Tapinoma magnum mit Heißwasser und Heißschaum bekämpfen: Ablauf, Saisonplan und Kosten
Aktualisiert am 2 november 2026 Patricia Titz

Tapinoma magnum mit Heißwasser und Heißschaum bekämpfen: Ablauf, Saisonplan und Kosten

Fachlich geprüft vom Silberkraft-Team

Die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) stellt Hausbesitzer und Kommunen vor große Aufgaben. Ihre Superkolonien ziehen sich über viele Nester, die bis etwa einen Meter tief in den Boden reichen [1]. Mit chemischen Mitteln lassen sich ganze Kolonien nach Erfahrung der Stadt Kehl mit den derzeitigen Wirkstoffen nicht tilgen [2]. Viele betroffene Gemeinden wie Kehl, Karlsruhe und Wiesloch setzen deshalb auf Hitze: Heißwasser und Heißschaum. Wie funktionieren die Verfahren, wann ist der beste Zeitpunkt und mit welchen Kosten musst du rechnen?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Heißwasser: Karlsruhe nennt kochend heißes Wasser (mindestens 80 °C), das mit einer Sprühlanze in den Bau eingebracht wird, zweimal pro Woche [1]. Wiesloch arbeitet mit 95 °C [3].
  • Heißschaum: Zusätze wie Maisstärke oder Kokosöl erzeugen einen Schaumteppich, der das Abkühlen verlangsamt [4].
  • Erfahrung aus Kehl: Acht oberflächliche Heißschaum-Einsätze kosteten rund 20.000 Euro, der Erfolg war gering. Erst das regelmäßige Ausspülen der Nester mit einem eigenen Heißwassergerät brachte eine deutlich wahrnehmbare Reduzierung [2].
  • Saison: In Kehl beginnt das Monitoring im Februar, die Bekämpfung im März. Die ersten Wochen im Jahr sind die wichtigsten [2].
  • Realistisches Ziel: Die Heißwassermethode kann eine Kolonie nicht tilgen, aber empfindlich schwächen [2].

Warum Heißwasser und Heißschaum gegen Tapinoma magnum?

Tapinoma magnum bildet Superkolonien mit vielen Königinnen und vielen Nestern, zwischen denen es keine Aggression gibt [5]. Die Stadt Kehl beschreibt Kolonien mit bis zu 100 Millionen Arbeiterinnen und mehr als 1.000 Königinnen [2]. Bekämpft werden müssen die Königinnen im Bau, also bis zu einem Meter unter der Oberfläche. Deshalb ist es wichtig, die einzelnen Nestausgänge zu finden und zu dokumentieren [1].

Hitze setzt genau dort an: Heißes Wasser wird direkt in die Nester gebracht. Bei frei zugänglichen Nestern zerstört die Stadt Wiesloch mit 95 °C heißem Wasser die Nester und tötet die Königinnen samt Brut ab. Verdeckte Nester lassen sich so allerdings nur bedingt bekämpfen [3].

Der Ablauf: So funktionieren die Verfahren

Heißwasser mit Lanze oder Erdspieß

Beim Heißwasserverfahren wird kochend heißes Wasser von mindestens 80 °C mit einer Sprühlanze in den Bau eingebracht. Karlsruhe nennt dafür einen Rhythmus von zweimal pro Woche und, wo nötig, auch das Bohren von Löchern in Gehwegen [1]. Die Stadt Kehl spült die Nester im Boden mit einem Erdspieß aus und verbrüht zusätzlich die Ameisen an der Oberfläche [2].

In lockerem Erdboden empfiehlt die Gemeinde Stockstadt eine sogenannte Neophytenlanze. Damit erreichst du größere Nestbereiche als mit Wasser, das nur oberflächlich ausgebracht wird. In verdichtetem Boden oder auf Pflaster lässt sich die Lanze allerdings nicht einsetzen. Laut Stockstadt arbeitet Karlsruhe außerdem mit Heißdampfgeräten, die fast 100 °C heißen Dampf erzeugen [4].

Das Heißwasser-Schaum-Verfahren

Beim Heißwasser-Schaum-Verfahren werden dem kochenden Wasser pflanzliche Stoffe wie Kokosöl oder Maisstärke beigefügt. Der Schaumteppich verlangsamt das Abkühlen, die Hitze wirkt so länger und intensiver [4]. Karlsruhe nennt Heißwasser-Schaum ausdrücklich für Bodenplatten [1]. Auf Pflaster empfiehlt Stockstadt, die Nester mehrmals in kurzen Abständen zu behandeln, am besten sogar mehrmals täglich, damit sich die Ameisen nicht erholen. Werden Nester vorher freigelegt, darf den Königinnen keine Zeit bleiben, den Bereich zu verlassen [4].

Wichtig ist die Erfahrung aus Kehl: Rein oberflächliche Heißschaum-Einsätze brachten dort nur geringen Erfolg [2]. Schaum allein ist also kein Ersatz für das Einbringen von Heißwasser in die Nester.

Achtung bei der Anwendung

Pflanzen in unmittelbarer Nähe der behandelten Nester können durch das heiße Wasser Schaden nehmen [3]. Achte außerdem darauf, keine Nester heimischer Ameisen zu zerstören. Sie sind natürliche Gegenspieler von Tapinoma magnum [4]. Lass einen Verdacht deshalb vor der Bekämpfung bestimmen.

Saisonplan: Wann ist die Bekämpfung am wirksamsten?

Ein einmaliger Einsatz reicht bei Tapinoma magnum nicht. Die Stadt Kehl hat ihre Bekämpfung über das Jahr verteilt [2]:

  • Februar (Monitoring): Kontrolle der bekannten Gebiete. Ziel ist es, die „Kernnester“ zu finden.
  • März bis August (Hauptsaison): Start der Bekämpfungssaison mit dem kürzesten Intervall. Bekannte Kernnester sollen getilgt und die Kolonie so früh wie möglich geschwächt werden. Kehl plant dafür bis Mitte oder Ende August zwei volle Arbeitskräfte ein.
  • Ab September: Das Intervall wird auf einmal pro Woche verringert.
  • Bis Mitte/Ende November: Die Bekämpfung wird fortgeführt.

Das Fazit aus Kehl: Sobald die Ameisen aktiv werden, müssen die Kernnester gefunden und intensiv behandelt werden. Die ersten Wochen im Jahr sind die wichtigsten [2]. Stockstadt rät zusätzlich, auch im Frühjahr, Herbst und Winter zu behandeln, weil die Nester dann vermehrt unter Pflastersteinen liegen [4]. Die Ameisen sind auch im Winter aktiv [1].

Kosten: Was Gemeinden berichten

Thermische Verfahren sind aufwändig. Die Zahlen aus Kehl geben einen guten Eindruck [2]:

  • Herbst 2023 bis Frühjahr 2024: acht oberflächliche Heißschaum-Einsätze durch ein externes Unternehmen, Kosten rund 20.000 Euro, also rechnerisch etwa 2.500 Euro pro Einsatz. Bekämpfungserfolg: gering.
  • Sommer 2024: Anschaffung eines eigenen Heißwassergeräts für rund 50.000 Euro. Seit Juli 2024 werden die Nester mindestens einmal pro Woche mit dem Erdspieß ausgespült und zusätzlich an der Oberfläche verbrüht.
  • Ergebnis 2024: Einzelne Nester konnten vollständig getilgt werden, die Population ging deutlich wahrnehmbar zurück.

Nach Praxisangaben liegen einzelne Heißschaum-Einsätze teils bei rund 1.500 Euro je Einsatz. Der tatsächliche Preis hängt von Fläche und Anbieter ab.

Zum Vergleich ein Beispiel ohne Hitze: In Zürich wurde 2019 eine 500 m² große Kolonie mit chemischen Kontaktmitteln und Fraßködern behandelt. Bei insgesamt 13 Behandlungen kostete das 5.550 Euro, dazu kamen 2.340 Euro für das Monitoring [5].

Tipp für dein Grundstück

Nester, die für professionelle Geräte schlecht erreichbar sind, etwa im Garten, kannst du nach Empfehlung der Gemeinde Stockstadt ebenfalls mit kochendem Wasser behandeln [4]. Das ersetzt keine koordinierte Bekämpfung, kann den Befall auf deinem Grundstück aber senken. Achte auf Pflanzen in der Nähe [3] und darauf, keine heimischen Ameisen zu treffen [4].

Erfahrungen der Gemeinden

  • Stadt Wiesloch: Nutzt Heißwasser mit 95 °C für frei zugängliche Nester. Verdeckte Nester lassen sich damit nur bedingt bekämpfen. Vom Abflammen rät die Stadt dringend ab: Die Nester lassen sich so nicht beseitigen, und es können schnell Brände entstehen [3].
  • Stadt Karlsruhe: Nennt kochend heißes Wasser (mindestens 80 °C) mit Sprühlanze zweimal pro Woche sowie Heißwasser-Schaum für Bodenplatten. Eine Bekämpfung ergibt nur Sinn, wenn alle umliegenden Grundstückseigentümer koordiniert vorgehen [1].
  • Stadt Kehl: Rein oberflächlicher Heißschaum brachte wenig. Das Ausspülen der Nester mit dem Erdspieß plus Verbrühen an der Oberfläche führte 2024 zu einer deutlich wahrnehmbaren Reduzierung. Das ehrliche Fazit: Die Heißwassermethode kann eine Kolonie nicht tilgen, aber empfindlich schwächen. Zum Tilgen müssen verschiedene, teils noch zu erforschende Methoden kombiniert werden [2].
Drei flankierende Maßnahmen zur Heißwasser-Bekämpfung von Tapinoma magnum
Flankierende Maßnahmen: Arbeiterinnen absaugen, Nematoden nach dem Abkühlen, bauliche Barrieren (nach Gemeinde Stockstadt).

Flankierende Maßnahmen

Um die Hitzebehandlung zu unterstützen, nennt die Gemeinde Stockstadt mehrere begleitende Maßnahmen [4]:

  • Arbeiterinnen absaugen: Regelmäßiges Einsaugen der Ameisen auf den Ameisenstraßen mit einem Nass-Staubsauger. Den Königinnen und Larven in den Erdnestern fehlt dann Nahrung, und direkte Bekämpfungsverfahren wirken stärker.
  • Nematoden: Insektenpathogene Nematoden (Fadenwürmer) können nach der Heißwasserbehandlung in den erkalteten Boden gegeben werden. Sie sollen eine Regeneration der geschwächten Völker erschweren. In der Praxis hat sich das bewährt, wissenschaftliche Untersuchungen für Tapinoma magnum gibt es aber noch nicht.
  • Bauliche Barrieren: Spalten zwischen Hausfassade und Gehweg mit Beton versiegeln und neues Pflaster in möglichst grobem Splitt verlegen, weil die Ameisen darin schlechter Nester anlegen.

Onze video's over Mieren

Ameisen im Auto? 🐜 So beugst du Ameisen vor und bekämpfst sie richtig ✅
Ameisen im Auto? 🐜 So beugst du Ameisen vor und...
Ameisen in Küche & Garten: Warum sie immer wiederkommen & wie du sie richtig loswirst! 🐜
Ameisen in Küche & Garten: Warum sie immer wied...

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ich das Heißwasser-Verfahren selbst durchführen?

Zugängliche Nester im eigenen Garten kannst du mit kochendem Wasser behandeln. Pflanzen in der Nähe können dabei Schaden nehmen. Für tiefe Nester unter Pflaster und große Superkolonien setzen Gemeinden Geräte mit Sprühlanze oder Erdspieß ein. Eine Bekämpfung wirkt nur, wenn alle umliegenden Grundstücke mitmachen.

Woraus besteht der Heißschaum?

Der Heißschaum entsteht aus kochendem Wasser, dem pflanzliche Stoffe wie Maisstärke oder Kokosöl beigemischt werden. Der Schaumteppich verlangsamt das Abkühlen, sodass die Hitze länger wirkt.

Tötet Heißwasser die Ameisenkolonie komplett ab?

Einzelne Nester können vollständig getilgt werden. Eine ganze Kolonie lässt sich mit der Heißwassermethode nach Erfahrung der Stadt Kehl aber nicht tilgen, sondern nur empfindlich schwächen.

Was kostet die Bekämpfung mit Heißschaum?

Die Stadt Kehl zahlte für acht oberflächliche Heißschaum-Einsätze rund 20.000 Euro, bei geringem Erfolg. Nach Praxisangaben liegen einzelne Einsätze teils bei rund 1.500 Euro. Kehl hat danach ein eigenes Heißwassergerät für rund 50.000 Euro angeschafft.

Wann ist die beste Jahreszeit für die Bekämpfung?

In Kehl beginnt das Monitoring im Februar und die Bekämpfung im März. Die ersten Wochen im Jahr sind die wichtigsten. Ab September wird einmal pro Woche behandelt, bis Mitte oder Ende November.

Fazit

Heißwasser ist derzeit die Methode, auf die betroffene Gemeinden vor allem setzen, um Tapinoma magnum einzudämmen. Entscheidend ist, die Hitze in die Nester zu bringen: Rein oberflächlicher Schaum hat in Kehl wenig gebracht, regelmäßiges Ausspülen mit dem Erdspieß deutlich mehr. Eine Kolonie vollständig zu tilgen, gelingt so nicht, schwächen lässt sie sich aber spürbar. Wenn du in einem betroffenen Gebiet lebst, stimme dich mit deinen Nachbarn und deiner Gemeinde ab und fang früh im Jahr an.

Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Quellenverzeichnis

  1. Stadt Karlsruhe, Gartenbauamt (Stand Dezember 2025): Invasive Ameisen – Vorbeugen, Erkennen, Bekämpfen. Information für private Eigentümer*innen (Faltblatt). (PDF/Link)
  2. Stadtverwaltung Kehl (2025): Erfahrungen bei der Bekämpfung von Tapinoma magnum mit dem Heißwasserverfahren. Online-Workshop Umweltbundesamt, 26.06.2025. (PDF/Link)
  3. Stadt Wiesloch (o. J.): Invasive Ameisen in Wiesloch – Informationen zur Tapinoma magnum (Flyer). (PDF/Link)
  4. Gemeinde Stockstadt: Bekämpfungsverfahren gegen Tapinoma magnum (Liste von Bekämpfungsmethoden). (PDF/Link)
  5. Verhaagh, M. & Höcherl, A. (2025): Tapinoma magnum. Vortrag, 9. Hessische Landesnaturschutztagung „Double trouble – Klimawandel und Neobiota“, 03.09.2025. (PDF/Link)

Reacties (0)

Schrijf een reactie

Reacties worden gecontroleerd voor publicatie.

Ongediertevrij met Silberkraft

Ongediertevrij met een gerust geweten!

Alle producten