Der wissenschaftliche Name der Unterart lautet *Mus musculus domesticus*, wobei die vollständige Autorenschaft Anton Schwarz und Else Schwarz (1943) zugeschrieben wird. Diese taxonomische Festlegung erfolgte im Rahmen einer umfassenden morphologischen Revision der Hausmaus-Taxa, um die westeuropäische Form formal abzugrenzen. Systematisch wird die Westliche Hausmaus der Gattung *Mus* innerhalb der Familie der Langschwanzmäuse (Muridae) zugeordnet.[2] Phylogenetisch bildet sie einen zentralen Teil des *Mus musculus*-Artenkomplexes, wobei ihre nächsten Verwandten die Östliche Hausmaus (*M. m. musculus*) und die Südostasiatische Hausmaus (*M. m. castaneus*) sind. Genetische Studien deuten darauf hin, dass sich diese drei Hauptunterarten vor etwa 0,35 bis 0,5 Millionen Jahren von einem gemeinsamen Vorfahren trennten, was auf eine Radiation innerhalb der Gattung *Mus* noch vor dem Kommensalismus mit dem Menschen hinweist.[2][3] Die ursprüngliche Artbeschreibung von *Mus musculus* geht auf Carl von Linné zurück, der die Art 1758 in seiner *Systema Naturae* basierend auf europäischen Exemplaren klassifizierte.[2][1] Im englischen Sprachraum ist die Unterart als „Western house mouse“ oder „Western European house mouse“ bekannt, was ihre primäre Verbreitung in Westeuropa widerspiegelt. Genetische Analysen von mitochondrialer DNA zeigen zudem diverse Haplogruppen, die auf eine Expansion aus Refugien im Nahen Osten hindeuten.[2]
Die westliche Hausmaus (*Mus musculus domesticus*) ist ein kleiner Nager mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 65 bis 95 mm und einem Gewicht zwischen 12 und 30 g.[1] Ein charakteristisches Merkmal ist der lange, schuppige Schwanz, der 60 bis 105 mm misst und damit etwa 95 % der Körperlänge erreicht oder diese sogar übertrifft.[1][2] Das weiche Fell zeigt dorsale Färbungen in Graubraun bis hin zu Schwarz, was oft dunkler ist als bei verwandten Unterarten.[2] Die Bauchseite setzt sich davon durch eine hellere, oft weiße oder blassgraue Färbung ab. Der Kopf trägt große, abgerundete Ohren mit einer Länge von 11 bis 18 mm sowie prominente Augen, die an das Sehen bei schwachem Licht angepasst sind. Der Schädel ist länglich geformt mit prominenten Jochbögen, die eine robuste Kiefermuskulatur für das Nagen verankern. An der Schnauze entspringen auffällige Vibrissen, die dicht innerviert sind und der taktilen Orientierung dienen. Die Gliedmaßen sind für das Laufen und Klettern optimiert, wobei Vorder- und Hinterfüße laut Quellenangaben jeweils fünf Zehen aufweisen. Der Sexualdimorphismus ist gering ausgeprägt, wobei Männchen tendenziell etwas größer und bis zu 10 % schwerer als Weibchen sind. Adulte Männchen besitzen sichtbare Hodensäcke, während Weibchen über fünf Paar Milchdrüsen verfügen, die sich auf den Brust- und Leistenbereich verteilen.[1] Neugeborene sind Nesthocker mit einem Gewicht von 1 bis 2 g, haarloser rosa Haut und geschlossenen Augen. Ein sichtbarer Milchfleck zeichnet sich auf dem Abdomen ab, bevor zwischen dem ersten und dritten Tag der erste Flaum erscheint.[4] Die Ohren lösen sich nach 4 bis 6 Tagen vom Kopf, und die Augen öffnen sich typischerweise zwischen dem 10. und 14. Lebenstag.[4] Morphologisch unterscheidet sich *M. m. domesticus* innerhalb des Artenkomplexes oft durch den im Verhältnis zum Körper längeren Schwanz und die tendenziell dunklere Fellfärbung.[2]
Mus musculus domesticus, die Westliche Hausmaus, ist ein kleiner Vertreter der Familie Muridae, der sich durch eine enge Bindung an menschliche Siedlungen auszeichnet und ursprünglich aus dem Nahen Osten stammt.[2][1] Diese Unterart gilt als weltweit verbreiteter Kulturfolger, der in von Menschen veränderten Umgebungen wie Bauernhöfen und städtischen Gebieten gedeiht, aber auch natürliche Habitate nutzt.[2] Morphologisch ist die Art durch einen schlanken Körperbau mit einer Länge von 65–95 mm und einem etwa gleich langen, spärlich behaarten Schwanz (60–105 mm) charakterisiert.[3][1] Das Fell ist dorsal typischerweise graubraun gefärbt, was in natürlichen Habitaten als Tarnung dient, während die Bauchseite heller bis weißlich erscheint.[5] Eine funktionale anatomische Anpassung ist der lange, schuppige Schwanz, der zu 95 % der Kopf-Rumpf-Länge misst und sowohl der Balance beim Klettern als auch der Thermoregulation durch Vasodilatation dient.[3][2] Für die Orientierung in dunklen Lebensräumen nutzt *M. m. domesticus* hochentwickelte Vibrissen (Schnurrhaare) sowie Ultraschallvokalisationen im Bereich von 20–100 kHz zur innerartlichen Kommunikation.[2][3] Ein besonderes Merkmal dieser Unterart ist der hohe chromosomale Polymorphismus durch Robertsonsche Fusionen, der zu variablen diploiden Chromosomenzahlen führt.[2] Zudem zeigt die Art eine bemerkenswerte evolutionäre Flexibilität, etwa durch die schnelle Entwicklung von Resistenzen gegen Antikoagulanzien via Mutationen im *Vkorc1*-Gen.[3] Die Entwicklung der Jungtiere verläuft extrem rasant: Neugeborene wiegen 1–2 Gramm, sind haarlos, haben geschlossene Augen und sind vollständig von der Muttermilch abhängig.[2][4] Bereits an den Tagen 1–3 bildet sich ein feiner Flaum, während sich die Augen zwischen dem 10. und 14. Tag öffnen, zeitgleich mit dem Zahndurchbruch und der Aufnahme erster fester Nahrung.[6] Die Entwöhnung erfolgt nach etwa 21 Tagen, und die Geschlechtsreife tritt bereits nach 6 bis 8 Wochen ein, was eine hohe Populationsdichte ermöglicht.[7] Der Sexualdimorphismus ist gering ausgeprägt, wobei Männchen durch sexuelle Selektion bis zu 10 % schwerer werden können und prominente Skrotalsäcke aufweisen. Weibchen hingegen besitzen fünf Paare von Milchdrüsen, die entlang des Abdomens verteilt sind.[2] Historisch wurde die Unterart 1943 von Anton und Else Schwarz formal definiert, wobei sie sich phylogenetisch vor etwa 0,35 bis 0,5 Millionen Jahren von verwandten Linien trennte.[2][3] In Hybridzonen, wie in Mitteleuropa, grenzt sich *M. m. domesticus* genetisch von der Östlichen Hausmaus (*M. m. musculus*) ab, wobei Hybride oft eine reduzierte Fertilität aufweisen.[8]
Mus musculus domesticus ist primär nachtaktiv, wobei die Aktivitätsspitzen meist ein bis zwei Stunden nach Sonnenuntergang auftreten, um diurnalen Prädatoren auszuweichen. In der Nähe des Menschen zeigt die Unterart jedoch eine hohe Verhaltensplastizität und weicht gelegentlich auf dämmerungs- oder tagaktive Phasen aus, um menschlicher Präsenz zu entgehen.[7] Die Fortbewegung erfolgt laufend und springend (cursorial), wobei der lange Schwanz als Balancierhilfe bei kletternden oder schnellen Bewegungen dient.[1] Zur Orientierung in dunklen Lebensräumen nutzen die Tiere vorrangig ihren ausgeprägten Geruchssinn sowie die Tasthaare (Vibrissen), da ihre Sehschärfe vergleichsweise gering ist.[1][2] Die Kommunikation erfolgt unter anderem über komplexe Ultraschall-Vokalisierungen im Frequenzbereich von 20 bis 100 kHz, die besonders bei der Balz als „Gesänge“ zur Partnerwerbung eingesetzt werden. Chemische Signale spielen eine zentrale Rolle, wobei Urinmarkierungen und Pheromone genutzt werden, um Territorien abzugrenzen und Dominanz zu signalisieren. Das Sozialsystem ist polygyn organisiert, wobei dominante Männchen aggressive Verhaltensweisen wie Verfolgungsjagden zeigen, um exklusive Paarungsreviere gegen Rivalen zu verteidigen.[2] Bei der Nahrungssuche entfernen sich die Tiere selten weiter als 15 Meter vom Nest und betreiben Vorratshaltung (Larder Hoarding), indem sie Nahrung in ihren Bauen lagern statt sie zu verstreuen.[1] Sie konstruieren komplexe Tunnelsysteme mit Kammern für Ruhephasen und Vorräte, die zur Wärmeregulierung mit weichen Materialien wie Pflanzenfasern oder Papier ausgekleidet werden.[3]
Als kommensale Art besiedelt *Mus musculus domesticus* vorwiegend menschliche Lebensräume wie Gebäude, landwirtschaftliche Betriebe und städtische Gebiete, nutzt in gemäßigten Zonen jedoch auch Kulturflächen und Waldränder als Habitat.[1][2] Die Unterart bevorzugt Umgebungstemperaturen zwischen 15 und 25 °C und ist auf geschützte Nistplätze in Hohlräumen oder unterirdischen Bauen angewiesen, um extreme Kälte zu überleben und das Mikroklima zu regulieren.[3][7] Das Nahrungsspektrum ist omnivor und umfasst primär Samen, Getreide und menschliche Nahrungsreste, wird jedoch opportunistisch durch Insekten wie Käferlarven und Raupen ergänzt.[2][1] Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend nachts, um tagaktiven Fressfeinden auszuweichen, wobei die Tiere eine Strategie des „Larder Hoarding“ verfolgen und Vorräte direkt in ihren Nestern anlegen. In günstigen Habitaten, insbesondere in landwirtschaftlichen Umgebungen, können die Populationen extrem hohe Dichten von bis zu 1.000 Individuen pro Hektar erreichen.[3] Ökologisch tritt *M. m. domesticus* außerhalb des ursprünglichen Verbreitungsgebiets als invasive Spezies auf, die in Inselökosystemen wie auf Gough Island sogar Seevögel prädiert. In Agrarökosystemen fungiert die Maus als bedeutender Schädling, der bis zu 20 % gelagerter Getreidevorräte konsumieren oder durch Kontamination unbrauchbar machen kann. Zudem spielt sie eine Rolle als Vektor für Krankheitserreger wie *Salmonella* und das Seoul-Virus, was ihre ökologische Interaktion mit anderen Spezies beeinflusst.[2] In Hybridzonen, beispielsweise in Mitteleuropa, steht die Unterart in Konkurrenz zur östlichen Hausmaus (*M. m. musculus*), wobei Kreuzungen häufig zu reduzierter Fertilität führen.[2]
Mus musculus domesticus gilt als bedeutender Hygieneschädling, der durch Fraß und Kontamination massive ökonomische Schäden verursacht.[3][2] In der Landwirtschaft können die Tiere bis zu 20 % der Getreidevorräte vernichten oder durch Exkremente unbrauchbar machen.[3] Globale Schätzungen beziffern die Schäden durch invasive Nagetiere zwischen 1930 und 2022 auf über 3,6 Milliarden US-Dollar. Medizinisch ist die Unterart als Vektor für Zoonosen relevant, darunter Salmonellose, die über fäkal verunreinigte Nahrungsmittel übertragen wird. Zudem können sie das Seoul-Virus (Hantavirus) über Urin, Kot oder Aerosole verbreiten, gelten in Nordamerika jedoch nicht als Hauptüberträger des Hantavirus-Lungensyndroms.[2] Typische Befallsanzeichen umfassen Nagespuren an Materialien sowie Urinmarkierungen, die der territorialen Kommunikation dienen.[1] Die chemische Bekämpfung erfolgt oft mit Antikoagulanzien der zweiten Generation wie Bromadiolon. Allerdings erschweren weitverbreitete Resistenzen, verursacht durch Mutationen im Vkorc1-Gen, die Kontrolle erheblich. In Europa und Nordamerika zeigen bis zu 74 % der Populationen eine Unempfindlichkeit gegenüber bestimmten Wirkstoffen. Die Integrierte Schädlingsbekämpfung (IPM) priorisiert daher bauliche Maßnahmen (Exclusion) und strikte Hygiene zum Nahrungsentzug. Durch das Abdichten von Zugangswegen und den Einsatz von Fallen kann der Befall in städtischen Gebieten um 80–90 % reduziert werden.[3] Regulatorische Maßnahmen, wie Einschränkungen durch die US-EPA seit 2011, limitieren zudem den privaten Einsatz von Rodentiziden zum Schutz von Nicht-Zielorganismen.[2]
Die wirtschaftliche Bedeutung von *Mus musculus domesticus* ist ambivalent und umfasst massive Schäden als Schädling sowie einen hohen Nutzen in der Forschung. Als invasives Nagetier trägt die Unterart zu globalen Kosten bei, die zwischen 1930 und 2022 auf über 3,6 Milliarden US-Dollar beziffert wurden, wobei die tatsächlichen Schäden durch Untererfassung vermutlich deutlich höher liegen.[3] In der Landwirtschaft und Lagerhaltung können die Tiere bei starkem Befall bis zu 20 % der Getreidevorräte verzehren oder durch Kot und Urin kontaminieren. Diese Nachernteverluste verschärfen insbesondere in Entwicklungsregionen die Ernährungsunsicherheit.[2] Im Bauwesen und der Logistik entstehen zusätzliche Kosten durch das Annagen von Strukturen, Isolierungen und verpackten Waren, was oft zu teuren Reparaturen führt.[1] Die Bekämpfung der Populationen wird zunehmend kostenintensiv, da sich Resistenzen gegen Antikoagulanzien wie Bromadiolon ausbreiten; in Europa und Nordamerika sind bis zu 74 % der untersuchten Bestände resistent.[2][3] Integrierte Schädlingsbekämpfungsprogramme (IPM) sind daher notwendig, um Befallsraten effektiv um 80–90 % zu senken. Demgegenüber steht der enorme wirtschaftliche Wert der Tiere als primärer Modellorganismus in der biomedizinischen Industrie. Große Repositorien halten über 14.000 spezifische Mausstämme bereit, die als essenzielle Ressource für die Entwicklung von Medikamenten und genetischen Therapien dienen.[2] Auch der Handel mit domestizierten Farbmäusen als Heimtiere stellt einen, wenn auch kleineren, ökonomischen Sektor dar, der auf Zuchtlinien des frühen 20. Jahrhunderts zurückgeht.[2]