Herkennen
Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Eupatorium cannabinum wächst als ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 50 bis 175 cm erreicht und aus einem verholzenden Wurzelstock Horste bildet. Die aufrechten, oft rötlich-violett überlaufenen Stängel sind fein behaart und verzweigen sich im oberen Bereich zum Blütenstand hin. Charakteristisch sind die gegenständigen, kurz gestielten Laubblätter, die beim Zerreiben einen aromatischen Geruch verströmen. Die mittleren und unteren Blätter sind unregelmäßig handförmig in drei bis fünf Lappen geteilt, wobei der mittlere Lappen eine elliptische bis lanzettliche Form mit einer Länge von 6 bis 11 cm aufweist. Die Blattränder sind gesägt und die Blattspreiten mit Harzdrüsen besetzt, während die oberen Blätter meist kleiner, ungeteilt und sitzend sind. Der Gesamtblütenstand besteht aus dichten, abgeflachten Schirmrispen, die sich aus zahlreichen kleinen Blütenköpfchen zusammensetzen. Jedes glockenförmige Köpfchen misst 2 bis 5 mm im Durchmesser und enthält 10 bis 30 röhrenförmige Zwitterblüten. Die 2 bis 5 mm langen Einzelblüten sind meist blasslila, rosa oder weißlich gefärbt. Die Hüllblätter stehen dachziegelartig in zwei bis drei Reihen, wobei die inneren länger sind und oft purpurne Spitzen sowie häutige Ränder zeigen. Als Früchte entwickeln sich 2 bis 3 mm lange, schwarz-braune Achänen, die fünfkantig, gerippt und drüsig punktiert sind. Zur Windausbreitung tragen die Früchte einen Pappus aus weißen, 4 bis 5 mm langen Borsten.[2] Morphologische Variationen zeigen sich bei Unterarten wie E. cannabinum subsp. corsicum, die oft weniger stark geteilte Blätter und eine dichtere Behaarung aufweist.[2]
Eupatorium cannabinum ist eine ausdauernde, krautige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (*Asteraceae*), die als einziger Vertreter der Gattung *Eupatorium* in Europa heimisch ist.[1][3] Charakteristisch für die Art ist ihr wuchskräftiger Habitus als Hemikryptophyt, der den Winter mittels basaler Rosetten überdauert und im Frühjahr aus einem verholzenden Wurzelstock sowie robusten Rhizomen neu austreibt. Im natürlichen Lebensraum, vorwiegend in feuchten Ufer- und Sumpfzonen, bildet die Pflanze dichte Horste mit aufrechten, oft rötlich-violett überlaufenen Stängeln, die Wuchshöhen von 50 bis 175 Zentimetern erreichen.[2][1] Während im Feld die gegenständigen, handförmig geteilten Blätter als Hauptmerkmal dienen, offenbart die mikroskopische Betrachtung feine Drüsen auf Blättern und Achänen, die für den aromatischen, harzigen Geruch beim Zerreiben verantwortlich sind.[2] Die Stängel sind fein behaart (puberulent) und verzweigen sich im oberen Bereich zu dichten, schirmrispigen Blütenständen, die von Juli bis September erscheinen.[2][1] Diese Infloreszenzen bestehen aus zahlreichen kleinen Köpfchen mit jeweils 10 bis 30 röhrenförmigen, zwittrigen Einzelblüten, deren Färbung von Mauve bis Weißlich-Rosa variiert.[2][7] Eine besondere anatomische Anpassung für die Verbreitung sind die 2 bis 3 Millimeter langen, fünfrippigen Achänen, die mit einem Pappus aus weißen Borsten ausgestattet sind und effektiv durch den Wind transportiert werden.[2][1] Ein einzelnes Exemplar kann tausende dieser Samen produzieren, deren Keimung lichtabhängig ist und idealerweise bei Temperaturen zwischen 18 und 20 °C erfolgt.[2] Ökologisch fungiert der Wasserdost als Wirtspflanze für spezialisierte Insektenlarven, wie jene des Wasserdost-Federmottenbähnchens (*Adaina microdactyla*), die sich im Inneren der Stängel entwickeln und dort gallenartige Schwellungen verursachen.[1] Zusätzlich zur sexuellen Reproduktion nutzt die Art allelopathische chemische Verbindungen im Boden, um das Wachstum konkurrierender Pflanzen zu hemmen, was ihre Dominanz in Feuchtbiotopen sichert.[7] Historisch wurde die Art bereits 1753 von Carl von Linné beschrieben, wobei der Gattungsname auf König Mithridates VI. Eupator zurückgeht, der die Pflanze der Legende nach als Gegengift verwendete.[3][1] Innerhalb des großen Verbreitungsgebiets treten morphologische Variationen auf, wie etwa bei der auf Korsika und Sardinien endemischen Unterart *E. cannabinum* subsp. *corsicum*, die sich durch weniger geteilte Blätter und dichtere Behaarung von der Nominatform unterscheidet.[3][6] Im Vergleich zu den nordamerikanischen Verwandten, die heute oft der Gattung *Eutrochium* zugeordnet werden, behält *Eupatorium cannabinum* seine taxonomische Position bei und dient in Europa als wichtiger Nektarspender für eine breite Palette von Bestäubern.[3][1]
Systematiek
Name & Einordnung
Der wissenschaftliche Name der Art lautet *Eupatorium cannabinum* und wurde erstmals im Jahr 1753 von Carl von Linné in dessen fundamentalem Werk *Species Plantarum* gültig beschrieben.[1] Der Gattungsname *Eupatorium* leitet sich historisch von Mithridates VI. Eupator (ca. 120–63 v. Chr.) ab, dem König von Pontus, der eine Pflanze dieser Gattung angeblich als Gegengift verwendete. Das Art-Epitheton *cannabinum* nimmt Bezug auf die morphologische Ähnlichkeit der gefiederten Laubblätter mit denen des Hanfs (*Cannabis sativa*).[2] Im deutschsprachigen Raum ist die Pflanze primär unter dem Trivialnamen Wasserdost bekannt.[1] Im Englischen wird sie aufgrund der Blattform als „hemp agrimony“ bezeichnet.[2] Taxonomisch wird die Art der Tribus Eupatorieae innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae) zugeordnet.[1] Während die Gattung *Eupatorium* früher wesentlich mehr Arten umfasste, wurden nordamerikanische Vertreter wie der Purpurdost durch neuere phylogenetische Revisionen in die Gattung *Eutrochium* ausgegliedert. Damit verbleibt *Eupatorium cannabinum* als einzige in Europa heimische Art dieser Gattung, die ansonsten schwerpunktmäßig in Ostasien und Nordamerika verbreitet ist.[2] Innerhalb der Art werden zwei Unterarten unterschieden: die weit verbreitete *Eupatorium cannabinum* subsp. *cannabinum* und die im Mittelmeerraum endemische *Eupatorium cannabinum* subsp. *corsicum*. Die Unterart *corsicum* kommt spezifisch auf Korsika, Sardinien sowie in Süditalien vor und zeichnet sich durch weniger stark geteilte Blätter und eine dichtere Behaarung aus.[1]