.org/Brassica_oleracea
  7. https://gardeningsolutions.ifas.ufl.edu/plants/edibles/vegetables/cole-crop-confusion/
  8. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:279435-1
  9. https://mariomairal.com/wp-content/uploads/2021/01/Abrol-D.-P.-2012-Pollination-Biology-Biodiversity-Conservation-and-Agricultural-Production.pdf
  10. https://pnwhandbooks.org/plantdisease/host-disease/cabbage-cauliflower-brassica-oleracea-black-leg-phoma-stem-canker
  11. Literaturzusammenfassung: Brassica oleracea