Der gültige wissenschaftliche Name der Feldmaus lautet *Microtus arvalis*, wobei die Erstbeschreibung durch den deutschen Naturforscher Peter Simon Pallas im Jahr 1778 erfolgte. Pallas ordnete die Art ursprünglich unter dem Basionym *Mus arvalis* in seinem Werk *Novae species Quadrupedum e Glirium ordine* ein. Als Typuslokalität dienten Regionen der europäischen Steppen, einschließlich Gebiete im heutigen Russland. Der Gattungsname *Microtus* leitet sich aus dem Griechischen ab (*mikros* für „klein“ und *ous* für „Ohr“) und verweist auf die kleinen, im Fell verborgenen Ohren der Tiere.[3] Das Art-Epitheton *arvalis* entstammt dem Lateinischen (*arvum* für Ackerland) und beschreibt die enge Bindung der Art an offene Kulturlandschaften.[3][4] Historisch wurde die Feldmaus zeitweise der Gattung *Arvicola* zugeordnet, was zu Synonymen wie *Arvicola arvalis* oder *Arvicola campestris* führte. Auch *Microtus obscurus* (Eversmann, 1841) wurde teilweise als Synonym oder Unterart betrachtet, gilt heute jedoch oft als eigenständige Art innerhalb der *arvalis*-Gruppe.[3] Systematisch gehört die Feldmaus zur Familie der Wühler (Cricetidae) und der Unterfamilie Arvicolinae.[3][1] Innerhalb der Gattung *Microtus* zählt sie zur *arvalis*-Artengruppe, die durch wurzellose Molaren und Anpassungen an Graslandhabitate gekennzeichnet ist.[3] Es werden über zehn Unterarten unterschieden, darunter die Nominatform *M. a. arvalis* sowie die auf den Orkney-Inseln isoliert vorkommende *M. a. orcadensis*.[3] Im deutschen Sprachraum ist die Bezeichnung Feldmaus etabliert, international wird sie im Englischen als „Common vole“ geführt.[3][2]
Die Feldmaus (*Microtus arvalis*) besitzt einen gedrungenen, mausähnlichen Körperbau mit kurzen Beinen und einer stumpfen Schnauze. Adulte Tiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 93 bis 120 mm (nach anderen Angaben 8 bis 11 cm) und ein Gewicht von 18 bis 40 g, wobei Männchen unter optimalen Bedingungen bis zu 51 g wiegen können. Der Schwanz ist mit 24 bis 38 mm Länge vergleichsweise kurz und nimmt etwa ein Drittel der Gesamtkörperlänge ein. Das feine, kurzhaarige Fell zeigt auf der Oberseite eine gelblich-graue bis braun-graue Färbung, die zu den Flanken hin heller wird.[2][3] Die Unterseite ist schmutzig gelblich-weiß gefärbt, und der Schwanz erscheint undeutlich zweifarbig.[2] Am Kopf befinden sich kleine, rundliche Ohren, die teilweise im dichten Fell verborgen sind. Das Gebiss verfügt über permanent nachwachsende Schneidezähne und wurzellose Molaren mit der Zahnformel 1/1, 0/0, 0/0, 3/3. Ein Sexualdimorphismus ist nur schwach ausgeprägt und beschränkt sich primär auf einen leichten Größenvorteil der Männchen.[3] Neugeborene Jungtiere sind Nesthocker, kommen blind, taub und nackt mit rosafarbener Haut zur Welt und wiegen durchschnittlich 1,85 g. Die Augen der Jungtiere öffnen sich nach etwa 10 bis 12 Tagen.[2][3] Geographische Variationen folgen der Bergmannschen Regel, wobei Inselpopulationen wie die Orkney-Wühlmaus (*M. a. orcadensis*) deutlich größer werden als die Festlandformen. Zur Abgrenzung innerhalb der Gattung *Microtus* dienen unter anderem die wurzellosen Backenzähne sowie die spezifischen morphologischen Anpassungen an offene Graslandschaften.[3]
Die Feldmaus (*Microtus arvalis*) ist ein kleiner, gedrungener Vertreter der Wühler (Cricetidae), der als typischer Bewohner offener Landschaften in weiten Teilen Eurasiens verbreitet ist.[2][3] Charakteristisch für die Art sind der walzenförmige Körperbau mit kurzen Gliedmaßen und der im Vergleich zu anderen Mäusen kurze Schwanz, der lediglich etwa ein Drittel der Körperlänge ausmacht.[2][1] Der Kopf wirkt durch die stumpfe Schnauze und die kleinen, fast vollständig im Fell verborgenen Ohren rundlich. Das Fell, welches saisonal zweimal jährlich gewechselt wird, bietet durch seine gelblich-graue bis braune Färbung auf der Oberseite eine gute Tarnung im trockenen Gras.[2][3] Anatomisch ist das Gebiss mit der Zahnformel 1/1, 0/0, 0/0, 3/3 und wurzellosen, dauerhaft nachwachsenden Backenzähnen hochspezialisiert, um harte pflanzliche Nahrung wie Gräser effizient zu zerkleinern. Während der Sehsinn eher schwach ausgeprägt ist, orientieren sich die Tiere mittels sensibler Vibrissen sowie eines exzellenten Gehör- und Geruchssinns, was für die Kommunikation und Navigation in den Gangsystemen essenziell ist.[3] Die Lebensweise ist durch eine polyphasische Aktivität geprägt, bei der sich alle drei bis vier Stunden Phasen der Nahrungssuche mit Ruhephasen abwechseln, wobei die Tiere sowohl tag- als auch nachtaktiv sind. Feldmäuse zeigen ein ausgeprägtes Sozialverhalten und leben in dichten Kolonien, in denen komplexe, unterirdische Bausysteme oft von mehreren Weibchen in Nestgemeinschaften genutzt werden. Diese Baue liegen meist 20 bis 30 Zentimeter tief und bestehen aus Wohnkesseln sowie Vorratskammern, die durch ein verzweigtes Netz aus Gängen und oberirdischen Laufstraßen verbunden sind.[2][3] Das Paarungssystem ist promiskuitiv, wobei sich sowohl Männchen als auch Weibchen mit mehreren Partnern paaren.[3] Die Fortpflanzungsstrategie ist auf eine extrem hohe Reproduktionsrate ausgelegt, wobei die Paarungszeit in Mitteleuropa meist von März bis Oktober andauert. Nach einer Tragzeit von etwa 21 Tagen kommen durchschnittlich fünf bis sechs Jungtiere zur Welt, die als Nesthocker nackt, blind und taub geboren werden. Die Entwicklung verläuft rasant: Die Augen öffnen sich nach etwa 11 Tagen, und bereits während der kurzen Säugezeit von rund zwei bis drei Wochen können weibliche Jungtiere im Alter von nur 12 bis 14 Tagen geschlechtsreif werden.[2][3] Diese frühe Reife ermöglicht es den im Frühjahr geborenen Tieren, sich noch im selben Jahr fortzupflanzen, während im Spätsommer geborene Individuen meist erst nach der Überwinterung aktiv werden.[2] Die natürliche Lebenserwartung ist gering und liegt im Freiland oft nur bei wenigen Monaten, wobei ein Durchschnittsalter von etwa 4,5 Monaten dokumentiert ist. Populationsdynamisch ist *Microtus arvalis* für zyklische Massenvermehrungen bekannt, bei denen die Bestandsdichte alle drei bis vier Jahre extrem ansteigen kann. Als reiner Pflanzenfresser ernährt sich die Feldmaus von einer Vielzahl an Kräutern, Gräsern und Leguminosen, wobei sie in Notzeiten auch Baumrinde verzehrt.[2][3] Taxonomisch wurde die Art 1778 von Peter Simon Pallas erstbeschrieben und gehört zur *arvalis*-Artengruppe, die sich durch spezifische morphologische Anpassungen an Graslandhabitate auszeichnet. Innerhalb des großen Verbreitungsgebietes treten Variationen auf, die unter anderem der Bergmannschen Regel folgen, wonach Populationen in kälteren oder insularen Regionen größer werden können.[3]
Die Feldmaus (*Microtus arvalis*) bewegt sich laufend fort und ist tag- sowie nachtaktiv, wobei sich Aktivitätsphasen von drei bis vier Stunden mit ebenso langen Ruhephasen abwechseln.[3][2] Das Aktivitätsmuster verschiebt sich saisonal, mit verstärkter Tagaktivität im Winter und zunehmender Nachtaktivität im Sommer.[3] Die Tiere leben sozial in dichten Kolonien und bilden oft matrilineare Gruppen aus zwei bis sechs Weibchen, die ein gemeinsames Bau-System nutzen und verteidigen.[3][2] Weibliche Aktionsräume umfassen durchschnittlich 200 bis 400 Quadratmeter und werden insbesondere während der Fortpflanzungszeit aggressiv gegen Eindringlinge verteidigt. Männchen hingegen verhalten sich solitär und nomadisch mit deutlich größeren Streifgebieten von 1200 bis 1500 Quadratmetern, um Zugang zu mehreren Weibchen zu erhalten. Zur Kommunikation und Territoriumsmarkierung setzen die Tiere primär olfaktorische Signale wie Urinmarkierungen an den Reviergrenzen ein. Die akustische Kommunikation umfasst hochfrequentes Quieken bei Aggression oder Alarm sowie Ultraschalllaute der Männchen während der Balz.[3] Bei Gefahr verharren die Tiere oft regungslos in ihren oberirdischen Laufwegen oder ziehen sich blitzschnell in die Fluchtröhren ihrer komplexen Erdbauten zurück.[3][2] Innerhalb der Gruppen dient ein synchronisiertes Fressverhalten als Warnsystem, um Artgenossen vor Prädatoren zu schützen. Bei hoher Populationsdichte oder im Winter lockert sich die Territorialität, was die gemeinsame Nutzung von Bauten zur Thermoregulation und Ressourcensicherung ermöglicht.[3]
Die Art besiedelt vorwiegend offene Landschaften wie Wiesen, Weiden und landwirtschaftliche Flächen (z. B. Luzerne- oder Getreidefelder), wobei sie tiefe, nicht steinige Böden und leichte Hanglagen bevorzugt. Innerhalb dieser Habitate sucht *Microtus arvalis* gezielt Bereiche mit höherem Grasbewuchs (über 20 cm) auf, der Schutz vor Prädatoren bietet.[3] Als Herbivore ernährt sich die Feldmaus von bis zu 79 Pflanzenarten, primär Gräsern und Kräutern wie Rotklee (*Trifolium pratense*) und Löwenzahn (*Taraxacum officinale*), greift in Notzeiten jedoch auch auf Baumrinde zurück.[2][3] Ökologisch fungiert sie als zentrale Beuteart im Nahrungsnetz und stützt Populationen von Greifvögeln wie Mäusebussard (*Buteo buteo*), Turmfalke (*Falco tinnunculus*) und Schleiereule (*Tyto alba*). Auch Säugetiere wie das Mauswiesel (*Mustela nivalis*), Hermelin (*Mustela erminea*) und der Rotfuchs (*Vulpes vulpes*) sind wichtige Fressfeinde, wobei Marderartige die Nager effektiv in deren Bausystemen jagen.[3] Die Tiere leben in dichten Kolonien in komplexen unterirdischen Bauten, die meist 20 bis 30 cm tief liegen und durch oberirdische Laufwege vernetzt sind.[2][3] Hinsichtlich der interspezifischen Konkurrenz fehlt *Microtus arvalis* auf den Britischen Inseln, wo die Erdmaus (*Microtus agrestis*) eine ähnliche ökologische Nische besetzt. Die Populationen unterliegen zyklischen Schwankungen (Gradationen) alle 3 bis 4 Jahre, bei denen Dichten von über 1.000 bis 2.000 Tieren pro Hektar erreicht werden können. Zudem dient die Art als Wirt für Parasiten wie *Echinococcus multilocularis* und als Reservoir für Krankheitserreger wie *Borrelia* (Übertragung durch Zecken) oder Leptospiren.[2][3]
Die Feldmaus (*Microtus arvalis*) wird als bedeutender Pflanzenschädling in der Landwirtschaft klassifiziert, der besonders im Acker-, Obst- und Gartenbau auftritt. Schäden entstehen primär durch den Fraß an Getreide, Hackfrüchten wie Kartoffeln und Zuckerrüben, Kleearten sowie Raps.[2][1] In Notzeiten nagen die Tiere zudem die Rinde von Laubgehölzen an.[2] Typische Schadbilder umfassen das Ringeln von Stängeln, den Verzehr von Wurzeln und Blättern sowie die Destabilisierung des Bodens durch ausgedehnte Gangsysteme.[1] Bei Massenvermehrungen (Gradationen), die zyklisch alle drei bis vier Jahre auftreten, sind Ernteverluste von über 80 % bei Raps oder bis zu 90 % bei Winterweizen möglich. Gesundheitlich ist die Art relevant, da sie Leptospirose übertragen kann und als Reservoir für Borreliose (Vektor: Zecken) sowie als Zwischenwirt für den Fuchsbandwurm (*Echinococcus multilocularis*) fungiert.[2][1] Ein Befall lässt sich durch oberirdische Laufwege, die Baueingänge mit Futterplätzen verbinden, sowie durch aktive Erdlöcher frühzeitig erkennen. Das Management folgt den Prinzipien des Integrierten Pflanzenschutzes (IPM) und kombiniert Monitoring mit ackerbaulichen und gezielten Bekämpfungsmaßnahmen. Zu den präventiven Methoden zählen tiefes Pflügen zur Zerstörung der Habitate und das Fluten von Bauen. Die Förderung natürlicher Prädatoren wie Eulen und Greifvögeln unterstützt die biologische Regulation.[1] Chemische Bekämpfungsmaßnahmen umfassen den Einsatz von Rodentiziden, beispielsweise auf Basis von Zinkphosphid.[1][3] Ergänzend kommen mechanische Fallensysteme zur Bestandsreduktion zum Einsatz.[3]
Die Feldmaus (*Microtus arvalis*) gilt als bedeutender Pflanzenschädling in der europäischen Landwirtschaft, insbesondere in offenen Ackerlandschaften und Dauerkulturen wie Luzerne und Klee.[2][1] Schäden entstehen primär durch Fraß an Wurzeln, Blättern und Stängeln sowie durch ausgedehnte Bausysteme, die den Boden destabilisieren und das Entwurzeln von Pflanzen begünstigen. Während Massenvermehrungen können die Ernteverluste massiv sein, mit dokumentierten Rückgängen von bis zu 91 % bei Winterweizen und über 80 % in Rapsfeldern. In betroffenen Regionen führen Ausbrüche durchschnittlich zu Ertragseinbußen von 10–30 % bei wichtigen Futter- und Getreidekulturen. Die finanziellen Auswirkungen sind erheblich; allein in der Tschechischen Republik wurden die Schäden in Extremjahren wie 2019 auf rund 40 Millionen Euro geschätzt.[1] Neben dem Ackerbau sind auch die Forstwirtschaft und der Obstbau betroffen, da die Tiere in Notzeiten die Rinde von Laubgehölzen benagen.[2] Zur Bekämpfung werden ackerbauliche Maßnahmen wie tiefes Pflügen oder der Einsatz von Rodentiziden wie Zinkphosphid genutzt, für das spezifische Köderformulierungen entwickelt wurden.[1][3] Die Art stellt zudem ein Hygiene- und Gesundheitsrisiko dar, da sie als Überträger von Leptospirose und als Reservoir für Borreliose fungiert.[2] Trotz des Schädlingsstatus ist *Microtus arvalis* wirtschaftlich indirekt relevant als Hauptbeute für Nützlinge wie Eulen und Füchse, die ihrerseits andere Agrarschädlinge regulieren.[1]