Fakten (kompakt)
- Das Genom der Florida-Rossameise (*Camponotus floridanus*) wurde bereits im Jahr 2011 zu 90 % sequenziert. - Die Koloniegröße der Art *Camponotus lateralis* ist vergleichsweise gering, mit durchschnittlich etwa 105 und maximal 700 Arbeiterinnen pro Nest. - Major-Arbeiterinnen von *Camponotus lateralis* verteidigen Nesteingänge, indem sie diese mit ihrem Kopf blockieren; dieses Verhalten wird als „Prä-Phragmosis“ bezeichnet, da ihnen die spezialisierte Stöpselform der *Colobopsis*-Arten fehlt. - Bei der Nutzung fremder Pheromonspuren stellen die mitlaufenden *Camponotus lateralis*-Arbeiterinnen nur eine Minderheit von etwa 2,4 % gegenüber den *Crematogaster*-Ameisen dar. - Es wird angenommen, dass sich das Verhalten des Spurfolgens evolutionär vor der visuellen Mimikry entwickelt hat, da auch nicht-mimetische Arten der Gattung fremden Pheromonspuren folgen. - Rossameisen besitzen die physiologische Fähigkeit, die spezifischen Spurpheromone der Gattung *Crematogaster* wahrzunehmen. - Auf der Insel Kreta haben sich lokale Populationen von *Camponotus lateralis* farblich angepasst und sind fast vollständig schwarz gefärbt, um den dortigen schwarzen *Crematogaster*-Modellarten zu gleichen. - In australischen Mallee-Ökosystemen zeigen Untersuchungen, dass die Häufigkeit bestimmter *Camponotus*-Arten mit der Zeitspanne seit dem letzten Brandereignis zunimmt. - In der funktionellen Ökologie werden Vertreter der Gattung oft als „subordinierte Camponotini“ klassifiziert, die häufig gemeinsam mit dominanten Drüsenameisen (Dolichoderinae) vorkommen.[5]
Die Gattung *Camponotus* wurde im Jahr 1861 durch den Entomologen Gustav Mayr wissenschaftlich erstbeschrieben. Systematisch wird sie der Familie der Ameisen (Formicidae) und dort der Unterfamilie der Schuppenameisen (Formicinae) zugeordnet.[4][2] Innerhalb dieser Unterfamilie zählt die Gattung zur Tribus Camponotini.[5] Im deutschsprachigen Raum sind die Vertreter der Gattung primär unter dem Trivialnamen Rossameisen bekannt, werden aufgrund ihrer Nistweise in Totholz aber synonym auch als Holzameisen bezeichnet. Im englischen Sprachraum wird die Gruppe entsprechend als „Carpenter Ants“ geführt. Die Taxonomie der Gattung unterliegt Revisionen, wodurch einige Arten in andere Gattungen überführt wurden; so wurde beispielsweise die Stöpselkopfameise (*Colobopsis truncatus*) aus der Gattung *Camponotus* ausgegliedert. Ebenso wird die in Südostasien beheimatete Art *Dinomyrmex gigas* heute als eigenständig betrachtet, nachdem sie früher als *Camponotus gigas* geführt wurde.[4] Innerhalb der Gattung existieren diverse Untergattungen wie *Myrmamblys* oder *Myrmopytia*.[5]
Rossameisen (*Camponotus*) gehören zu den Schuppenameisen und weisen charakteristische Merkmale am Kopf und Thorax auf. Die Antennen entspringen bei dieser Gattung deutlich hinter dem Hinterrand des Clypeus. Ein diagnostisches Merkmal ist das Fehlen der Öffnung der Metapleuraldrüse. Die Oberseite des Thorax ist im Gegensatz zu den Waldameisen gleichförmig gebogen und zeigt keine tieferen Einkerbungen. Die Gattung umfasst weltweit über 1000 Arten, wobei in der Paläarktis sehr große Vertreter vorkommen. Zu den größten mitteleuropäischen Ameisen zählen die Schwarze Rossameise (*Camponotus herculeanus*) und die Braunschwarze Rossameise (*Camponotus ligniperda*), die Körperlängen von bis zu 18 Millimetern erreichen. Es besteht ein Kastendimorphismus zwischen kleineren minor-Arbeiterinnen und großen major-Arbeiterinnen, wobei letztere über größer ausgebildete Mandibeln verfügen. Eine Besonderheit zeigt die Stöpselkopfameise (*Colobopsis truncatus*, ehemals *Camponotus*), deren major-Arbeiterinnen einen stöpselförmigen Kopf zur Verschließung des Nesteingangs besitzen.[4] Hinsichtlich der Oberflächenbeschaffenheit weisen Arbeiterinnen der *Camponotus lateralis*-Gruppe eine glatte Kutikula auf. Im Vergleich dazu ist *Camponotus kiesenwetteri* homogen grau gefärbt und besitzt eine matte Kutikula mit dichter Pubeszenz. Farblich variieren die Arten stark; *Camponotus lateralis* zeigt oft einen rötlichen Kopf bei dunkelbraunem bis schwärzlichem Restkörper, was als Mimikry von *Crematogaster scutellaris* interpretiert wird. Bei *Camponotus ruber* erstreckt sich die rote Pigmentierung meist auf den Großteil des Mesosomas. Andere Arten wie *Camponotus gestroi* sind hingegen vollständig schwärzlich gefärbt.[6]
Die Gattung *Camponotus*, im Deutschen als Rossameisen oder Holzameisen bekannt, gehört zur Unterfamilie der Schuppenameisen (Formicinae) und umfasst weltweit über 1000 Arten. Ein wesentliches morphologisches Merkmal, das sie von anderen Gattungen unterscheidet, ist der Ansatz der Antennen, der deutlich hinter dem hinteren Rand des Clypeus liegt. Zudem fehlt bei dieser Gattung die Öffnung der Metapleuraldrüse, und die Oberseite des Thorax ist im Gegensatz zu den Waldameisen gleichförmig gebogen, ohne tiefe Einkerbungen. Die Arbeiterinnen weisen oft einen ausgeprägten Kastendimorphismus auf, der sich in kleineren Minor-Arbeiterinnen für die Nahrungssuche und größeren Major-Arbeiterinnen mit mächtigen Mandibeln für Verteidigungsaufgaben äußert.[4] Bei einigen Arten wie *Camponotus lateralis* verteidigen diese Major-Arbeiterinnen den Nesteingang, indem sie ihn mit ihrem Kopf blockieren, ein Verhalten, das als „Prä-Phragmosis“ bezeichnet wird.[6] Dies ähnelt der noch stärker spezialisierten Phragmosis bei der Stöpselkopfameise (*Colobopsis truncatus*, ehemals *Camponotus*), deren Major-Arbeiterinnen einen stöpselförmigen Kopf besitzen.[4] Die Kutikula kann je nach Art variieren; während *Camponotus kiesenwetteri* durch dichte Behaarung grau und stumpf wirkt, besitzen andere Vertreter eine glatte Oberfläche.[6] Der Lebenszyklus der europäischen Arten beinhaltet eine doppelte Überwinterung, einmal im Larvenstadium und einmal als adultes Insekt (Imago). Die Koloniestruktur setzt sich häufig aus einem zentralen Hauptnest und umliegenden Nebennestern zusammen. Eine Besonderheit im Sozialverhalten ist, dass sich auch die Männchen an der Trophallaxis und der Brutpflege beteiligen, bevor sie im dritten Jahr das Nest verlassen.[4] Trotz des Namens „Holzameisen“ nisten nicht alle Arten arboricol in Gehölzen; viele legen ihre Nester auch im Boden oder unter Steinen an.[4][6] In halbtrockenen Lebensräumen reagieren *Camponotus*-Gemeinschaften stark auf die Vegetationsstruktur und zeigen eine Sukzession, bei der bestimmte Arten in älteren, strauchreichen Habitaten häufiger auftreten.[7] In Australien existieren mit *Camponotus inflatus* sogenannte Honigtopfameisen, deren Speicherameisen so viel Nahrung aufnehmen, dass sie bewegungsunfähig werden. Jüngste Beobachtungen bei der Florida-Rossameise (*Camponotus floridanus*) belegen zudem komplexe Wundversorgung, bei der Oberschenkelamputationen durchgeführt werden, um Infektionen zu stoppen.[4] Einige Arten wie *Camponotus lateralis* haben eine Bates’sche Mimikry entwickelt und ahmen Färbung sowie Verhalten wehrhafter *Crematogaster*-Arten nach, um Fressfeinde zu täuschen.[6]
Männchen der Rossameisen beteiligen sich häufig an der Trophallaxis sowie der Brutpflege. Bei der Art *Camponotus floridanus* wurden lebensrettende Oberschenkelamputationen an verletzten Artgenossen beobachtet, um die Ausbreitung von Wundinfektionen zu verhindern. Viele Vertreter der Gattung leben aphidophil in Trophobiose mit Schnabelkerfen, die sie beschützen und von denen sie im Gegenzug ausgeschiedene Nährstoffe erhalten. Ein besonderes Speicherverhalten zeigt die australische *Camponotus inflatus*, deren Arbeiterinnen so viel Nahrung in ihren Gastern aufnehmen, dass sie praktisch bewegungsunfähig werden.[4] Spezifische Verhaltensanpassungen zur Feindvermeidung und Ressourcennutzung finden sich bei *Camponotus lateralis*, die den Pheromonspuren von *Crematogaster scutellaris* zu Nahrungsquellen folgen. Diese *Camponotus*-Arten besitzen die Fähigkeit, die Spurpheromone der fremden Gattung wahrzunehmen. Bei Begegnungen mit den aggressiveren *Crematogaster*-Arbeiterinnen reagieren sie flink und weichen durch schnelles Seitwärtsgehen aus, um Konflikte zu vermeiden. Zur Verteidigung der Kolonie blockieren Major-Arbeiterinnen von *Camponotus lateralis* die Nesteingänge mit ihren Köpfen, ein als Prä-Phragmosis bezeichnetes Verhalten.[5]
Viele Arten der Gattung *Camponotus* nutzen Honigtau als Nahrungsquelle und folgen dabei oft den Pheromonspuren anderer Ameisenarten wie *Crematogaster* zu Blattlauskolonien. Neben Honigtau nehmen die Tiere opportunistisch auch Vogel- und Eidechsenkot auf. Zu den bedeutenden Fressfeinden zählen Eidechsen der Gattungen *Podarcis*, *Algyroides* und *Lacerta* sowie Vögel und Spinnen. Um dem Prädationsdruck zu entgehen, hat sich bei *Camponotus lateralis* eine Bates’sche Mimikry entwickelt, bei der die Färbung der wehrhaften Art *Crematogaster scutellaris* nachgeahmt wird. In Konkurrenzsituationen können dominante Ameisenarten wie *Lasius emarginatus* eine ernsthafte Bedrohung für *Camponotus*-Kolonien darstellen. Zur Verteidigung der Nester blockieren Major-Arbeiterinnen bei manchen Arten die Eingänge mit ihren Köpfen, ein Verhalten, das als Prä-Phragmosis beschrieben wird. Die Nistplätze sind variabel und befinden sich je nach Art in Totholz, Baumstümpfen, im Erdboden oder in Steinmauern. Im Mittelmeerraum sind die Nester häufig mit Baumarten wie *Quercus*, *Pinus*, *Olea* und *Ficus* assoziiert. In halbtrockenen Ökosystemen reagieren *Camponotus*-Gemeinschaften dynamisch auf Feuerereignisse, wobei die Abundanz bestimmter Arten in späteren Sukzessionsstadien mit zunehmender Vegetationskomplexität ansteigt. Als ökologisch relevante Gruppe tragen sie zur Samenverbreitung bei und können Pflanzen durch ihre Präsenz vor herbivoren Insekten schützen.[5]
Rossameisen (*Camponotus*), auch als Holzameisen bekannt, können als bedeutende Materialschädlinge auftreten, da sie feuchtes Bauholz als ideale Stätte für ihre Nester ansehen. Der Schaden entsteht nicht durch den Verzehr des Holzes, sondern durch das komplette Abtragen der Substanz zur Anlage von Hohlräumen, wobei die Kolonien aus Einzel- oder verzweigten Teilnestern bestehen können. Besonders die in Mitteleuropa heimischen Arten *Camponotus herculeanus* und *Camponotus ligniperda* sind aufgrund ihrer Größe und Nistweise relevant. Ein Befall konzentriert sich häufig auf bereits durch Feuchtigkeit vorgeschädigtes Holz, weshalb baulicher Feuchteschutz die wichtigste Präventionsmaßnahme darstellt. Die Sanierung erfolgt in der Regel durch den vollständigen Austausch der betroffenen Holzkonstruktionen, um die Nester restlos zu entfernen.[1] Neben physikalischen Methoden werden innovative biotechnologische Verfahren entwickelt, die mittels RNA-Interferenz (RNAi) lebenswichtige Gene der Ameisen stummschalten, um eine artspezifische Bekämpfung zu ermöglichen.[3] Die Sequenzierung des Genoms, wie sie beispielsweise zu 90 % bei der Florida-Rossameise (*Camponotus floridanus*) erfolgte, liefert die genetische Basis für solche zielgerichteten Ansätze.[1][5] Ökologisch betrachtet sind jedoch nicht alle Arten als Schädlinge einzustufen; so nistet *Camponotus lateralis* beispielsweise opportunistisch in Totholz am Boden, in Steinmauern oder unter Rinde und zeigt eine geringere Tendenz zur Zerstörung intakter Bausubstanz.[5]
Feuchtes Bauholz kann von Rossameisen (*Camponotus*) als ideale Stätte für Nester genutzt werden, wodurch sie als Materialschädlinge relevant sind. Diese Nester können sowohl aus einem Einzelnest als auch aus verzweigten Teilnestern innerhalb der Holzstruktur bestehen. Die Bekämpfung eines solchen Befalls erfolgt oft durch das komplette Abtragen der betroffenen Holzkonstruktion.[12] Aufgrund der Relevanz als Schädlinge werden innovative Verfahren entwickelt, wie etwa die Nutzung von RNA-Interferenz zur Stummschaltung lebenswichtiger Gene, um die Vermehrung der Kolonien zu stoppen.[3] Neben der Schadwirkung besitzen manche Arten einen positiven wirtschaftlichen oder kulturellen Wert als Nahrungsmittel; so zählt die australische *Camponotus inflatus* zu den geschätzten Honigtopfameisen. Die Arbeiterinnen dieser Art nehmen so viel Futter in ihren Gastern auf, dass sie praktisch bewegungsunfähig werden und als lebende Speicher dienen.[12]