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Lexicon-vermelding

bijtende muggen Ceratopogonidae

bijtende muggen
Matig risico Kan bijten Allergeen Ziektevector Fysiek gevaar

Taxonomie

Rijk Tiere (Animalia)
Stam Gliederfüßer (Arthropoda)
Klas Insekten (Insecta)
Orde Zweiflügler (Diptera)
Familie Ceratopogonidae
Soort Ceratopogonidae
Wetenschappelijke naam Ceratopogonidae
Geaccepteerde naam

Einleitung

Die **Gnitzen** (*Ceratopogonidae*) sind eine artenreiche Familie kleiner Mücken innerhalb der Ordnung der Zweiflügler (Diptera), die mit über 6.000 beschriebenen Spezies weltweit in nahezu allen terrestrischen und aquatischen Lebensräumen vorkommt. Während viele Arten als Bestäuber eine ökologische Rolle spielen, sind blutsaugende Vertreter wie die der Gattung *Culicoides* als Vektoren für Krankheitserreger, darunter das Blauzungenvirus, von großer veterinärmedizinischer Bedeutung. Die adulten Tiere sind typischerweise 1 bis 4 Millimeter lang und zeichnen sich durch eine reduzierte Flügeladerung sowie stechend-saugende Mundwerkzeuge bei den Weibchen aus.[1]

Name & Einordnung

Die wissenschaftliche Erstbeschreibung der Familie *Ceratopogonidae* erfolgte im Jahr 1834 durch den Entomologen Edward Newman. Bereits zuvor, im Jahr 1803, hatte Johann Wilhelm Meigen die Typusgattung *Ceratopogon* aufgestellt.[1] Im deutschsprachigen Raum ist die Familie unter dem Trivialnamen Gnitzen bekannt.[1][2] International, insbesondere im englischen Sprachraum, sind Bezeichnungen wie „biting midges“, „no-see-ums“, „punkies“ oder „sand flies“ verbreitet. Systematisch gehören die Gnitzen zur Unterordnung der Mücken (Nematocera) innerhalb der Zweiflügler (Diptera) und werden dort der Infraordnung Culicomorpha zugeordnet. Phylogenetische Analysen platzieren sie in eine basale Klade gemeinsam mit den Thaumaleidae und Simuliidae, welche als Schwestergruppe zu den Zuckmücken (*Chironomidae*) steht.[1] Maßgebliche taxonomische Revisionen fanden im 20. Jahrhundert statt, insbesondere durch Frederick W. Edwards, der 1922 und 1926 Klassifikationen basierend auf Flügel- und Körpermerkmalen erarbeitete.[1] Neuere molekularbiologische Studien, wie die phylogenomische Analyse von Bertone et al. aus dem Jahr 2018, haben die Monophylie der Familie bestätigt. Die interne Gliederung umfasst die drei rezenten Unterfamilien Ceratopogoninae, Forcipomyiinae und Leptoconopinae sowie ausgestorbene Gruppen wie die Protoculicoidinae.[1] Fossile Belege, unter anderem aus libanesischem Bernstein der frühen Kreidezeit (ca. 125 Millionen Jahre alt), stützen diese Einordnung und dokumentieren eine frühe Radiation der Gruppe.[1]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Adulte *Ceratopogonidae* sind kleine, schlanke Fliegen mit einer Körperlänge von 1 bis 4 mm, die oft eine dunkle Grundfärbung zur Tarnung aufweisen.[1][2] Der Kopf trägt große Komplexaugen und Antennen, die aus 13 bis 15 Segmenten bestehen.[1] Ein ausgeprägter Sexualdimorphismus zeigt sich an den Fühlern: Männchen besitzen buschige (plumose) Antennen zur Pheromonerkennung, während diese bei Weibchen behaart (pilose) und weniger auffällig sind.[1][2] Der Rüssel ist bei Weibchen verlängert und mit gezähnten Mandibeln zum Durchstechen der Haut ausgestattet, wohingegen Männchen kürzere, nicht stechende Mundwerkzeuge zur Nektaraufnahme haben.[1] Die häutigen Flügel weisen ein reduziertes Geäder mit typischerweise nur fünf Längsadern auf und werden in Ruhestellung dachartig über dem Abdomen gehalten.[1][2] Bei Gattungen wie *Culicoides* dienen spezifische Zeichnungsmuster auf den Flügeln oft der Arterkennung. Die Beine sind relativ lang und mit Dornen sowie einfachen, ungleichen Klauen versehen, die besonders an den Hinterbeinen das Festhalten am Wirt erleichtern. Das segmentierte Abdomen ist flexibel für die Eientwicklung und endet bei Weibchen in paarigen Cerci. Die Larven sind beinlos (apod) und wurmförmig (filiform), wobei sie eine Länge von 1 bis 5 mm erreichen. Sie verfügen über eine deutlich abgesetzte Kopfkapsel mit spezialisierten Mundwerkzeugen, die oft bürstenartige Strukturen zum Filtrieren aufweisen. Die Puppen sind exarat mit freien Gliedmaßen, messen 1 bis 4 mm und besitzen einen kommaförmigen, blassgelben bis dunkelbraunen Körper. Aquatische Puppen zeichnen sich durch paarige, röhrenförmige Atemhörner am Thorax aus, die zur Sauerstoffaufnahme aus dem Wasser ragen. Die sichelförmigen Eier sind 0,1 bis 0,5 mm lang und werden in Clustern oder Flößen auf feuchten Substraten abgelegt. Zur Abgrenzung von ähnlichen Mückenarten dienen diagnostische Merkmale wie die 13 Flagellomere der Antennen, das reduzierte Flügelgeäder und die ungleichen Tarsalklauen.[1]

Beschreibung

Die *Ceratopogonidae* sind eine artenreiche Familie kleiner Mücken innerhalb der Ordnung Diptera, die weltweit mit über 6.000 beschriebenen Spezies vertreten ist und nahezu alle terrestrischen sowie aquatischen Lebensräume außer der Antarktis besiedelt. Im natürlichen Habitat sind die adulten Tiere oft schwer zu entdecken, da sie meist nur eine Körperlänge von 1 bis 4 Millimetern erreichen und eine dunkle Färbung besitzen, die der Tarnung dient. Ein charakteristisches Erkennungsmerkmal im Feld ist die ruhende Haltung der Tiere, bei der die Flügel dachartig über das Abdomen gelegt werden. Anatomisch zeigen die Gnitzen deutliche Anpassungen an ihre jeweilige Lebensweise, insbesondere im Sexualdimorphismus der Antennen. Männchen besitzen buschige (plumose) Antennen, die hochsensibel auf die Sexualpheromone der Weibchen reagieren, während die Antennen der Weibchen schlichter behaart (pilose) sind. Die Mundwerkzeuge der Weibchen sind bei hämatophagen Gattungen wie *Culicoides* zu einem stechend-saugenden Rüssel mit gezahnten Mandibeln modifiziert, um die Haut von Wirbeltieren zu durchdringen. Männchen und nicht-blutsaugende Weibchen hingegen verfügen über reduzierte Mundwerkzeuge, die primär auf die Aufnahme von Nektar und Pflanzensäften ausgelegt sind. Die Larvenstadien unterscheiden sich drastisch von den Adulten: Sie sind wurmartig (filiform), beinlos (apod) und besitzen eine gut entwickelte Kopfkapsel. Sie besiedeln vorwiegend feuchte Mikrohabitate wie Schlamm, Uferzonen, Baumhöhlen oder verrottende Vegetation. Da den Larven Stigmen fehlen, erfolgt die Atmung über die dünne Körperoberfläche (kutane Respiration), was ihnen das Überleben in sauerstoffarmen Substraten ermöglicht. Die Fortbewegung der Larven erfolgt bei aquatischen Formen durch schlängelnde Schwimmbewegungen, während sich Larven der Unterfamilie Leptoconopinae grabend in feuchtem Sand fortbewegen. Ernährungsphysiologisch fungieren die Larven meist als Detritusfresser oder Filtrierer, die organische Partikel, Algen und Mikroorganismen aufnehmen. Das anschließende Puppenstadium ist exarat mit freien Gliedmaßen und meist kommaförmig gebogen. Aquatische Puppen weisen am Cephalothorax markante Atemhörner auf, die über die Wasseroberfläche ragen und so die Sauerstoffversorgung während der immobilen Phase sichern. Systematisch gehören die Gnitzen zur Infraordnung Culicomorpha und bilden eine basale Klade mit den Kriebelmücken (Simuliidae), unterscheiden sich jedoch von den verwandten Zuckmücken (*Chironomidae*) durch ihre stechenden Mundwerkzeuge und reduzierte Flügeladerung. Fossilfunde in Bernstein aus der frühen Kreidezeit belegen, dass die Familie bereits vor über 100 bis 125 Millionen Jahren eine rasche Diversifizierung durchlief. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung der Familie erfolgte 1834 durch Edward Newman, basierend auf der bereits 1803 von Johann Wilhelm Meigen aufgestellten Typusgattung *Ceratopogon*.[1]

Verhalten

Das Fortpflanzungsverhalten der *Ceratopogonidae* ist primär durch die Bildung männlicher Schwärme geprägt, die sich typischerweise in der Dämmerung an visuellen Marken wie Hügelkuppen oder Vegetation sammeln, um Weibchen abzufangen. Virginelle Weibchen geben flüchtige Sexualpheromone ab, die von den buschigen Antennen der Männchen wahrgenommen werden, während Männchen während der Balz durch Flügelschlagen weitere chemische Signale verteilen können. Die Kopulation findet meist im Flug statt und dauert nur Sekunden bis Minuten, wobei Weibchen nach der ersten Paarung oft eine Resistenz gegen weitere Versuche zeigen. Obwohl die Flügel für kurze, schnelle Flüge ausgelegt sind, können einige Arten durch windunterstützte passive Migration Distanzen von über 100 km zurücklegen. Während Männchen und nicht-blutsaugende Weibchen Nektar und Pflanzensäfte aufnehmen, nutzen Weibchen von Gattungen wie *Culicoides* ihre spezialisierten Mundwerkzeuge, um für die Eireifung Blut von Wirbeltieren zu saugen. Die Larven bewegen sich in aquatischen oder semi-aquatischen Habitaten durch Schwimmen oder Kriechen mit wellenförmigen Körperbewegungen fort, während Vertreter der Unterfamilie Leptoconopinae ein Grabverhalten in feuchtem Sand zeigen. Zur Eiablage suchen Weibchen aktiv nach spezifischen Mikrohabitaten basierend auf olfaktorischen Reizen und Feuchtigkeit, um ihre Eier in Clustern auf Substraten wie Schlamm oder verrottender Vegetation abzulegen. Um Austrocknung zu vermeiden, suchen Adulte tagsüber schattige, feuchte Ruheplätze in der Vegetation oder im Laubstreu auf. Adulte Tiere nutzen zudem ihre meist dunkle Färbung zur Tarnung in ihren Habitaten, um Fressfeinden zu entgehen. Nicht stechende Arten der Gattung *Forcipomyia* zeigen ein ökologisch bedeutsames Interaktionsverhalten als Bestäuber von Kakaoblüten (*Theobroma cacao*).[1]

Ökologie

Die Larven der *Ceratopogonidae* besiedeln primär feuchte, organisch reiche Habitate wie Süßwasserränder, Salzwiesen, Baumlöcher und feuchte Böden, wo sie sich in semi-aquatischem Schlamm oder den oberen Schichten gesättigter Substrate entwickeln. In diesen Mikrohabitaten fungieren viele Arten als Filtrierer oder Detritusfresser, die Mikroorganismen, Algen und organisches Material aus Wasserfilmen aufnehmen.[1] Adulte Gnitzen suchen beschattete, feuchte Ruheplätze in der Vegetation oder Laubstreu auf, um Austrocknung zu vermeiden, wobei sie Temperaturen zwischen 25 und 30 °C bevorzugen.[2] Während blutsaugende Weibchen oft als Schädlinge auftreten, spielen nicht-stechende Gattungen wie *Forcipomyia* eine bedeutende Rolle als Bestäuber, insbesondere für Kakaoblüten (*Theobroma cacao*) in tropischen Agroökosystemen.[1] Im Nahrungsnetz dienen die Larven als Beute für aquatische Fische wie den Koboldkärpfling (*Gambusia affinis*), während adulte Tiere von terrestrischen Räubern wie Spinnen und Vögeln gefressen werden.[2] Zu den natürlichen Feinden zählen parasitäre Pilze wie *Coelomycidium* in den Larvenstadien sowie Mermithiden-Nematoden, die sowohl Larven als auch Adulte befallen und deren Fitness reduzieren. Hämatophage Arten weisen zudem symbiotische Beziehungen mit darmbewohnenden Bakterien auf, die den Abbau von Nährstoffen bei der Blutverdauung unterstützen.[1] Ökologisch zeigen die Larven eine gewisse Toleranz gegenüber sauren Bedingungen (pH 3,6–5,0), reagieren jedoch empfindlich auf starke Alkalinität und Gewässerverschmutzung.[2]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Obwohl viele Arten als Bestäuber, etwa bei Kakao durch *Forcipomyia*, ökologisch nützlich sind, gelten hämatophage Gattungen wie *Culicoides* und *Leptoconops* als bedeutende Schädlinge und Lästlinge.[1] Die Stiche der Weibchen verursachen schmerzhafte, brennende Schwellungen, die tagelang anhalten und bei empfindlichen Individuen allergische Reaktionen wie das „Sommerekzem“ bei Pferden auslösen können.[2] Medizinisch relevant ist zudem die Übertragung von Filarien (*Onchocerca*) sowie des Oropouche-Virus auf den Menschen, das Fieber, Muskelschmerzen und Hautausschläge verursacht.[4] In der Landwirtschaft verursachen Gnitzen massive ökonomische Schäden als Vektoren von Tierseuchen wie der Blauzungenkrankheit (BTV) und der Afrikanischen Pferdepest (AHS).[1] Allein durch BTV entstehen weltweit Verluste von bis zu 3 Milliarden US-Dollar durch Tiersterblichkeit, Produktionsrückgänge bei Milch und Fleisch sowie Handelsbeschränkungen.[4] Ein Befall zeigt sich oft durch Unruhe bei Weidetieren oder sichtbare Schwärme in der Dämmerung, was in Europa seit den 2000er Jahren durch staatliche Monitoring-Netzwerke überwacht wird.[5] Präventive Maßnahmen im Rahmen des integrierten Schädlingsmanagements (IPM) konzentrieren sich auf die Reduktion von Brutstätten durch Entfernung von feuchtem organischem Material, Schlamm und Dung.[2] Zur chemischen Bekämpfung werden Insektizide wie Permethrin eingesetzt, um die Vektordichte und damit die Krankheitsinzidenz zu senken.[6] Als Repellents kommen neben klassischen Mitteln auch patentierte Wirkstoffkombinationen aus Geranylaceton und Sulcaton zum Einsatz, die spezifisch die Aktivität von *Culicoides*-Arten hemmen.[2] Biologische Ansätze nutzen *Bacillus thuringiensis* subsp. *israelensis* (Bti) zur Larvenbekämpfung, wobei die Effizienz im Feld aufgrund von Toleranzmechanismen variieren kann.[7] Angesichts des Klimawandels und der Ausbreitung von Vektoren wie *Culicoides imicola* nach Nordeuropa gewinnen adaptive Kontrollstrategien und Impfkampagnen zunehmend an Bedeutung.[1]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftliche Bedeutung der *Ceratopogonidae* resultiert primär aus ihrer Rolle als Vektoren für Krankheitserreger in der Nutztierhaltung, insbesondere durch die Gattung *Culicoides*. Die Übertragung des Blauzungenvirus (BTV) verursacht globale Verluste von bis zu 3 Milliarden US-Dollar durch Tiersterblichkeit, Rückgänge in der Milch- und Fleischproduktion sowie internationale Handelsbeschränkungen. In nicht immunisierten Schafherden können BTV-Ausbrüche Mortalitätsraten von bis zu 30 % erreichen. Die Afrikanische Pferdepest (AHS) führt in endemischen Regionen zu jährlichen wirtschaftlichen Schäden von etwa 95 Millionen US-Dollar durch direkte Verluste und notwendige Bekämpfungsmaßnahmen.[4] Auch lokale Ausbrüche verursachen signifikante Kosten; so führte die Epizootische Hämorrhagie der Hirsche (EHDV) in Israel im Jahr 2006 zu Schäden von rund 2,5 Millionen US-Dollar. Neben der Landwirtschaft ist der Tourismussektor betroffen, da massive Gnitzen-Schwärme in Küsten- und Feuchtgebieten, wie beispielsweise in Schottland, Besucher abschrecken und die Einnahmen mindern. Die Belästigung durch diese Insekten treibt den globalen Markt für Repellents an, dessen Wert für das Jahr 2025 auf über 10 Milliarden US-Dollar prognostiziert wird. In der Forstwirtschaft und Aquakultur können die Angriffe der adulten Tiere die Arbeitseffizienz im Freien herabsetzen. Erhebliche finanzielle Mittel fließen zudem in Überwachungsprogramme und Impfkampagnen, etwa innerhalb der Europäischen Union. Ein positiver wirtschaftlicher Aspekt besteht hingegen in der Bestäubungsleistung: Vertreter der Gattung *Forcipomyia* sind essenzielle Bestäuber für Kakaobäume (*Theobroma cacao*) in tropischen Agroökosystemen.[1]

Biologie & Lebenszyklus

Die Fortpflanzung der *Ceratopogonidae* erfolgt primär sexuell, wobei Männchen vieler Gattungen wie *Culicoides* und *Forcipomyia* in der Dämmerung Schwärme bilden, um Weibchen anzulocken. Die Partnerfindung wird durch Pheromone gesteuert, die von den buschigen Antennen der Männchen wahrgenommen werden, woraufhin eine kurze Kopulation im Flug erfolgt. Weibchen legen Eigelege von 50 bis über 200 Eiern auf feuchten Substraten wie Schlamm, verrottender Vegetation oder Algenmatten ab. Die meisten Arten sind anautogen und benötigen eine Blutmahlzeit für die Eireifung, welche die Fekundität im Vergleich zu reiner Zuckernahrung deutlich erhöht. Der holometabole Lebenszyklus umfasst die Stadien Ei, vier Larvenstadien, Puppe und Imago. Die sichelförmigen Eier schlüpfen je nach Feuchtigkeit nach 2 bis 7 Tagen, wobei das Chorion älterer Embryonen einen gewissen Schutz vor Austrocknung bietet. Die beinlosen, wurmartigen Larven entwickeln sich über 1 bis 4 Wochen in aquatischen oder semi-aquatischen Habitaten und atmen über die Haut (kutane Respiration). Sie ernähren sich als Detritivoren oder Filtrierer von organischem Zerfallsmaterial, Bakterien, Algen und kleinen Invertebraten wie Nematoden. Das Puppenstadium ist unbeweglich, nimmt keine Nahrung auf und dauert bei optimalen Temperaturen von 24–28 °C etwa 2 bis 3 Tage. Aquatische Puppen besitzen thorakale Atemhörner, die zur Sauerstoffaufnahme über die Wasseroberfläche ragen. Die gesamte Entwicklungsdauer ist stark temperaturabhängig und kann bei Arten wie *Culicoides variipennis* bei 25 °C in etwa 10 Tagen abgeschlossen sein. In tropischen Regionen sind Gnitzen oft multivoltin, während Populationen in gemäßigten Zonen meist als Larven überwintern und eine durch Photoperiode und Temperatur gesteuerte Diapause durchlaufen. Adulte beider Geschlechter nutzen Nektar als Energiequelle, doch nur die Weibchen der hämatophagen Gattungen besitzen stechend-saugende Mundwerkzeuge zur Blutaufnahme. Die Wirtsspezifität variiert, wobei *Leptoconops*-Arten oft Reptilien bevorzugen, während *Culicoides* Säugetiere und Vögel attackieren. Nicht blutsaugende Gattungen wie *Forcipomyia* spielen eine ökologische Rolle als Bestäuber, beispielsweise für Kakaoblüten (*Theobroma cacao*). Zu den natürlichen Feinden zählen im Larvalstadium Fische wie *Gambusia affinis* sowie Pilze der Gattung *Coelomycidium* und mermithide Nematoden.[1]

Vorkommen & Lebensraum

Die Familie der *Ceratopogonidae* ist kosmopolitisch verbreitet und besiedelt alle zoogeografischen Regionen mit Ausnahme der extremen Polarregionen der Antarktis und der hohen Arktis. Die höchste Artenvielfalt findet sich in den Tropen, wobei allein die Neotropis etwa 21 % der weltweit bekannten Arten beherbergt und Länder wie Brasilien über 500 Spezies aufweisen. In der holarktischen Region, zu der Europa gehört, dominieren Arten der Gattung *Culicoides*, wobei auch in nördlichen Ländern wie Schweden oder den Niederlanden eine bemerkenswerte Diversität verzeichnet wird. Klimatische Erwärmung begünstigt zunehmend die Ausbreitung bestimmter Vektoren wie *Culicoides imicola* in nördliche Breiten, was unter anderem durch das Auftreten des Blauzungenvirus in Nordeuropa dokumentiert ist. Biogeografisch lassen sich die Ursprünge der Familie bis in die frühe Kreidezeit zurückverfolgen, wobei fossile und rezente Vorkommen der Gattung *Austroconops* auf historische Gondwana-Verbindungen hindeuten. Die Verbreitung erfolgt nicht nur aktiv, sondern auch passiv durch windunterstützte Migration, die Distanzen von über 100 Kilometern überbrücken kann. Menschliche Aktivitäten wie Handel und Transport haben zudem die historische Ausbreitung bestimmter Arten, etwa aus dem *Culicoides obsoletus*-Komplex, begünstigt.[1] Die Larven entwickeln sich vorwiegend in feuchten, organisch reichen Substraten wie Schlamm an Gewässerrändern, in Salzwiesen oder feuchtem Boden.[2] Auch spezialisierte Mikrohabitate wie Baumhöhlen, verrottende Vegetation oder durch Dung angereicherter Schlamm dienen als Brutstätten. Viele Arten sind semi-aquatisch und besiedeln die oberen Schichten gesättigter Sedimente, wo sie Mikroorganismen und Detritus filtern. Im Gegensatz dazu sind Vertreter der Unterfamilie *Leptoconopinae* an aride Lebensräume angepasst und graben sich in feuchten Sand von Küsten- oder Wüstengebieten ein.[1] Adulte Gnitzen halten sich meist in der Nähe ihrer Brutplätze auf und suchen schattige, feuchte Ruheplätze in der Vegetation oder im Laubstreu, um Austrocknung zu vermeiden.[2] Die Verbreitungsgrenzen werden dabei maßgeblich durch die Verfügbarkeit von Feuchtigkeit in den Brutgebieten sowie durch Temperaturschwellen bestimmt.[1]

Saisonalität & Aktivität

Die reproduktive Aktivität der *Ceratopogonidae* erreicht ihren Höhepunkt unter warmen, feuchten Bedingungen, was in gemäßigten und tropischen Regionen zu saisonalen Abundanzspitzen führt. Während viele tropische Arten multivoltin sind und mehrere Generationen pro Jahr hervorbringen, wird die Generationenfolge in gemäßigten Zonen durch eine Überwinterungsphase begrenzt. Diese Überwinterung erfolgt meist im Larvenstadium als Diapause, die durch sinkende Temperaturen und verkürzte Tageslängen (Photoperiode) induziert wird. Die Entwicklung und allgemeine Aktivität erfordern in der Regel Temperaturen über 15 bis 17 °C; unterhalb dieser Schwellenwerte stagniert das Wachstum. Bei optimalen Temperaturen um 25 °C kann sich der gesamte Lebenszyklus bestimmter Arten wie *Culicoides variipennis* auf etwa zehn Tage verkürzen. Das Paarungsverhalten ist oft durch Schwarmbildung der Männchen gekennzeichnet, die bevorzugt in der Dämmerung oder im Morgengrauen stattfindet. Auch der Schlupf der Adulten aus dem Puppenstadium erfolgt häufig in der Abenddämmerung, was vermutlich dem Schutz vor Fressfeinden dient. Durch den Klimawandel wird eine Ausweitung der saisonalen Aktivitätsfenster beobachtet, wodurch Vektoren wie *Culicoides*-Arten in Nordeuropa länger im Jahr aktiv bleiben.[1] Ergänzend dazu spiegelt das öffentliche Suchinteresse in Deutschland diese biologischen Muster wider, mit deutlichen Spitzen im April und Juli.[3]

Voorkomen en huidige waarnemingen in Duitsland

  • Deutschland

    31.12.2025

  • Deutschland

    26.12.2025

  • Berlin-Bezirk Pankow, Deutschland

    30.11.2025

  • Fürstenfeldbruck, Bayern, Germany

    28.11.2025

  • 德国明斯特邮政编码: 48

    26.11.2025

Daten: iNaturalist

Wetenschappelijk onderzoek en patenten

NZ-570920-A Chemical Onbekend

Schädlingsabwehrmittel umfassend Geranylaceton und Sulcaton

University of Aberdeen, Rothamsted Research Ltd. (2007)

Relevantie: 10/10

Samenvatting

Dieses Patent beschreibt eine Zusammensetzung zur Abwehr von blutsaugenden Arthropoden, basierend auf den Wirkstoffen Geranylaceton und 6-Methyl-5-hepten-2-on (Sulcaton). Es zielt spezifisch auf Insekten der Familie Ceratopogonidae (Gnitzen), wie Culicoides impunctatus und Culicoides molestus, sowie auf Stechmücken ab. Die Kernidee ist die Nutzung dieser spezifischen flüchtigen Verbindungen zur Hemmung der Aktivität der Schädlinge gegenüber dem Wirt. Die Formulierung bietet eine effektive chemische Schutzmethode, um Stiche und Belästigungen durch diese Insekten zu verhindern. Es ist direkt praktisch anwendbar als Repellent.

Bronnen & Referenties

  1. https://www.sciencedirect.com/topics/agricultural-and-biological-sciences/ceratopogonidae
  2. https://patents.google.com/patent/NZ570920A/en
  3. Interne Zeitreihen-Analyse: Suchinteresse (aggregiert)
  4. https://www.frontiersin.org/journals/veterinary-science/articles/10.3389/fvets.2020.00186/full
  5. https://resjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/mve.12756
  6. https://academic.oup.com/jme/article/42/3/409/849700
  7. https://parasitesandvectors.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13071-020-04053-x