Die Familie *Tabanidae* wird systematisch der Ordnung Diptera und der Überfamilie Tabanoidea zugeordnet. Der wissenschaftliche Name leitet sich vom lateinischen Begriff "tabanus" ab, der ein wildes, Vieh quälendes Insekt bezeichnet. Im deutschen Sprachraum ist die Trivialbezeichnung "Bremsen" etabliert.[2] International sind die englischen Begriffe "horse flies" und "deer flies" gebräuchlich, während historisch und literarisch oft der Begriff "gadfly" (bzw. griechisch *myops*) verwendet wurde.[3][2] Regionale Varianten umfassen im Vereinigten Königreich die Bezeichnung "clegs", die sich spezifisch auf Arten der Gattung *Haematopota* bezieht, sowie "tabanos" in spanischsprachigen Gebieten. Die Familie gliedert sich in die drei monophyletischen Unterfamilien Pangoniinae, Chrysopsinae und Tabaninae. Molekularbiologische Untersuchungen bestätigten diese Struktur und führten zur Eingliederung der ehemaligen Gruppe Scepsidinae in die Pangoniinae.[2] Neuere taxonomische Revisionen, wie jene von Morita et al. (2016), nutzen Multigen-Phylogenien und DNA-Barcoding zur Klärung der Verwandtschaftsverhältnisse.[2] Innerhalb dieser Klassifikation werden die Chrysopsinae (z. B. Gattung *Chrysops*) oft anhand ihrer gemusterten Flügel von den meist klarflügeligen Tabaninae (z. B. Gattung *Tabanus*) unterschieden.[3]
Adulte Bremsen sind robuste, mittelgroße bis große Fliegen mit einer Körperlänge von 6 bis 30 mm, die durch einen gedrungenen Körperbau und einen großen Kopf auffallen.[1][3] Die großen, halbkugeligen Facettenaugen schillern oft in grünen, violetten oder goldenen Tönen und weisen häufig charakteristische Bänder oder Flecken auf.[3][2] Ein deutlicher Sexualdimorphismus zeigt sich in der Augenanordnung: Männchen sind holoptisch mit zusammenstoßenden Augen, während Weibchen dichoptisch mit einer trennenden Stirnleiste sind.[4][1] Die kurzen, dreigliedrigen Antennen bestehen aus Scapus, Pedicellus und einem ringförmigen Flagellum, dessen Aufbau zwischen den Unterfamilien variiert.[1][5] Weibchen besitzen einen kräftigen Rüssel mit scherenartigen Mandibeln und Maxillen zum Aufschneiden der Haut, wohingegen Männchen keine funktionalen Mandibeln haben und nur Nektar aufnehmen.[2][1] Der Thorax trägt in Ruhestellung horizontal gehaltene Flügel, die eine charakteristische Aderung mit geschlossener Diskoidalzelle und weit auseinanderlaufenden R4- und R5-Adern aufweisen.[2][3] Während *Tabaninae* oft klare Flügel haben, zeigen *Chrysopsinae* (Hirschbremsen) dunkle Bänder und *Haematopota*-Arten komplizierte graue oder braune Marmorierungen.[2][1] Die kräftigen Beine sind zum Sitzen angepasst; je nach Unterfamilie sind an den Hinterschienen Endsporne vorhanden (Pangoniinae, Chrysopsinae) oder fehlend (Tabaninae).[5][4] Das zylindrische bis ovale Abdomen variiert farblich von schwarz bis grau und zeigt oft artspezifische Muster aus Streifen oder Flecken auf den Tergiten. Die Eier werden in mehrschichtigen Paketen von 100 bis 1.000 Stück abgelegt, die nach der Ablage von cremeweiß zu grau oder schwarz nachdunkeln.[3][1] Die beinlosen, zylindrischen bis spindelförmigen Larven messen 12 bis 60 mm und sind typischerweise cremeweiß, gelb oder grünlich gefärbt.[3][2] Sie besitzen Kriechwülste (Pseudopodien) an den Abdominalsegmenten und einen Atemsipho am Hinterende, wobei *Chrysops*-Larven drei Paare Pseudopodien pro Segment und *Tabanus*-Larven vier Paare aufweisen.[2][4] Die obtecten Puppen sind 10 bis 33 mm lang, braun bis schwarz, dorsal gewölbt und verfügen über thorakale Stigmen sowie einen hinteren Aster mit sechs spitzen Fortsätzen.[2]
Tabanidae spielen ökologisch eine Doppelrolle: Während Männchen und Weibchen als Bestäuber fungieren, gelten die blutsaugenden Weibchen als bedeutende Schädlinge für Vieh und Menschen.[1][3] Bei Nutztieren führen die schmerzhaften Stiche zu Unruhe, Blutverlust und verminderter Futteraufnahme, was bei Rindern Gewichtsverluste von 0,1 bis 1 kg pro Tag verursachen kann.[2] Der Stich erfolgt durch sägeartige Mundwerkzeuge (Telmophagie), wobei antikoagulierender Speichel injiziert wird, der schmerzhafte Schwellungen, Juckreiz und in seltenen Fällen systemische allergische Reaktionen bis hin zur Anaphylaxie auslöst.[2][1] Medizinisch relevant ist zudem die mechanische Übertragung von Krankheitserregern wie *Francisella tularensis* (Tularämie), *Bacillus anthracis* (Milzbrand) oder *Trypanosoma evansi* (Surra).[2][6] Arten der Gattung *Chrysops* fungieren darüber hinaus als biologische Vektoren für den Fadenwurm *Loa loa* (Loiasis). Zur Überwachung und Reduktion lokaler Populationen werden visuelle Fallen eingesetzt, darunter Manitoba-Fallen mit schwarzen Lockkugeln oder blaue Klebefallen, die auf die optische Orientierung der Fliegen abzielen.[2] Als präventive Maßnahme an Gebäuden dienen engmaschige Fliegengitter, während bei Pferden Decken mit Zebramustern die Landeraten der Insekten um bis zu 50 % senken können. Die chemische Bekämpfung ist aufgrund der weitläufigen Larvalhabitate schwierig, umfasst jedoch den Einsatz von Repellents wie synthetischen Pyrethroiden (z.B. Cypermethrin) oder Wachstumsregulatoren wie Diflubenzuron bei Nutztieren.[2][3] Biologische Ansätze nutzen natürliche Feinde wie die Grabwespe *Stictia carolina* oder pathogene Pilze, wobei diese Methoden bisher meist experimentell bleiben und keine breite Anwendung finden.[5][2] Ein integriertes Schädlingsmanagement (IPM) kombiniert physikalische Barrieren und Fallen mit Habitatmanagement, etwa der Trockenlegung von Brutstätten, wenngleich dies ökologische Nachteile birgt. Neuere technische Entwicklungen fokussieren zudem auf Vorrichtungen zur kontrollierten Freisetzung von Duftstoffen, um Schutzbarrieren für Weidetiere zu schaffen.[1]