*Ilex aquifolium* ist eine zweihäusige (diözische) Pflanze, was bedeutet, dass männliche und weibliche Blüten auf getrennten Individuen wachsen.[4] Die Bestäubung der kleinen, weißen Blüten erfolgt zwischen April und Juni vorwiegend durch Insekten wie Bienen und Schwebfliegen, die vom reichhaltigen Nektarangebot angelockt werden.[1] Für eine erfolgreiche Fruchtbildung ist die Nähe kompatibler männlicher Pflanzen notwendig, da die Art auf Fremdbestäubung angewiesen ist.[2] Nach der Befruchtung entwickeln die weiblichen Pflanzen 6 bis 10 mm große, rote Steinfrüchte, die im Herbst reifen und den Winter über an der Pflanze verbleiben.[8] Jede Frucht enthält typischerweise drei bis vier Samenkerne, deren Verbreitung (Ornithochorie) hauptsächlich durch Vögel wie Drosseln erfolgt, die das Fruchtfleisch verdauen und die Samen ausscheiden. Die Keimung ist ein langwieriger Prozess, da die Samen eine warme und anschließende kalte Stratifikation benötigen und oft erst nach 18 Monaten oder zwei Wintern keimen.[1] Neben der sexuellen Fortpflanzung vermehrt sich die Art auch vegetativ durch Wurzelsprosse oder Absenker, insbesondere in dichten Waldbeständen.[5] Das Wachstum verläuft zunächst langsam, wobei etablierte Pflanzen jährlich etwa 10 bis 30 cm an Höhe gewinnen.[1] Die Geschlechtsreife und die Fähigkeit zur Produktion lebensfähiger Samen werden etwa 5 bis 12 Jahre nach der Keimung erreicht.[5] Als langlebiges Gehölz erreicht die Art ein Alter von bis zu 300 Jahren, wobei einzelne Exemplare auch über 400 Jahre alt werden können.[2] Ein physiologisches Merkmal ist die Heterophyllie, bei der juvenile Pflanzen und untere Zweige stachelige Blätter zur Abwehr von Fraßfeinden ausbilden.[7] Diese morphologische Anpassung kann durch epigenetische Mechanismen wie DNA-Methylierung als Reaktion auf Wildverbiss auch an älteren Pflanzen reaktiviert werden.[1] Im Wurzelbereich geht *Ilex aquifolium* eine Symbiose mit arbuskulären Mykorrhizapilzen ein, welche die Nährstoffaufnahme auf nährstoffarmen Waldböden verbessert.[6] Die Pflanze bevorzugt gut durchlässige, lehmige Substrate mit einem leicht sauren bis neutralen pH-Wert zwischen 5,5 und 7,5. Zu den spezifischen Interaktionen gehört der Faulbaum-Bläuling (*Celastrina argiolus*), dessen Larven sich als Wirtsspezialisten von den Blättern ernähren. Ein häufiger Schädling ist die Ilex-Minierfliege (*Phytomyza ilicis*), deren Larven minierend in den Blättern leben und die Photosyntheseleistung reduzieren können. Auch Schildläuse wie *Pulvinaria floccifera* können die Blätter befallen und durch Rußtaupilze sekundäre Schäden verursachen.[1] Das dichte, immergrüne Laub dient ökologisch als wichtiger Überwinterungsort für Igel und geschützter Nistplatz für Vögel.[3]