Die Familie der Spitzmäuse (*Soricidae*) wird taxonomisch der Ordnung der Insektenfresser (*Eulipotyphla*) zugeordnet, zu der auch Igel und Maulwürfe zählen. Historisch wurden sie in der inzwischen als veraltet geltenden Ordnung *Insectivora* geführt.[1] Innerhalb der Familie werden drei rezente Unterfamilien unterschieden: die Rotzahnspitzmäuse (*Soricinae*), die Weißzahnspitzmäuse (*Crocidurinae*) und die afrikanischen *Myosoricinae*. Die Bezeichnung der Rotzahnspitzmäuse leitet sich von einer rötlichen Färbung der Zähne ab, die auf eisenhaltige Ablagerungen im Zahnschmelz zur Härtung zurückzuführen ist.[1][2] Trotz ihrer mausähnlichen Erscheinung sind Spitzmäuse keine Nagetiere, sondern bilden eine eigenständige Gruppe innerhalb der Kleinsäuger.[1] Eine klare Abgrenzung erfolgt zudem zu den Rüsselspringern (*Macroscelidea*) und Spitzhörnchen (*Scandentia*), die trotz ähnlicher englischer Trivialnamen („elephant shrews“ bzw. „treeshrews“) phylogenetisch nicht zu den *Soricidae* gehören. Stammesgeschichtlich gilt die Familie als Schwestergruppe der Maulwürfe (*Talpidae*), von denen sie sich im Eozän trennte.[2] Die ältesten fossilen Nachweise, wie die Gattung *Domnina*, stammen aus Nordamerika und Eurasien und werden auf ein Alter von etwa 45 bis 47 Millionen Jahren datiert.[1][3] Aktuelle taxonomische Erhebungen listen weltweit zwischen 26 und 27 Gattungen mit etwa 376 bis 400 Arten, wobei Neubeschreibungen wie die Gattung *Nagasorex* im Jahr 2025 die Diversität weiterhin erweitern.[1][4] Im englischen Sprachraum ist der Begriff „shrew“ kulturell verankert und wurde historisch metaphorisch für zänkische Personen verwendet, wie etwa in Shakespeares Werk „The Taming of the Shrew“.[2]
Spitzmäuse (*Soricidae*) zeichnen sich durch einen lang gestreckten, mausähnlichen Körperbau und eine charakteristische bewegliche, rüsselartige Nase aus, die mit sensiblen Vibrissen besetzt ist. Die Körpergröße variiert stark, wobei die Etruskerspitzmaus (*Suncus etruscus*) mit etwa 3,5 bis 4,5 cm Länge und einem Gewicht von unter 3 Gramm das kleinste nicht fliegende Säugetier darstellt, während heimische Arten meist 6 bis 9 cm erreichen.[1][2] Das dichte, weiche Fell ist oberseits meist grau, braun oder schwarz gefärbt und auf der Unterseite heller bis silbrig abgesetzt.[2] Am Kopf befinden sich kleine, oft im Fell verborgene Augen sowie kurze, fast unsichtbare und abgerundete Ohren. Im Gegensatz zu Nagetieren besitzen Spitzmäuse ein raubtierartiges Gebiss mit scharfen, spitzen Zähnen, die zum Durchdringen von Insektenpanzern geeignet sind. Anhand der Zahnfärbung lassen sich zwei Unterfamilien unterscheiden: Die Rotzahnspitzmäuse (*Soricinae*) weisen durch Eisenablagerungen im Zahnschmelz rötliche Zahnspitzen auf und besitzen keine Wimpern. Die Weißzahnspitzmäuse (*Crocidurinae*) hingegen haben unpigmentierte, weiße Zähne.[1][2] Der Schädel ist langgestreckt, leichtgebaut und zeichnet sich durch das Fehlen eines Jochbogens aus.[2] Eine genaue Artbestimmung am lebenden Tier ist oft schwierig; so sind beispielsweise die Waldspitzmaus (*Sorex araneus*) und die Schabrakenspitzmaus (*Sorex coronatus*) äußerlich nicht zu unterscheiden und erfordern genetische Analysen oder Schädelvermessungen.[1] Neugeborene kommen als Nesthocker nackt, blind und mit rosafarbener, faltiger Haut zur Welt und wiegen oft nur 0,2 bis 0,4 Gramm.[2] Ein Befall lässt sich indirekt durch Kotspuren identifizieren, die im frischen Zustand feucht umrandet sind und deutlich sichtbare Chitinreste von Insekten enthalten.[1]
Ökologisch gelten Spitzmäuse (*Soricidae*) primär als Nützlinge, da sie große Mengen an Insekten, Larven und Schnecken vertilgen, können jedoch in Gebäuden als Lästlinge oder Hygieneschädlinge auftreten.[7][2] In Deutschland sind alle heimischen Arten laut Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt, weshalb sie eigenmächtig weder gefangen noch getötet werden dürfen. Jegliche Bekämpfungsmaßnahmen oder der Einsatz von Lebend- und Totfallen bedürfen zwingend einer schriftlichen Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde. Bei einem Verdacht auf Spitzmäuse im Gebäude müssen bestehende Nagerbekämpfungsmaßnahmen, wie Schlagfallen oder Rodentizide, sofort eingestellt werden, um tödliche Fehlfänge zu verhindern.[7] Aufgrund ihres extrem hohen Stoffwechsels verhungern die Tiere in Lebendfallen oft innerhalb weniger Stunden, weshalb elektronische Meldesysteme sowie eine ständige Wasser- und Nahrungsversorgung in der Falle essenziell sind.[7][3] Ein Befall lässt sich primär durch Kotspuren identifizieren, die im frischen Zustand feucht umrandet sind und deutlich sichtbare Chitinreste von Insekten enthalten. Zudem sondern die Tiere, insbesondere Männchen, über spezielle Flankendrüsen ein stark riechendes Sekret ab, das einen charakteristischen moschusartigen Geruch verbreitet.[7] Gesundheitliche Risiken können durch die Übertragung von Krankheitserregern bestehen; so gilt beispielsweise die Moschusspitzmaus (*Suncus murinus*) als Reservoir für *Leptospira*-Bakterien, die Leptospirose übertragen können.[1] Zur baulichen Prävention sollten potenzielle Zugangswege an Gebäuden mit geeigneten Materialien wie Bürstenleisten, Lochblechen oder Bienenbeissern verschlossen werden.[7] Obwohl Fraßschäden an Vorräten selten sind, können im landwirtschaftlichen Bereich gelegentlich Samen, Wurzeln oder Kartoffeln angefressen werden.[1]