Wenn wir das Wort „Biene“ hören, denken die meisten von uns sofort an einen summenden Insektenschwarm, der in einem hölzernen Kasten lebt, von einem Imker gepflegt wird und uns süßen Honig liefert. Doch dieses Bild wird der Realität kaum gerecht. Die Westliche Honigbiene ist tatsächlich nur eine einzige Art in einem gigantischen, weltweiten Netzwerk von Bestäubern. Allein in Deutschland summen, graben und fliegen hunderte verschiedene Bienenarten, von denen die meisten ein verborgenes Leben als Einzelgänger führen. Diese sogenannten Wildbienen sind für unser Ökosystem und unsere Ernährungssicherheit von unschätzbarem Wert. Doch ihre Lebensräume schwinden, und viele Arten sind akut vom Aussterben bedroht. Um diese faszinierenden Insekten schützen zu können, müssen wir zunächst ihre enorme Vielfalt, ihre hochspezialisierten Lebensweisen und ihre spezifischen Bedürfnisse verstehen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Enorme Vielfalt: Weltweit gibt es über 20.000 Bienenarten, in Deutschland sind rund 560 bis 590 Arten heimisch.
- Honigbiene vs. Wildbiene: Während die Honigbiene in großen Staaten lebt und vom Menschen als Nutztier gehalten wird, leben die meisten Wildbienenarten solitär (als Einzelgänger).
- Spezialisierung: Etwa 30 Prozent der heimischen Wildbienen sind auf den Pollen ganz bestimmter Pflanzenfamilien angewiesen (oligolektisch).
- Bedrohung: Über 40 Prozent der Bienenarten in Deutschland stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, hauptsächlich durch Lebensraumverlust und Pestizide.
- Aktiver Schutz: Jeder kann durch das Pflanzen heimischer Wildblumen, das Belassen von Totholz und offenen Bodenstellen sowie den Verzicht auf Umweltgifte zum Bienenschutz beitragen.
Die Systematik: Was genau ist eigentlich eine Biene?
Biologisch gesehen gehören Bienen (Apiformes) zur Ordnung der Hautflügler (Hymenoptera), zu der auch Wespen und Ameisen zählen. Entwicklungsgeschichtlich haben sich Bienen aus Grabwespen entwickelt. Der entscheidende Unterschied: Während Wespen ihre Brut mit tierischem Eiweiß (meist anderen Insekten) füttern, sind Bienen im Laufe der Evolution zu reinen Vegetariern geworden[1]. Sie versorgen ihren Nachwuchs ausschließlich mit Blütenpollen als Eiweißquelle und Nektar als Kohlenhydratlieferant.
Um diesen Pollen effizient sammeln zu können, haben Bienen im Gegensatz zu Wespen eine oft dichte Körperbehaarung entwickelt. An speziellen Sammelapparaten – wie den Pollenhöschen an den Hinterbeinen oder der Bauchbürste an der Unterseite des Hinterleibs – transportieren sie die wertvolle Fracht zu ihren Nestern[2]. Weltweit schätzt die Wissenschaft die Zahl der Bienenarten auf über 20.000. In Deutschland geht man, je nach taxonomischer Einordnung und aktuellen Funden, von etwa 560 bis 590 heimischen Arten aus[3].
Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera): Unser kleinstes Nutztier
Wenn in den Medien vom "Bienensterben" die Rede ist, ist oft primär die Westliche Honigbiene gemeint. Sie ist die einzige Biene in Europa, die als Nutztier vom Menschen gezielt gezüchtet, gehalten und gepflegt wird[4]. Ihre Lebensweise unterscheidet sich fundamental von der fast aller anderen Bienenarten.
Der Superorganismus Bienenvolk
Ein Honigbienenvolk ist ein hochkomplexer Staat, der im Sommer aus bis zu 50.000 Individuen bestehen kann. Dieser Staat funktioniert wie ein einziger Organismus, in dem jedes Tier eine spezifische Aufgabe erfüllt[5]:
- Die Königin: Sie ist das einzige geschlechtsreife Weibchen im Stock. Nach ihrem Hochzeitsflug, bei dem sie sich mit mehreren Drohnen paart, speichert sie die Spermien für den Rest ihres Lebens (bis zu 5 Jahre). In der Hochsaison legt sie bis zu 2.000 Eier am Tag – das entspricht mehr als ihrem eigenen Körpergewicht[5].
- Die Arbeiterinnen: Diese unfruchtbaren Weibchen machen den Großteil des Volkes aus. Ihre Aufgaben ändern sich mit ihrem Alter: Sie beginnen als Putzbienen, werden dann Ammenbienen (Brutpflege), Baubienen (Wabenbau), Wächterinnen und verbringen die letzten Wochen ihres kurzen, etwa 35-tägigen Lebens im Sommer als Sammelbienen für Nektar und Pollen[2].
- Die Drohnen: Die männlichen Bienen haben keinen Stachel und beteiligen sich nicht an der Arbeit im Stock. Ihre einzige Aufgabe ist die Begattung junger Königinnen auf speziellen Drohnensammelplätzen. Im Spätsommer werden sie bei der sogenannten "Drohnenschlacht" aus dem Stock vertrieben[5].
Der ökonomische Wert der Honigbiene ist gigantisch. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) schätzt, dass der Nutzen durch die Bestäubung landwirtschaftlicher Kulturen den direkten Wert der Honigproduktion um das 15- bis 20-Fache übersteigt[4]. Ohne sie gäbe es drastische Ernteeinbußen bei Äpfeln, Kirschen, Raps und vielen Gemüsesorten.
Wildbienen: Die heimlichen Helden der Bestäubung
Während die Honigbiene im Fokus der Öffentlichkeit steht, leisten die über 500 Wildbienenarten in Deutschland einen mindestens ebenso wichtigen, oft aber übersehenen Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. Der Begriff "Wildbiene" ist keine systematische Kategorie, sondern ein Sammelbegriff für alle Bienenarten, die nicht die domestizierte Honigbiene sind[1].
Wichtiger Hinweis zur Friedfertigkeit
Viele Menschen haben Angst vor Bienenstichen. Bei Wildbienen ist diese Sorge jedoch unbegründet. Die meisten Wildbienenarten haben einen Stachel, der so fein ist, dass er die menschliche Haut nicht durchdringen kann. Zudem verteidigen solitäre Bienen ihre Nester nicht aggressiv. Sie stechen nur im absoluten Ausnahmefall, etwa wenn sie gequetscht werden[6].
Solitäre Lebensweise: Alleinerziehende Mütter
Etwa 95 Prozent der heimischen Wildbienenarten leben nicht in Staaten, sondern solitär. Jedes Weibchen ist fruchtbar und baut nach der Paarung ihr eigenes Nest. Sie legt Brutzellen an, verproviantiert diese mit einem Gemisch aus Pollen und Nektar (dem sogenannten Bienenbrot), legt ein Ei darauf und verschließt die Zelle[1]. Die Mutterbiene stirbt meist nach wenigen Wochen, ohne ihren Nachwuchs je zu Gesicht zu bekommen. Die Larve ernährt sich vom Proviant, verpuppt sich und überwintert, um im nächsten Frühjahr als fertige Biene zu schlüpfen.
Nistplatzspezialisten: Von Sandgruben bis zu Schneckenhäusern
Die Nistgewohnheiten der Wildbienen sind extrem vielfältig und oft der Grund, warum sie so stark gefährdet sind, wenn Landschaften "aufgeräumt" werden:
- Bodennister: Etwa 75 Prozent aller heimischen Wildbienen nisten im Erdboden[6]. Sie graben Gänge in sandige, lehmige oder lösshaltige Böden. Sie benötigen spärlich bewachsene, sonnenbeschienene Flächen, Abbruchkanten oder unversiegelte Wege.
- Hohlraumnister: Diese Arten nutzen vorhandene Strukturen wie Fraßgänge von Käfern in Totholz, hohle Pflanzenstängel (z.B. von Brombeeren oder Schilf) oder Ritzen in Trockenmauern[7]. Dies sind die Arten, die wir in klassischen "Insektenhotels" beobachten können.
- Spezialisten: Einige Arten haben hochgradig spezialisierte Niststrategien entwickelt. Die Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene (Osmia bicolor) nistet ausschließlich in leeren Gehäusen von Weinbergschnecken, die sie nach der Eiablage aufwendig mit Kiefernnadeln oder Grashalmen tarnt[1].
Bekannte und bemerkenswerte Wildbienen-Gattungen
Um die Vielfalt zu begreifen, lohnt sich ein Blick auf die wichtigsten Gattungen, die in unseren Gärten und Landschaften vorkommen.
1. Hummeln (Bombus) – Die pelzigen Eisbären
Hummeln gehören zu den wenigen Wildbienen, die wie die Honigbiene Staaten bilden, allerdings nur einjährige. Im Frühjahr sucht eine befruchtete, überwinterte Königin (oft in verlassenen Mäuselöchern) einen Nistplatz und gründet ein neues Volk. Hummeln sind durch ihre dichte Behaarung und die Fähigkeit, ihre Flugmuskulatur auszukuppeln und sich durch "Zittern" aufzuwärmen, extrem kälteresistent[6]. Sie fliegen bereits bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, lange bevor Honigbienen den Stock verlassen. Zudem beherrschen sie das "Vibrationssammeln" (Buzzen), eine Technik, die für die Bestäubung von Tomaten und Paprika unerlässlich ist[4].
2. Mauerbienen (Osmia) – Die fleißigen Bestäuber
Mauerbienen gehören zu den häufigsten Gästen in Insektenhotels. Die Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) und die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) fliegen sehr früh im Jahr und sind exzellente Bestäuber für Obstbäume. Sie nutzen Hohlräume in Holz oder Mauerwerk und verschließen ihre Brutzellen charakteristisch mit feuchtem Lehm oder Erde[7]. Im Obstbau werden sie mittlerweile gezielt zur Bestäubung eingesetzt, da sie selbst bei widrigem Wetter fliegen.
3. Sandbienen (Andrena) – Die Erdarbeiter
Mit über 110 Arten bilden die Sandbienen die artenreichste Gattung in Deutschland. Sie nisten fast ausschließlich im Boden. Viele Sandbienen sind extrem spezialisiert (oligolektisch). Die Weiden-Sandbiene (Andrena vaga) sammelt beispielsweise ausschließlich Pollen von Weidenkätzchen[1]. Blühen zur Flugzeit dieser Biene keine Weiden in ihrem Flugradius (der oft nur wenige hundert Meter beträgt), kann sie sich nicht fortpflanzen.
4. Kuckucksbienen – Die raffinierten Schmarotzer
Etwa 25 bis 30 Prozent aller Wildbienenarten bauen keine eigenen Nester und sammeln keinen Pollen. Sie leben als Brutparasiten. Ähnlich wie der Kuckuck bei den Vögeln, schleichen sich Weibchen von Gattungen wie den Wespenbienen (Nomada) oder Blutbienen (Sphecodes) in die Nester anderer Bienenarten ein. Sie legen ihr Ei in die fremde Brutzelle. Die schlüpfende Kuckuckslarve tötet das Ei oder die Larve des Wirtes und frisst den fremden Pollenproviant[1]. Optisch erinnern viele Kuckucksbienen durch ihre gelb-schwarze oder rot-schwarze Zeichnung und fehlende Behaarung eher an Wespen.
Warum unsere Bienen in Gefahr sind
Der Rückgang der Insektenbiomasse und der Artenvielfalt ist wissenschaftlich eindeutig belegt. Laut der Roten Liste sind in Deutschland über 40 Prozent der heimischen Bienenarten bestandsgefährdet, extrem selten oder bereits ausgestorben[8]. Die Ursachen für dieses Bienensterben sind komplex und wirken oft zusammen:
- Verlust von Lebensräumen und Nistplätzen: Die Intensivierung der Landwirtschaft, die Flurbereinigung und die zunehmende Flächenversiegelung durch Siedlungs- und Straßenbau zerstören die kleinteiligen Strukturen, die Wildbienen benötigen. Offene Bodenstellen, Totholzhecken und unbefestigte Feldwege verschwinden aus der Landschaft[9].
- Nahrungsmangel: Monokulturen (wie riesige Mais- oder Rapsfelder) bieten zwar für kurze Zeit ein Überangebot an Nahrung, danach entsteht jedoch eine "grüne Wüste". Zudem werden blütenreiche Feldränder und Wiesen oft zu früh und zu häufig gemäht, bevor die Pflanzen blühen können. Spezialisierte Wildbienen verhungern schlichtweg[10].
- Pestizide und Umweltgifte: Der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, insbesondere Insektiziden wie den Neonicotinoiden, schädigt das Nervensystem der Bienen. Selbst in nicht-tödlichen (subletalen) Dosen stören sie den Orientierungssinn der Tiere, sodass sie nicht mehr zu ihren Nestern zurückfinden[11]. Herbizide wie Glyphosat vernichten zudem die Wildkräuter, die als Nahrungsquelle dienen.
- Krankheiten und Parasiten: Für die Honigbiene stellt die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe (Varroa destructor) die größte gesundheitliche Bedrohung dar. Sie saugt an den Bienen und überträgt tödliche Viren[5]. Auch Wildbienen leiden unter eingeschleppten Krankheitserregern, die teilweise durch kommerziell gezüchtete und in Gewächshäusern eingesetzte Hummelvölker in die freie Natur übertragen werden[1].
Aktiver Bienenschutz: Was jeder Einzelne tun kann
Die Bundesregierung hat mit dem "Aktionsprogramm Insektenschutz" Maßnahmen beschlossen, um den Rückgang der Insekten aufzuhalten, darunter Einschränkungen bei Pestiziden und die Förderung von Insektenlebensräumen in der Agrarlandschaft[9]. Doch auch Privatpersonen können in Gärten und auf Balkonen enorm viel bewirken.
Praktische Tipps für einen bienenfreundlichen Garten
- Heimische Pflanzen wählen: Exotische Zierpflanzen (wie Forsythien oder Kirschlorbeer) bieten heimischen Insekten oft weder Nektar noch Pollen. Pflanzen Sie stattdessen heimische Wildstauden, Kräuter (Thymian, Lavendel, Salbei) und Gehölze (Weide, Schlehe, Weißdorn)[7].
- Gefüllte Blüten meiden: Bei vielen Zuchtrosen, Dahlien oder Astern sind die Staubblätter zu Blütenblättern umgezüchtet worden. Diese "gefüllten" Blüten sehen schön aus, sind für Bienen aber wertlos, da sie keinen Pollen produzieren und der Nektar unzugänglich ist[7].
- Mut zur Unordnung: Lassen Sie verblühte Stängel von Brombeeren, Disteln oder Königskerzen über den Winter stehen. Sie dienen Stängennistern als Kinderstube[7]. Ein Haufen aus Totholz oder eine unbepflanzte, sonnige Sandfläche im Garten sind wertvolle Biotope.
- Verzicht auf Chemie: Verbannen Sie chemische Pflanzenschutzmittel, Unkrautvernichter und Kunstdünger komplett aus Ihrem Garten.
Das richtige Insektenhotel
Viele im Baumarkt angebotene Insektenhotels sind leider nutzlos oder sogar gefährlich für Bienen. Tannenzapfen, Stroh oder Lochziegel werden von Bienen nicht besiedelt. Wenn in weiches Holz (wie Fichte) quer zur Holzfaser gebohrt wird, entstehen Risse, in die Feuchtigkeit und Pilze eindringen. Zudem reißen sich die Bienen an abstehenden Splittern die Flügel auf[7].
So geht es richtig: Verwenden Sie abgelagertes Hartholz (Esche, Buche, Eiche) und bohren Sie saubere Löcher (2 bis 9 mm Durchmesser) von der Rindenseite her in das Holz. Die Löcher müssen hinten verschlossen sein. Alternativ eignen sich saubere Bambusröhrchen oder Schilfhalme, die fest in eine Dose gepresst werden. Hängen Sie die Nisthilfe regengeschützt und vollsonnig (Ausrichtung Süd/Südost) auf[7].
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Können Wildbienen stechen?
Die Männchen (Drohnen) haben grundsätzlich keinen Stachel. Die Weibchen besitzen zwar einen, dieser ist bei den meisten Wildbienenarten aber zu schwach, um die menschliche Haut zu durchdringen. Nur Hummeln und sehr große Wildbienen können stechen, tun dies aber nur bei akuter Lebensgefahr (z.B. wenn man sie drückt)[6].
Wie lange lebt eine Biene?
Das hängt stark von der Art und der Jahreszeit ab. Eine Honigbienen-Arbeiterin lebt im Sommer etwa 4 bis 6 Wochen, eine Winterbiene hingegen mehrere Monate, um das Volk über die kalte Jahreszeit zu bringen[12]. Die Königin kann bis zu 5 Jahre alt werden. Solitäre Wildbienenweibchen leben als erwachsenes Insekt meist nur 3 bis 6 Wochen, in denen sie unermüdlich Nester bauen und Pollen sammeln[7].
Konkurrieren Honigbienen und Wildbienen um Nahrung?
Ja, das kann passieren. Wenn in einer blütenarmen Landschaft oder in Städten zu viele Honigbienenvölker von Imkern aufgestellt werden, können die zehntausenden Arbeiterinnen eines Stocks die Ressourcen so stark abgrasen, dass für die wenigen, oft spezialisierten Wildbienen nicht mehr genug Pollen übrig bleibt[1]. Ein ausgewogenes Verhältnis und vor allem ein größeres Blütenangebot sind hier entscheidend.
Was soll ich tun, wenn ich einen Bienenschwarm im Garten habe?
Wenn sich im Mai oder Juni eine riesige Traube von Honigbienen an einem Ast sammelt, handelt es sich um einen Schwarm, der sich mit einer neuen Königin auf Wohnungssuche befindet. Bleiben Sie ruhig, schwärmende Bienen sind extrem friedfertig, da sie sich vor dem Abflug mit Honig vollgesogen haben. Kontaktieren Sie einen lokalen Imkerverein; ein Imker wird den Schwarm gerne und fachgerecht einfangen[13].
Warum sind Bio-Lebensmittel besser für Bienen?
Der ökologische Landbau verzichtet auf chemisch-synthetische Pestizide und mineralische Stickstoffdünger. Zudem werden oft weitere Fruchtfolgen und mehr Leguminosen (wie Klee) angebaut. Studien zeigen, dass auf ökologisch bewirtschafteten Flächen eine deutlich höhere Arten- und Individuenzahl von Bienen und anderen Insekten zu finden ist als in der konventionellen Landwirtschaft[10].
Fazit
Die Welt der Bienen ist weit mehr als nur Honig und Bienenstock. Es ist ein faszinierendes, hochkomplexes Netzwerk aus über 500 Arten allein in unseren Breitengraden, die als unermüdliche Bestäuber das Fundament unserer Ökosysteme bilden. Der dramatische Rückgang dieser Insekten ist ein Alarmsignal, das wir nicht ignorieren dürfen. Der Schutz der Bienen erfordert ein Umdenken in der Landwirtschaft, aber auch in der Art und Weise, wie wir unsere Gärten und kommunalen Grünflächen gestalten. Jeder Quadratmeter, der mit heimischen Wildblumen bepflanzt wird, jeder Totholzhaufen und jeder Verzicht auf Pestizide ist ein direkter Beitrag zum Überleben dieser unverzichtbaren Tiere. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass es in unserer Natur auch in Zukunft noch vielfältig summt und brummt.
Quellen und Referenzen
- Schwarz, M. (2016): Bienen – eine interessante und vielfältige Tiergruppe mit großer Bedeutung. ÖKO·L Zeitschrift für Ökologie, Natur- und Umweltschutz, 38/2, S. 3-10.
- Odemer, R. (2012): Funktionelle Anatomie der Honigbiene. Vorlesung, Landesanstalt für Bienenkunde, Universität Hohenheim.
- Gusenleitner, F., Schwarz, M., Mazzucco, K. (2012): Apidae (Insecta: Hymenoptera). In: Checklisten der Fauna Österreichs No. 6.
- Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) (2011): Bienen - Unverzichtbar für Natur und Erzeugung.
- Radetzki, T. (2008): Die Krise der Bienenhaltung - ein Symptom unfruchtbarer Konzepte. In: Kontrollierte Fortpflanzung, Campus-Verlag.
- Deutsche Wildtier Stiftung (2021): Wildbienen schützen und fördern im Kleingarten. 4. Auflage.
- Schmid-Egger, C., Pützstück, M. (2021): Gestaltung der Nistplätze und das richtige Blütenangebot. Deutsche Wildtier Stiftung.
- Bundesamt für Naturschutz (BfN): Rote Liste der gefährdeten Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands (Kategorie Bienen).
- Bundesregierung (2019): Aktionsprogramm Insektenschutz - Gemeinsam wirksam gegen das Insektensterben.
- Sanders, J., Hess, J. (2019): Leistungen des ökologischen Landbaus für Umwelt und Gesellschaft. Thünen Report 65.
- Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL): Neonicotinoide - ein Risiko für Bienen.
- Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf: Jahreszeitlicher Rhythmus im Bienenvolk.
- Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL): Begegnung mit einem Bienenschwarm – was tun?
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