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Lexicon-vermelding

Gemeenschappelijke spint Tetranychus urticae

Gemeenschappelijke spint

Taxonomie

Rijk Tiere (Animalia)
Stam Gliederfüßer (Arthropoda)
Klas Spinnentiere (Arachnida)
Orde Laufmilben (Trombidiformes)
Familie Tetranychidae
Geslacht Tetranychus
Soort Tetranychus urticae
Wetenschappelijke naam Tetranychus urticae Koch, 1836
Geaccepteerde naam

Einleitung

Die Gemeine Spinnmilbe (*Tetranychus urticae*) ist eine weltweit verbreitete, extrem polyphage Art aus der Familie der Spinnmilben (Tetranychidae), die als bedeutender Pflanzenschädling in der Landwirtschaft gilt. Sie befällt über 1.100 Pflanzenarten, darunter wichtige Kulturen wie Baumwolle, Tomaten und Bohnen, und verursacht durch ihre saugende Tätigkeit an den Blättern erhebliche Ertragsverluste.[2][1] Taxonomisch existieren zahlreiche Synonyme, wobei die oft als eigene Art beschriebene *Tetranychus cinnabarinus* in der modernen Forschung meist als rote Farbvariante von *T. urticae* eingeordnet wird.[1]

Gemeenschapsanalyse

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Laatst op 16.04.2026
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Fakten (kompakt)

- Das Genom von *Tetranychus urticae* wurde im Jahr 2011 sequenziert und liefert genetische Hinweise auf Anpassungen zur Entgiftung sowie zur Erweiterung des Wirtsspektrums. - Die Art hat Resistenzen gegen mehr als 95 verschiedene Pestizid-Wirkstoffe entwickelt, was sie zu einem der am schwierigsten zu bekämpfenden Arthropoden-Schädlinge macht. - Obwohl die Milben pflanzliche Chloroplasten mit der Nahrung aufnehmen, betreiben sie selbst keine Photosynthese. - Die Bewältigung von Stoffwechselabfällen wird genetisch durch hochregulierte Gene gesteuert, die mit dem Guanin-Haushalt in Verbindung stehen. - Neuere Forschungsansätze untersuchen die Nutzung von RNA-Interferenz als Methode für ein nachhaltiges Schädlingsmanagement. - Zur taxonomischen Stabilisierung wurde 1963 ein Neotypus festgelegt und die Art 1987 in die offiziellen Listen der ICZN aufgenommen.[6]

Name & Einordnung

Der wissenschaftliche Name *Tetranychus urticae* wurde 1836 von dem Arachnologen Carl Ludwig Koch anhand von Exemplaren aus Deutschland erstbeschrieben.[1][3] Die Art wird taxonomisch der Gattung *Tetranychus* innerhalb der Familie der Spinnmilben (Tetranychidae) zugeordnet und gehört phylogenetisch zur Tribus Tetranychini.[1] Aufgrund historischer Fehlbestimmungen und der hohen morphologischen Variabilität auf verschiedenen Wirtspflanzen existieren über 60 Synonyme für diese Spezies. Zu den bekanntesten historischen Synonymen zählen *Tetranychus telarius* (Linnaeus, 1758) und *Tetranychus bimaculatus* Harvey, 1879.[1][3] Eine bedeutende taxonomische Diskussion betrifft *Tetranychus cinnabarinus* (Boisduval, 1835), der lange als eigenständige Art geführt wurde.[1] Moderne zytogenetische und molekulare Studien betrachten *T. cinnabarinus* jedoch überwiegend als rote Farbvariante oder Synonym von *T. urticae*, wenngleich die Debatte über den Artstatus in der Forschung teilweise fortbesteht.[1] Zur Stabilisierung der Nomenklatur wurde 1963 ein Neotypus festgelegt und der Name *T. urticae* 1987 durch den ICZN validiert.[3][1] Im Deutschen wird die Art als Gemeine Spinnmilbe bezeichnet. International ist der englische Trivialname „two-spotted spider mite“ gebräuchlich, der sich auf die zwei dunklen Rückenflecken der Weibchen bezieht. Die rötlichen Überwinterungsformen werden im englischen Sprachraum oft als „red spider mite“ bezeichnet.[1]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Adulte *Tetranychus urticae* sind mikroskopisch kleine, oval geformte Milben mit einer Körperlänge von 0,3 bis 0,5 mm. Die Grundfärbung der Weibchen variiert meist von grünlich-gelb bis rötlich-braun, wobei auf dem Rücken zwei charakteristische dunkle Flecken sichtbar sind, die durch Ansammlungen von Guaninkristallen im Darm entstehen.[1] Ihre Cheliceren sind zu langen, zurückgebogenen, J-förmigen Stiletten modifiziert, die in einem Stylophor liegen und das Anstechen von Pflanzenzellen ermöglichen. Auf dem Prodorsum befinden sich lateral zwei Augenpaare sowie dorsale Borsten. Ein wichtiges taxonomisches Bestimmungsmerkmal ist das rautenförmige Muster der Hautstreifung (Striae) auf dem Hysterosoma zwischen den Borsten e1 und f1, das aus lateralen Längsstreifen und zentralen Querstreifen besteht. Adulte Tiere besitzen vier Beinpaare, wobei die Tarsen des ersten Beinpaares zwei Paare von Duplex-Borsten und die des zweiten Beinpaares ein Paar aufweisen. An den Pedipalpen nahe der Mundwerkzeuge befinden sich Spinndrüsen, mit denen die Milben feine Seidenfäden zur Bildung von Schutzgespinsten produzieren.[3] Es besteht ein ausgeprägter Sexualdimorphismus: Weibchen sind mit 0,4 bis 0,5 mm größer, robuster und besitzen eine Genitalklappe, die ventral von drei Paaren Pseudanalborsten umgeben ist. Die Männchen sind mit 0,3 bis 0,4 mm kleiner, oft blasser gefärbt (rostfarben bis hellgelb) und zeichnen sich durch ein nach hinten spitz zulaufendes Abdomen aus. Der Aedeagus der Männchen besitzt einen Knauf mit einer hakenförmigen Spitze, was die Unterscheidung erleichtert.[1] Die kugelförmigen Eier haben einen Durchmesser von etwa 0,1 mm, sind frisch abgelegt durchscheinend bis strohfarben und nehmen später eine blassgelbe oder grünliche Tönung an. Aus dem Ei schlüpft zunächst eine farblose Larve, die im Gegensatz zu den adulten Stadien nur sechs Beine (hexapod) aufweist. Darauf folgen die achtbeinigen Stadien der Proto- und Deutonymphe, die mit 0,2 bis 0,4 mm zunehmend größer werden.[2] Überwinternde Weibchen (Diapause-Form) unterscheiden sich morphologisch durch eine intensive orange-rote Färbung, die oft zur Verwechslung mit anderen Arten führt.[1] Taxonomisch schwierig ist die Abgrenzung zur roten Form, die historisch als *Tetranychus cinnabarinus* beschrieben wurde, heute jedoch oft als Farbvariante oder Synonym von *T. urticae* betrachtet wird.[1][2]

Beschreibung

Die Gemeine Spinnmilbe (*Tetranychus urticae*) ist ein kosmopolitisch verbreiteter Vertreter der Familie Tetranychidae und gilt aufgrund ihrer extremen Polyphagie als einer der bedeutendsten landwirtschaftlichen Schädlinge weltweit.[2][1] Die Art wurde ursprünglich 1836 von Carl Ludwig Koch beschrieben und besiedelt heute gemäßigte sowie subtropische Zonen auf allen Kontinenten außer der Antarktis.[3][1] Charakteristisch für das Erscheinungsbild der adulten Tiere sind zwei dunkle Flecken auf dem Rücken des Hysterosomas, die durch die Ansammlung von Abfallprodukten wie Guanin im Darmtrakt entstehen und durch die transparente Kutikula sichtbar sind.[1][4] Obwohl die Milben Pflanzenzellen punktieren und Chloroplasten aufnehmen, betreiben sie selbst keine Photosynthese, sondern nutzen spezialisierte Gene zur Entgiftung und Verdauung des Pflanzenmaterials.[2] Ein markantes Merkmal ist die Produktion von feinen Seidenfäden aus Spinndrüsen an den Pedipalpen, die zum Schutz der Kolonie vor Fressfeinden und zur Stabilisierung des Mikroklimas dienen.[1] Der Lebenszyklus umfasst vier aktive Stadien: Larve, Protonymphe, Deutonymphe und Adultus, die jeweils durch Ruhephasen (Chrysalis) unterbrochen werden.[4] Aus den kugelförmigen, strohfarbenen Eiern (ca. 0,1 mm Durchmesser) schlüpfen zunächst sechsbeinige, farblose Larven, die bereits Pflanzensaft saugen.[4][1] Die darauffolgenden Nymphenstadien besitzen acht Beine und ähneln zunehmend den adulten Tieren, wobei sie mit jeder Häutung an Größe und Pigmentierung zunehmen.[4] Ein ausgeprägter Sexualdimorphismus zeigt sich im Erwachsenenstadium: Weibchen sind mit 0,4–0,5 mm Länge größer und oval geformt, während Männchen deutlich kleiner, blasser und am Hinterleib spitz zulaufend sind.[1][3] Diese anatomischen Unterschiede korrelieren mit ihren Funktionen, da Männchen mobiler sind, um ruhende weibliche Deutonymphen aufzusuchen und diese bis zur Reife zu bewachen. Die Fortpflanzung erfolgt durch Arrhenotokie, bei der sich aus unbefruchteten Eiern haploide Männchen und aus befruchteten Eiern diploide Weibchen entwickeln.[1] In kühleren Klimazonen überwintern befruchtete Weibchen in einer fakultativen Diapause, wobei sie ihre Nahrungsaufnahme einstellen und eine charakteristische orangerote Färbung annehmen.[1][2] Historisch führte diese Farbvariabilität sowie die Existenz roter Sommerformen oft zu taxonomischer Verwirrung, insbesondere zur Abgrenzung von *Tetranychus cinnabarinus*, die heute vielfach als Synonym oder Farbvariante von *T. urticae* betrachtet wird.[1][2] Im Feld ist die Art oft erst durch die typischen Sprenkelungen auf Blättern oder bei starkem Befall durch dichte Gespinste zu erkennen, da die Einzeltiere ohne Vergrößerung kaum wahrnehmbar sind.[1]

Verhalten

Das Verhalten von *Tetranychus urticae* ist stark durch die Produktion von Seidenfäden geprägt, die aus Spinndrüsen an den Pedipalpen abgesondert werden und zur Bildung dichter Gespinste auf der Blattunterseite dienen. Diese Gespinste erfüllen multiple Funktionen, indem sie ein feuchtes Mikroklima schaffen, die Kolonie vor Fressfeinden sowie Austrocknung schützen und die Fortbewegung der Milben erleichtern. Zur Ausbreitung nutzen die Tiere neben der aktiven Laufbewegung vor allem den Wind, der adulte Tiere und Nymphen an Seidenfäden über kurze bis mittlere Distanzen verfrachtet. Im Fortpflanzungsverhalten zeigen Männchen eine intensive Konkurrenz um Weibchen, wobei sie ruhende Deutonymphen weiblichen Geschlechts bewachen (Guarding), um sich unmittelbar nach deren Häutung mit ihnen zu paaren.[1] Um Inzucht zu vermeiden, sind die Milben fähig, verwandte Artgenossen anhand chemischer Signale wie kutikulärer Kohlenwasserstoffe oder Pheromonspuren im Gespinst zu erkennen. Weibchen zeigen dabei eine aktive Partnerwahl und bevorzugen nicht verwandte Männchen, was in Wahlversuchen zu einer signifikant höheren Rate an Fremdpaarungen führt.[3] Das Fressverhalten ist durch das Anstechen einzelner Mesophyllzellen mittels der stilettartigen Cheliceren gekennzeichnet, woraufhin der Zellinhalt ausgesaugt wird.[1] Als Anpassung an ungünstige Umweltbedingungen treten befruchtete Weibchen in eine Diapause ein, suchen geschützte Verstecke wie Rindenritzen auf und verfärben sich durch Carotinoideinlagerung orange.[1][3] Während dieser Ruhephase zeigen die Tiere eine bemerkenswerte Resilienz gegenüber Umweltstress und können sogar eine bis zu zehntägige Unterflutung überleben.[1]

Ökologie

Tetranychus urticae nimmt als extrem polyphager Herbivore eine bedeutende ökologische Nische ein und besiedelt über 1.100 Pflanzenarten aus mehr als 140 Familien, darunter ökonomisch relevante Kulturen wie Baumwolle, Tomaten und Sojabohnen.[2][1] Die Milbe ernährt sich als Primärkonsument durch das Anstechen von Mesophyllzellen und das Absaugen des Zellinhalts, was physiologische Schäden wie Chlorosen und eine reduzierte Photosyntheseleistung verursacht.[4][3] Hinsichtlich der abiotischen Faktoren präferiert die Art heiße und trockene Bedingungen mit einem Temperaturoptimum zwischen 29 und 32 °C sowie einer relativen Luftfeuchtigkeit unter 40 %.[1][2] Auf den Wirtspflanzen bilden die Tiere vorwiegend auf den Blattunterseiten Kolonien, die durch dichte Gespinste aus Seide vor Austrocknung und Fressfeinden geschützt sind.[3][2] In gemäßigten Klimazonen überwintern befruchtete Weibchen in einer fakultativen Diapause an geschützten Orten wie Rindenritzen oder in der Laubstreu, wobei sie eine orange Färbung annehmen.[1][2] Das natürliche Feindspektrum wird von Raubmilben der Familie Phytoseiidae dominiert, insbesondere dem Spezialisten Phytoseiulus persimilis, der alle Entwicklungsstadien der Beute effizient dezimiert.[3][5] Zum Nahrungsnetz gehören zudem räuberische Insekten wie der Spinnmilben-Marienkäfer (Stethorus punctillum), Florfliegenlarven (Chrysoperla carnea) und verschiedene Thrips-Arten.[2][4] Während Parasitoide aufgrund der schützenden Gespinste kaum eine Rolle spielen, können entomopathogene Pilze wie Beauveria bassiana oder Hirsutella thompsonii unter feuchten Bedingungen signifikante Mortalitätsraten verursachen.[1] Die enorme Anpassungsfähigkeit an diverse Wirtspflanzen wird genetisch durch die Hochregulierung von Entgiftungsenzymen unterstützt, die pflanzliche Abwehrstoffe neutralisieren.[1][2]

Bedeutung, Schäden & Prävention

*Tetranychus urticae* gilt als einer der wirtschaftlich bedeutendsten landwirtschaftlichen Schädlinge weltweit, der über 1.100 Pflanzenarten befällt und Ertragsverluste von bis zu 50 % oder mehr verursacht.[2][1] Besonders betroffen sind Kulturen wie Baumwolle, Tomaten, Sojabohnen und Erdbeeren, wobei in Baumwolle Ertragseinbußen von 45 bis 78 % dokumentiert wurden.[1] Das Schadbild entsteht durch die saugenden Mundwerkzeuge, was zu punktuellen Aufhellungen (Stippling), Chlorosen und bei starkem Befall zu Blattbronze sowie vorzeitigem Blattabwurf führt.[2][1] Charakteristisch für hohe Populationsdichten sind dichte Gespinste aus Seide, die Pflanzenteile überziehen und das Mikroklima für die Milben optimieren.[3] Zur Früherkennung und Bestimmung von Bekämpfungsschwellen, die beispielsweise bei Zitrusfrüchten bei 10–15 symptomatischen Milben pro Quadratmeter Blattfläche liegen, ist ein regelmäßiges Monitoring essenziell.[1] Präventive ackerbauliche Maßnahmen umfassen Fruchtfolgen mit Nicht-Wirtspflanzen sowie die Entfernung von Ernterückständen und Unkräutern, um Überwinterungsmöglichkeiten zu minimieren. Da die Art trocken-heißes Klima bevorzugt, kann Überkopfberegnung, die die Luftfeuchtigkeit auf über 70 % erhöht, die Reproduktion hemmen und Prädator-Populationen fördern.[2] Die chemische Bekämpfung erfolgt mit Akariziden wie Abamectin oder Bifenazat, wird jedoch durch die extrem schnelle Resistenzentwicklung gegen über 95 Wirkstoffe massiv erschwert.[2][1] Feldpopulationen zeigten in Studien bereits mehr als 100-fache Resistenzen gegenüber gängigen Mitteln, was ein striktes Resistenzmanagement durch Wirkstoffrotation erfordert.[1] Im biologischen Pflanzenschutz spielen Raubmilben wie *Phytoseiulus persimilis* eine Schlüsselrolle, da sie alle Entwicklungsstadien fressen und Populationen unter optimalen Bedingungen um bis zu 90 % reduzieren können.[3] Ergänzend werden entomopathogene Pilze wie *Beauveria bassiana* eingesetzt, die in Kombination mit reduzierten Insektiziden hohe Mortalitätsraten erreichen.[1] Neuartige Ansätze umfassen RNA-Interferenz-Sprays (RNAi), die spezifische Gene der Milbe stummschalten und in Feldversuchen eine Mortalität von über 70 % zeigten.[5]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Gemeine Spinnmilbe (*Tetranychus urticae*) verursacht als extrem polyphager Schädling massive ökonomische Schäden in der globalen Landwirtschaft, wobei über 1.100 Pflanzenarten zum Wirtsspektrum zählen. Besonders betroffen sind Intensivkulturen wie Baumwolle, Sojabohnen, Tomaten, Erdbeeren und Zitrusfrüchte sowie der Zierpflanzenbau.[2][1] Das Ausmaß der Schäden variiert je nach Kultur und Umweltbedingungen stark; so können bei Baumwolle frühzeitige Befälle zu Ertragsverlusten zwischen 45 % und 78 % führen. In Tomatenkulturen wurden Rückgänge des marktfähigen Ertrags um 20–40 % dokumentiert, während bei Sojabohnen unter trockenen Bedingungen Verluste von 40–60 % durch schwere Entlaubung möglich sind. Die kumulierten Schäden belaufen sich weltweit jährlich auf Milliardenbeträge.[2] Neben quantitativen Ernteausfällen führt der Befall durch Chlorosen, Blattverfärbungen („Bronzing“) und Gespinstbildung zu erheblichen Qualitätsminderungen, die insbesondere bei Zierpflanzen und Obst die Vermarktbarkeit ausschließen.[1][3] Historisch entwickelte sich die Art erst in den 1940er und 1950er Jahren zu einem gravierenden ökonomischen Problem, nachdem der Einsatz von Breitbandinsektiziden natürliche Feinde dezimierte.[2] Die wirtschaftliche Belastung wird durch die schwierige Bekämpfung verschärft, da *T. urticae* Resistenzen gegen über 95 Pestizidwirkstoffe entwickelt hat, was kostenintensive Anpassungen im Pflanzenschutzmanagement erfordert.[1][4]

Biologie & Lebenszyklus

Die Fortpflanzung von *Tetranychus urticae* erfolgt primär durch arrhenotoke Parthenogenese, bei der sich aus unbefruchteten Eiern haploide Männchen und aus befruchteten Eiern diploide Weibchen entwickeln. Ein Weibchen paart sich in der Regel nur einmal und speichert das Sperma in einer Spermatheka, um Eier über ihre gesamte Lebensdauer von zwei bis vier Wochen zu befruchten.[1] Unter optimalen Bedingungen legt ein Weibchen 20 bis 100 kugelförmige, strohfarbene Eier, die meist auf der Blattunterseite im Schutz von Seidengespinsten platziert werden.[3] Der Lebenszyklus umfasst vier aktive Stadien: das sechsbeinige Larvenstadium sowie die achtbeinigen Protonymphen-, Deutonymphen- und Adultstadien. Zwischen diesen aktiven Phasen durchlaufen die Milben jeweils ruhende, unbewegliche Häutungsstadien, die als Chrysalis bezeichnet werden. Die Entwicklungsdauer ist stark temperaturabhängig und verkürzt sich von etwa 16,5 Tagen bei 20 °C auf rund 7,6 Tage bei 27 °C. Das physiologische Optimum für Entwicklung und Reproduktion liegt in einem Bereich von 29 bis 32 °C in Kombination mit niedriger relativer Luftfeuchtigkeit unter 40 %.[1] Aufgrund der kurzen Generationszeit von oft nur 7 bis 14 Tagen können sich pro Jahr zahlreiche, überlappende Generationen bilden. Sowohl Larven als auch Adulte ernähren sich extrem polyphag von über 1.100 Pflanzenarten, indem sie mit stilettartigen Cheliceren Mesophyllzellen anstechen und deren Inhalt aussaugen. Charakteristisch ist die Produktion feiner Seidengespinste, die den Kolonien Schutz vor Fressfeinden und Austrocknung bieten sowie ein günstiges Mikroklima schaffen.[1] Bei sinkenden Temperaturen und verkürzter Tageslänge treten befruchtete Weibchen in eine fakultative Diapause ein, wobei sie sich orange-rot verfärben und geschützte Überwinterungsorte wie Rindenritzen aufsuchen.[1][3] Eine physiologische Besonderheit ist die Fähigkeit zur De-novo-Synthese von Carotinoiden durch horizontalen Gentransfer von Pilzen, was den Diapause-Weibchen Lichtschutz bietet.[1] Zu den effektivsten natürlichen Feinden zählen Raubmilben wie *Phytoseiulus persimilis*, die alle Entwicklungsstadien der Spinnmilbe vertilgen und Populationen in kurzer Zeit stark dezimieren können.[3] Weitere Antagonisten sind räuberische Insekten wie der Marienkäfer *Stethorus punctillum*, Florfliegenlarven sowie verschiedene Thrips-Arten. Unter feuchten Bedingungen tragen auch entomopathogene Pilze wie *Beauveria bassiana* und *Hirsutella thompsonii* signifikant zur Mortalität bei.[1]

Vorkommen & Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von *Tetranychus urticae* liegt in Eurasien, wobei die Art erstmals 1836 anhand von Exemplaren aus Deutschland wissenschaftlich beschrieben wurde. Heute ist die Spezies kosmopolitisch verbreitet und auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis etabliert.[1] Die weltweite Expansion erfolgte maßgeblich durch den internationalen Handel mit infizierten Pflanzen, wodurch die Milbe im frühen 20. Jahrhundert Nordamerika und in den 1930er Jahren Australien erreichte.[3] Der Verbreitungsschwerpunkt liegt in den gemäßigten und subtropischen Klimazonen, da die Entwicklung bei Temperaturen unter 12 °C stagniert. Optimale Lebensbedingungen findet *Tetranychus urticae* in heißen, trockenen Umgebungen bei Temperaturen zwischen 29 und 32 °C sowie einer relativen Luftfeuchtigkeit unter 40 %. In Europa und der DACH-Region tritt der Schädling flächendeckend auf, wobei Massenvermehrungen besonders häufig in Gewächshäusern sowie in landwirtschaftlichen Intensivkulturen vorkommen. Als extrem polyphager Generalist besiedelt die Milbe über 1.100 Pflanzenarten aus mehr als 140 Familien, darunter ökonomisch bedeutende Kulturen wie Baumwolle, Soja, Tomaten, Erdbeeren und Bohnen.[2] Innerhalb der Habitate bevorzugen die Tiere die Blattunterseiten, wo sie zum Schutz vor Fressfeinden und zur Regulation des Mikroklimas dichte Seidengespinste anlegen.[3] Diese Kolonien finden sich oft an gestresster Vegetation in Monokulturen, wo hohe Temperaturen die Reproduktionsrate beschleunigen.[1] Zur Überbrückung ungünstiger Kälteperioden suchen befruchtete Weibchen geschützte Winterquartiere wie Rindenritzen, Laubstreu oder den Boden auf, um dort in eine Diapause einzutreten.[2] Die lokale Ausbreitung wird durch Windverfrachtung der an Seidenfäden hängenden Milben sowie durch Phoresie an fliegenden Insekten unterstützt, während der Mensch für den Ferntransport verantwortlich ist.[1]

Saisonalität & Aktivität

In gemäßigten Klimazonen ist *Tetranychus urticae* multivoltin und bildet jährlich mehrere, sich überlappende Generationen aus. Die Entwicklungsgeschwindigkeit der Populationen ist stark temperaturabhängig, wobei der Zyklus vom Ei zum Adulttier bei 25 °C etwa 7 bis 14 Tage dauert.[2] Optimale Bedingungen für eine rasante Vermehrung herrschen bei Temperaturen zwischen 29 und 32 °C in Kombination mit einer niedrigen relativen Luftfeuchtigkeit von unter 40 %.[1] Unterhalb einer Temperaturschwelle von etwa 12 °C stellt die Art ihre Entwicklung ein.[2] Im Herbst induzieren verkürzte Photoperioden und sinkende Temperaturen eine fakultative Diapause.[1] Die Überwinterung erfolgt ausschließlich durch befruchtete adulte Weibchen, die ihre Färbung von grünlich-gelb zu einem charakteristischen Orange-Rot wechseln.[3] Diese Winterformen suchen geschützte Mikrohabitate wie Rindenspalten, Pflanzenreste oder die Laubstreu auf, um Kälteperioden zu überdauern.[2] Während der Diapause zeigen die Weibchen eine erhöhte Widerstandsfähigkeit und können auf Blattoberflächen sogar eine bis zu zehntägige Überflutung mit Wasser überleben. Im Frühjahr verlassen die Milben ihre Winterquartiere, um neue Wirtspflanzen zu besiedeln und mit der Eiablage zu beginnen.[1] Die Ausbreitung der beweglichen Stadien erfolgt lokal über die produzierten Seidenfäden oder über größere Distanzen durch Windverfrachtung. Das öffentliche Suchinteresse spiegelt diese biologische Aktivität wider und zeigt Spitzenwerte im Juli während der Hauptvermehrungsphase sowie im Oktober, wenn die Tiere Überwinterungsquartiere aufsuchen.[2]

Voorkomen en huidige waarnemingen in Duitsland

  • Deutschland

    17.01.2026

  • Bochum stand, 116 motadi Bochum, Deutschland

    13.11.2025

  • Berlin, Berlin, Deutschland

    05.10.2025

  • Rendsburg, Schleswig-Holstein, Deutschland

    22.09.2025

  • Deutschland

    26.08.2025

Daten: iNaturalist

Bronnen & Referenties

  1. https://www.sciencedirect.com/topics/agricultural-and-biological-sciences/tetranychus-urticae
  2. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9864819/
  3. https://keys.lucidcentral.org/keys/v3/spider_mites_australia/key/spider_mites_of_australia/Media/Html/entities/Tetranychus_urticae_Koch_1836.htm
  4. https://scijournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/ps.8675
  5. https://www.mdpi.com/2077-0472/12/7/898
  6. Literaturzusammenfassung: Tetranychus urticae