Tapinoma magnum in Deutschland: Verbreitung nach Bundesländern & Städten
Aktualisiert am 2 november 2026 Patricia Titz

Tapinoma magnum in Deutschland: Verbreitung nach Bundesländern & Städten

Fachlich geprüft vom Silberkraft-Team

Die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) breitet sich in Deutschland weiter aus. Was 2009 mit einem Erstfund in einer Baumschule in Rheinland-Pfalz begann, hat sich bis zum Jahr 2025 zu einer echten Herausforderung für viele Kommunen und Hausbesitzer entwickelt [1]. Die invasive Art bildet riesige Superkolonien, untergräbt Pflastersteine und dringt in Gebäude ein. Wenn du den Verdacht hast, dass sich diese Ameise in deinem Garten angesiedelt hat, stellst du dir vermutlich zwei drängende Fragen: Ist meine Region bereits betroffen? Und muss ich den Fund offiziell melden?

In diesem Artikel werfen wir einen detaillierten Blick auf die exakte Verbreitung von Tapinoma magnum in Deutschland nach Bundesländern und Städten (Stand Herbst 2025). Außerdem erfährst du Schritt für Schritt, wie du einen Verdachtsfall richtig dokumentierst und an die zuständigen Forschungsprojekte meldest – und wie die rechtliche Lage bezüglich einer Meldepflicht aussieht.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Verbreitung 2025: Mindestens 92 Kommunen in Deutschland sind von gebietsfremden Tapinoma-Arten betroffen, ganz überwiegend T. magnum oder T. cf. magnum; der absolute Schwerpunkt liegt in Baden-Württemberg (48 Kommunen) und der Oberrheinebene [1].
  • Rechtliche Lage: Es gibt keine allgemeine Meldepflicht für Privatpersonen. Die Art wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) als "potenziell invasiv" auf der Beobachtungsliste geführt [1].
  • Richtig melden: Verdachtsfälle sollten mit einem Maßstabs-Foto (Lineal) an das Forschungsprojekt TAPINOMA (artenkenntnis.info) sowie an die lokale Stadtverwaltung gemeldet werden [3].
Verbreitung von Tapinoma magnum in Deutschland 2025
Betroffene Kommunen je Bundesland (Stand Herbst 2025, nach Verhaagh & Höcherl). Karte schematisch, Punkte nicht ortsgenau.

Aktuelle Verbreitung: Wo Tapinoma magnum in Deutschland vorkommt (Stand Herbst 2025)

Die Ausbreitung der Großen Drüsenameise erfolgt in Deutschland hauptsächlich passiv durch den Menschen. Der Haupteinschleppungsweg sind Erdballen von mediterranen Kübel- und Topfpflanzen (zum Beispiel Olivenbäumen), die über Gärtnereien und Gartencenter vertrieben werden [1]. Da die Tiere in ihren Nestern bis zu einem Meter tief im Boden überwintern und Frost bis unter -10 Grad Celsius überstehen, können sie sich in unseren Breitengraden dauerhaft etablieren [1].

Laut den Daten der Hessischen Landesnaturschutztagung und des TAPINOMA-Forschungsprojekts (Stand Herbst 2025) sind in Deutschland mindestens 92 Kommunen von invasiven Ameisen aus dem Tapinoma nigerrimum-Komplex betroffen. Experten gehen jedoch davon aus, dass diese Zahl aufgrund einer hohen Dunkelziffer in der Realität deutlich höher liegt [1].

Verteilung nach Bundesländern

Am stärksten betroffen ist der Südwesten, vor allem die Oberrheinebene. Die mindestens 92 Kommunen mit gebietsfremden Tapinoma-Vorkommen verteilen sich so auf die Bundesländer [1]:

  • Baden-Württemberg: 48 Kommunen
  • Rheinland-Pfalz: 17 Kommunen
  • Hessen: 9 Kommunen
  • Nordrhein-Westfalen: 9 Kommunen
  • Bayern: 3 Kommunen
  • Sachsen: 3 Kommunen
  • Saarland: 1 Kommune
  • Niedersachsen: 1 Kommune
  • Schleswig-Holstein: 1 Kommune
Wissenschaftlicher Hintergrund: Der Tapinoma-Komplex

Wenn in den Medien von der "Superameise" gesprochen wird, ist meist Tapinoma magnum gemeint. Tatsächlich handelt es sich taxonomisch um einen Komplex aus mehreren, extrem ähnlich aussehenden Arten. Von den gemeldeten Vorkommen in Deutschland wurden 36 eindeutig als T. magnum identifiziert. In 51 Fällen wird der Befall als T. cf. magnum (confer = vergleiche, also sehr wahrscheinlich) eingestuft. Zudem wurden in Deutschland auch 3 Vorkommen von Tapinoma ibericum und 2 Vorkommen von Tapinoma darioi bestätigt [1].

Hotspots und betroffene Städte im Detail

Einige Städte und Regionen kämpfen bereits seit mehreren Jahren intensiv gegen die Ausbreitung der Superkolonien. Diese Kolonien können gigantische Ausmaße annehmen: In Kehl wurden beispielsweise Kolonien dokumentiert, die sich über mehr als 1.000.000 Quadratmeter erstrecken und bis zu 100 Millionen Arbeiterinnen sowie über 1.000 Königinnen umfassen [4].

Schwerpunkt Oberrheinebene (Baden-Württemberg & Rheinland-Pfalz)

Die Oberrheinebene gilt als das Epizentrum der Invasion in Deutschland. Zu den stark betroffenen und namentlich dokumentierten Städten gehören [1]:

  • Kehl: Hier sind besonders die Ortsteile Kehl-Marlen, Kehl-Neumühl, die Kernstadt, Bodersweier und Odelshofen betroffen [4].
  • Karlsruhe: Die Stadt hat ein eigenes Faltblatt für Eigentümer herausgegeben und nennt darin unter anderem untergrabenes Pflaster sowie Störungen an Elektroanlagen und Internetkabeln [2].
  • Freiburg: Von Verhaagh & Höcherl als eines der Vorkommen in der Rheinebene genannt.
  • Wiesloch: Die Stadt bekämpft die Ameisen auf öffentlichen Flächen und informiert Anwohner mit einem eigenen Flyer.
  • Köln (Nordrhein-Westfalen): Auch außerhalb der Oberrheinebene gibt es Vorkommen, Köln wird ausdrücklich genannt.

Betroffene Kommunen in Hessen

In Hessen sind Stand 2025 neun Kommunen offiziell erfasst. Die genaue Artbestimmung zeigt hier ein differenziertes Bild [1]:

  • Eindeutig als T. magnum bestätigt: Ginsheim-Gustavsburg, Frankfurt am Main, Bruchköbel.
  • Als T. cf. magnum eingestuft: Darmstadt, Pfungstadt, Reinheim, Offenbach-Bürgel, Bad Vilbel.
  • Andere Art (T. ibericum): Hochheim.
Flussdiagramm zur Meldepflicht von Tapinoma magnum.
Flussdiagramm zur Meldepflicht von Tapinoma magnum.

Gibt es eine Meldepflicht für Tapinoma magnum?

Eine der häufigsten Fragen von betroffenen Grundstücksbesitzern ist die nach der rechtlichen Verpflichtung. Die Antwort ist eindeutig: Nein, es gibt in Deutschland keine allgemeine Meldepflicht für Privatpersonen, wenn sie Tapinoma magnum auf ihrem Grundstück entdecken [1].

Nach EU-Recht ist die Große Drüsenameise derzeit nicht offiziell als "invasive Art" gelistet. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) führt sie seit 2023 jedoch als "potenziell invasive Art" auf einer Beobachtungsliste [1]. Kommunen sind nach Einschätzung von Verhaagh & Höcherl rechtlich nicht verpflichtet, gegen die Art auf privaten Grundstücken vorzugehen [1]. Eine Bekämpfung macht jedoch nur Sinn, wenn Nachbarn und Gemeinde koordiniert vorgehen, da einzelne Grundstücksbesitzer gegen eine Superkolonie machtlos sind.

Anleitung für das perfekte Beweisfoto und Erkennungsmerkmale.
Anleitung für das perfekte Beweisfoto und Erkennungsmerkmale.

Wie du einen Fund richtig meldest (Schritt-für-Schritt)

Auch wenn keine gesetzliche Pflicht besteht, ist das Melden von Verdachtsfällen extrem wichtig. Nur so können Wissenschaftler die Ausbreitung (das sogenannte Monitoring) überwachen und Kommunen rechtzeitig koordinierte Gegenmaßnahmen wie das Heißwasser-Schaum-Verfahren einleiten. Um Fehlalarme durch heimische Wegameisen (z. B. Lasius niger) zu vermeiden, benötigen die Experten aussagekräftiges Bildmaterial.

Anleitung: So erstellst du ein beweiskräftiges Foto

  1. Anlocken: Lege ein weißes Blatt Papier in die Nähe eines Nesteingangs oder einer Ameisenstraße auf den Boden. Gib einen Tropfen Zuckerwasser oder Honig in die Mitte [3].
  2. Warten: Warte, bis sich genügend Ameisen um die Futterquelle versammelt haben.
  3. Maßstab anlegen: Lege ein Lineal oder ein Maßband direkt neben die Ameisen auf das Papier. Dies ist entscheidend, da die Experten die Größenunterschiede der Arbeiterinnen (Polymorphismus, ca. 2 bis 5 mm) erkennen müssen [3].
  4. Fotografieren: Mache scharfe, gut ausgeleuchtete Fotos aus verschiedenen Perspektiven (von oben und leicht seitlich).

Wohin schicke ich die Meldung?

Deinen dokumentierten Verdachtsfall solltest du an zwei Stellen melden:

  1. An die Wissenschaft: Das Forschungsprojekt TAPINOMA, ein Zusammenschluss der Naturkundemuseen Stuttgart und Karlsruhe, sammelt alle Daten deutschlandweit. Nutze dafür das offizielle Meldeformular unter artenkenntnis.info (Bereich "Tapinoma melden") [3].
  2. An deine Kommune: Informiere zusätzlich das Umwelt- oder Gartenbauamt deiner Stadt- oder Gemeindeverwaltung. Viele stark betroffene Städte haben bereits eigene E-Mail-Adressen dafür eingerichtet (z. B. ameisen@karlsruhe.de in Karlsruhe oder umweltschutz@wiesloch.de in Wiesloch) [2].

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

In welchen Bundesländern ist Tapinoma magnum 2025 am stärksten verbreitet?

Der absolute Schwerpunkt liegt in Baden-Württemberg mit 48 betroffenen Kommunen, gefolgt von Rheinland-Pfalz (17) und Hessen (9). Der Schwerpunkt liegt in der Oberrheinebene.

Muss ich einen Fund von Tapinoma magnum den Behörden melden?

Nein, es gibt in Deutschland keine gesetzliche Meldepflicht für Privatpersonen. Eine freiwillige Meldung an das TAPINOMA-Forschungsprojekt und die lokale Gemeinde wird jedoch dringend empfohlen, um die Ausbreitung zu überwachen.

Wie melde ich einen Verdachtsfall richtig?

Locke die Ameisen mit Zuckerwasser auf ein weißes Blatt Papier, lege ein Lineal als Maßstab daneben und mache scharfe Fotos. Lade diese Bilder anschließend auf der Plattform artenkenntnis.info hoch.

Kommt die Stadt für die Bekämpfung auf meinem Privatgrundstück auf?

Da die Art rechtlich noch nicht als invasive EU-Art gelistet ist, sind Kommunen nicht verpflichtet, auf privaten Grundstücken tätig zu werden oder die Kosten zu übernehmen. Eine Bekämpfung erfordert jedoch zwingend die Kooperation aller Nachbarn und der Gemeinde.

Wie erkenne ich, ob es sich wirklich um Tapinoma magnum handelt?

Die Tiere sind komplett schwarz, unterschiedlich groß (2 bis 5 mm) und bilden breite, mehrspurige Straßen. Beim Zerdrücken verströmen sie einen chemischen Geruch, der oft mit Lösungsmittel, Aceton oder ranziger Butter verglichen wird.

Fazit

Die Verbreitung von Tapinoma magnum in Deutschland hat im Jahr 2025 mit mindestens 92 betroffenen Kommunen (Stand Herbst 2025) ein deutliches Ausmaß erreicht. Besonders der Südwesten rund um die Oberrheinebene ist stark betroffen. Auch wenn es keine gesetzliche Meldepflicht gibt, ist deine Mithilfe als Bürger gefragt: Kontrolliere neu gekaufte mediterrane Pflanzen genau, achte auf ungewöhnlich große Ameisenstraßen und melde Verdachtsfälle mit guten Fotos an die zuständigen Stellen. Nur durch ein koordiniertes Vorgehen von Wissenschaft, Kommunen und Anwohnern lässt sich die Ausbreitung dieser Superkolonien langfristig eindämmen.

Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Quellenverzeichnis

  1. Verhaagh, M. & Höcherl, A. (2025): Tapinoma magnum. Vortrag, 9. Hessische Landesnaturschutztagung „Double trouble – Klimawandel und Neobiota“, 03.09.2025. (PDF/Link)
  2. Stadt Karlsruhe, Gartenbauamt (Stand Dezember 2025): Invasive Ameisen – Vorbeugen, Erkennen, Bekämpfen. Information für private Eigentümer*innen (Faltblatt). (PDF/Link)
  3. Stadt Wiesloch (o. J.): Invasive Ameisen in Wiesloch – Informationen zur Tapinoma magnum (Flyer). (PDF/Link)
  4. Stadtverwaltung Kehl (2025): Erfahrungen bei der Bekämpfung von Tapinoma magnum mit dem Heißwasserverfahren. Online-Workshop Umweltbundesamt, 26.06.2025. (PDF/Link)

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