Ein leises Summen in der Luft, ein geschäftiges Ein- und Ausfliegen an einer unscheinbaren Erdhöhle oder das beeindruckende Naturschauspiel einer riesigen Bienentraube im Astwerk eines Baumes – das Thema Bienennest fasziniert die Menschheit seit Jahrtausenden. Wenn wir an ein Bienennest denken, haben wir meist sofort den klassischen Bienenstock der Honigbiene mit seinen perfekt geformten, sechseckigen Wachswaben vor Augen. Doch die Realität in der Natur ist weitaus vielfältiger, komplexer und leider auch bedrohter. Von den schätzungsweise mehr als 20.000 Bienenarten weltweit sind allein in Deutschland rund 550 und in Österreich sogar 690 Arten heimisch[1][2]. Die überwältigende Mehrheit dieser Insekten lebt nicht in großen Staaten, sondern als Einzelgänger in verborgenen Nestern im Boden, in Totholz oder sogar in leeren Schneckenhäusern. Das Verständnis darüber, wie diese Nester aufgebaut sind, wie sie funktionieren und wie wir sie schützen können, ist der Schlüssel zum Erhalt unserer biologischen Vielfalt und unserer eigenen Nahrungsgrundlage.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Enorme Vielfalt: Neben der staatenbildenden Honigbiene gibt es hunderte solitäre Wildbienenarten, die völlig unterschiedliche Nistplatzansprüche haben (Boden, Holz, Stängel).
- Meisterwerke der Architektur: Honigbienen bauen ihre Nester aus selbst produziertem Wachs, während Wildbienen Materialien wie Lehm, Harz, Blätter oder Pflanzenhaare nutzen.
- Friedliche Schwärme: Ein Honigbienenschwarm auf der Suche nach einem neuen Nest ist nicht aggressiv, da die Tiere mit Honig vollgesogen sind und keine Brut verteidigen müssen.
- Akute Bedrohung: Lebensraumverlust, Pestizide und fehlende Niststrukturen haben zu einem dramatischen Rückgang der Insektenbiomasse geführt.
- Aktiver Schutz: Durch das Belassen von Totholz, offenen Bodenstellen und das fachgerechte Aufstellen von Nisthilfen kann jeder Gartenbesitzer Bienennester fördern.
Die Biologie des Bienenvolkes: Wie ein Superorganismus sein Nest baut
Um die Faszination eines Bienennestes zu verstehen, muss man zunächst die Biologie der Tiere betrachten. Der Körperbau der Biene ist perfekt an ihre Lebensweise und den Nestbau angepasst. Bienen besitzen ein Außenskelett aus Chitin und Sklerotin, das ihnen Stabilität verleiht[3]. Für den Nestbau und die Nahrungsbeschaffung sind ihre spezialisierten Werkzeuge entscheidend. Die Mundwerkzeuge (Mandibeln) dienen nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern fungieren als vielseitige Werkzeuge zum Kneten von Wachs, zum Graben im Boden oder zum Zerschneiden von Blättern.
Bei der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) ist das Nest das Zentrum eines hochkomplexen Superorganismus. Ein solches Volk besteht im Sommer aus einer Königin, bis zu 80.000 Arbeiterinnen und einigen tausend Drohnen (männlichen Bienen)[4]. Das Nest selbst besteht aus vertikal angeordneten Waben, die beidseitig mit sechseckigen Zellen versehen sind. Diese geometrische Form ist ein mathematisches Wunderwerk: Sie bietet bei minimalem Materialaufwand (Wachs) das absolut maximale Fassungsvermögen und höchste Stabilität.
Das Baumaterial, das Bienenwachs, wird von den Arbeiterinnen selbst in speziellen Wachsdrüsen an der Bauchseite (Thorakaladrüsen) produziert[5]. Diese Fähigkeit ist besonders bei jungen Bienen, den sogenannten Baubienen, stark ausgeprägt. Sie schwitzen winzige Wachsplättchen aus, nehmen diese mit den Beinen ab, kneten sie mit den Mandibeln durch und fügen sie millimetergenau an die bestehende Wabe an. In diesen Zellen wird nicht nur der Nachwuchs (die Brut) aufgezogen, sondern auch der lebenswichtige Vorrat an Honig und Pollen (Bienenbrot) eingelagert.
Die Gründung eines neuen Nestes: Der Bienenschwarm
In der Natur vermehren sich Honigbienenvölker ausschließlich durch das Schwärmen. Dieser Prozess ist der eigentliche Höhepunkt der Volksentwicklung und Ausdruck höchster Vitalität. Wenn ein Volk im Frühjahr oder Frühsommer stark gewachsen ist und der Platz im alten Nest knapp wird, zieht die alte Königin mit etwa der Hälfte der Arbeiterinnen (zehn- bis zwanzigtausend Tiere) aus, um ein neues Nest zu gründen[6]. Im alten Stock bleiben junge Königinnen in ihren Brutzellen zurück, von denen eine die Nachfolge antreten wird.
Der Auszug eines Schwarms ist ein atemberaubendes Ereignis. Die Bienen stürzen wie ein scheinbar nicht enden wollender Strom aus dem Flugloch und bilden eine flimmernde Wolke am Himmel. Bald darauf sammelt sich der Schwarm an einem Ast oder einer anderen Struktur zu einer dichten Schwarmtraube. Von hier aus beginnt die faszinierende Suche nach einem neuen Nistplatz. Sogenannte Spurbienen schwärmen aus, um hohle Bäume oder andere geeignete Hohlräume in der Landschaft zu untersuchen. Kehren sie zurück, teilen sie den anderen Bienen durch komplexe Schwänzeltänze auf der Oberfläche der Schwarmtraube die Richtung, Entfernung und Qualität der gefundenen Behausung mit[7]. Es findet ein regelrechter "Wettstreit" statt, bis sich alle Spurbienen auf den besten Wohnplatz geeinigt haben. Erst dann löst sich die Traube und fliegt zum neuen Neststandort.
Keine Panik bei einem Bienenschwarm!
Eine Wolke aus Tausenden Bienen kann bedrohlich wirken, doch schwärmende Honigbienen sind in der Regel äußerst friedlich. Bevor sie ihr altes Nest verlassen, haben sie sich ihre Honigblasen als Wegzehrung komplett gefüllt. Ein voller Magen macht träge und friedfertig. Zudem haben sie in diesem Moment weder eine Behausung noch Brut, die sie verteidigen müssten[8]. Wenn sich ein Schwarm in Ihrem Garten niederlässt, bewahren Sie Ruhe und kontaktieren Sie einen lokalen Imkerverein. Imker fangen den Schwarm fachgerecht ein, da freilebende Honigbienen in unserer heutigen Landschaft aufgrund von Parasiten wie der Varroamilbe kaum noch Überlebenschancen haben[9].
Das Nest im Winter: Überleben durch Muskelkraft
Wenn die Temperaturen sinken und das Blütenangebot versiegt, ziehen sich die Honigbienen vollständig in ihr Nest zurück. Im Gegensatz zu vielen anderen Insekten halten Honigbienen keinen Winterschlaf. Sie überleben die kalte Jahreszeit, indem sie eine sogenannte Wintertraube bilden. Die Bienen rücken eng zusammen, wobei sich die Königin im schützenden Zentrum befindet. Um die Temperatur im Inneren konstant zu halten, erzeugen die Bienen durch feine Muskelbewegungen (Zittern) aktiv Wärme[10]. Die Bienen an der kühleren Außenseite der Traube wechseln sich regelmäßig mit den aufgewärmten Bienen aus dem Inneren ab. Als Brennstoff für diese Heizleistung dient der im Sommer eingelagerte Honig. Ihren Kot sammeln die Bienen über Monate in ihrer Kotblase und entleeren diese erst an wärmeren Wintertagen (über 10°C) bei sogenannten Reinigungsflügen außerhalb des Nestes[11].
Die verborgene Welt der Wildbienennester
Während die Honigbiene riesige Staaten bildet, lebt die überwiegende Mehrheit der heimischen Bienenarten solitär, also als Einzelgänger. Jedes Weibchen ist seine eigene "Königin", die sich nach der Paarung selbstständig auf die Suche nach einem geeigneten Nistplatz macht, Brutzellen anlegt, diese mit Pollen und Nektar verproviantiert und ihre Eier ablegt. Danach verschließt sie das Nest und überlässt den Nachwuchs sich selbst[12]. Die Vielfalt der Niststrategien bei Wildbienen ist atemberaubend und zeugt von einer langen evolutionären Anpassung an unterschiedlichste Lebensräume.
Bodennister: Die unsichtbare Mehrheit
Etwa zwei Drittel aller nestbauenden heimischen Bienenarten legen ihre Nester im Erdboden an[13]. Dazu gehören viele Sandbienen (Andrena), Furchenbienen (Halictus) und Schmalbienen (Lasioglossum). Mit ihren Mandibeln und Beinen graben die Weibchen oft erstaunlich tiefe Gänge in die Erde, von denen kleine Seitengänge zu den eigentlichen Brutzellen abzweigen. Diese Bienen sind auf ganz bestimmte Bodenbeschaffenheiten angewiesen. Manche bevorzugen lockeren Sand, andere festen Lehm oder Löss. Fast alle benötigen jedoch offene, vegetationsarme und gut besonnte Bodenstellen, da sich die Larven in der Erde nur bei ausreichender Erwärmung durch die Sonne entwickeln können[14]. In unserer heutigen, oft stark versiegelten oder dicht bewachsenen Kulturlandschaft finden diese Arten immer seltener geeignete Nistplätze.
Hohlraumbesiedler: Leben in Holz und Stängeln
Ein weiteres Drittel der Wildbienen nistet oberirdisch. Sie nutzen vorhandene Hohlräume wie alte Fraßgänge von Käfern in abgestorbenem Holz (Totholz) oder hohle Pflanzenstängel von Brombeeren, Holunder oder Disteln[15]. In diesen röhrenförmigen Hohlräumen legen sie mehrere Brutzellen hintereinander an. Jede Zelle wird mit einem Pollen-Nektar-Gemisch gefüllt, ein Ei wird daraufgelegt, und die Zelle wird mit einer Zwischenwand verschlossen. Das Material für diese Wände variiert je nach Bienenart enorm:
- Mauerbienen (Osmia): Nutzen feuchten Lehm oder Erde, die sie mit Speichel vermischen.
- Blattschneiderbienen (Megachile): Schneiden mit ihren Kiefern kreisrunde und ovale Stücke aus Laubblättern (z.B. von Rosen) und tapezieren damit ihre Brutzellen geradezu kunstvoll aus[16].
- Wollbienen (Anthidium): Schaben Pflanzenhaare (z.B. vom Wollziest) ab und polstern ihre Nester mit dieser weichen Pflanzenwolle aus.
Die Spezialisten: Schneckenhäuser und Freibauten
Einige Wildbienenarten haben im Laufe der Evolution extrem spezialisierte Niststrategien entwickelt. Ein faszinierendes Beispiel ist die Zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene (Osmia bicolor). Sie nistet ausschließlich in leeren, mittelgroßen Schneckenhäusern (z.B. von Hainbänderschnecken). Nachdem sie die Brutzellen im Inneren angelegt hat, verschließt sie das Gehäuse mit Pflanzenmörtel. Um ihr Nest vor Feinden zu tarnen und vor Witterung zu schützen, dreht sie das Schneckenhaus so, dass die Öffnung flach auf dem Boden liegt, und bedeckt es in stundenlanger Schwerstarbeit mit hunderten von trockenen Kiefernnadeln oder Grashalmen, bis ein kleiner, zeltartiger Haufen entsteht[17].
Andere Arten, wie die Kleine Harzbiene (Anthidiellum strigatum), bauen völlig freistehende Nester. Sie formen aus gesammeltem Baumharz kleine, tropfenförmige Brutzellen, die sie gut getarnt an Steine oder Baumstämme kleben. Damit die Larve im luftdichten Harz nicht erstickt, baut die Biene ein winziges, röhrenförmiges Atemloch ein[18].
Kuckucksbienen: Nisten auf Kosten anderer
Etwa 30 Prozent der heimischen Wildbienenarten bauen gar keine eigenen Nester. Diese sogenannten Kuckucksbienen (z.B. Wespenbienen oder Blutbienen) haben sich darauf spezialisiert, die Nester anderer Bienenarten zu parasitieren. Das Weibchen schleicht sich in einem unbeobachteten Moment in das Nest der Wirtsbiene und legt ihr Ei an die Wand der Brutzelle. Die Larve der Kuckucksbiene schlüpft meist früher, tötet das Ei oder die Larve des Wirtes mit ihren spitzen Zangen und ernährt sich anschließend von dem mühsam zusammengetragenen Pollenvorrat[19]. Auch wenn dies grausam klingt, sind Kuckucksbienen ein Zeichen für ein intaktes Ökosystem: Sie können nur dort existieren, wo die Populationen ihrer Wirtsbienen groß und gesund genug sind.
Warum Bienennester in Gefahr sind
Die Bestände der Insekten und insbesondere der Bienen sind in den letzten Jahrzehnten dramatisch eingebrochen. Die bekannte "Krefelder Studie" belegte einen Rückgang der flugfähigen Insektenbiomasse in deutschen Schutzgebieten um durchschnittlich 76 Prozent innerhalb von 27 Jahren[20]. Ein Blick auf die Rote Liste zeigt, dass in Deutschland 41 Prozent der erfassten Bienenarten bestandsgefährdet sind[21]. Die Ursachen für dieses Bienensterben sind komplex und vielschichtig.
1. Verlust von Nistplätzen und Lebensräumen: Durch die Intensivierung der Landwirtschaft, Flurbereinigungen und die Versiegelung von Flächen für Siedlungen und Verkehrswege verschwinden die natürlichen Niststrukturen. Totholz wird aus Wäldern und Gärten entfernt, Feldraine und Böschungen werden abgemäht oder umgepflügt, und offene, sandige Bodenstellen wachsen durch Nährstoffeinträge (Eutrophierung) aus der Luft und Landwirtschaft schnell zu[22].
2. Nahrungsmangel: Viele Wildbienen sind "oligolektisch", das heißt, sie sind auf den Pollen einer einzigen Pflanzenfamilie oder sogar einer bestimmten Pflanzenart spezialisiert[23]. Verschwindet diese Pflanze aus der Landschaft – etwa durch den Einsatz von Breitbandherbiziden wie Glyphosat, die blühende Beikräuter vernichten –, verschwindet unweigerlich auch die darauf spezialisierte Biene[24]. Große landwirtschaftliche Monokulturen bieten oft nur für wenige Wochen Nahrung und gleichen danach "grünen Wüsten".
3. Pestizide und Umweltgifte: Der Einsatz von Insektiziden (wie Neonicotinoiden) in der Landwirtschaft schädigt Bienen direkt oder beeinträchtigt ihr Orientierungsvermögen und ihre Fortpflanzungsfähigkeit. Die Bundesregierung plant daher im Rahmen des Aktionsprogramms Insektenschutz, die Anwendung biodiversitätsschädigender Pestizide in ökologisch sensiblen Bereichen stark einzuschränken[25].
4. Parasiten und Krankheiten: Besonders die Honigbiene leidet unter der Globalisierung. Die 1977 nach Deutschland eingeschleppte asiatische Varroamilbe (Varroa destructor) saugt an der Hämolymphe ("Blut") der Bienenmaden im Nest und überträgt dabei tödliche Viren (wie das Deformed Wing Virus). Ohne imkerliche Behandlung durch organische Säuren (z.B. Oxalsäure) im Winter brechen die Völker unweigerlich zusammen[26].
Bienennester im eigenen Garten fördern: So helfen Sie richtig
Jeder Gartenbesitzer, Kleingärtner oder Balkonbesitzer kann einen wertvollen Beitrag zum Schutz der Bienen leisten. Da Wildbienen oft nur einen sehr kleinen Aktionsradius von wenigen hundert Metern haben, müssen Nistplatz und Nahrungsquelle nah beieinander liegen[27]. Ein "englischer Rasen" und exotische, gefüllte Zierblüten sind für Bienen wertlos. Gefragt ist Strukturreichtum.
Praxis-Tipp: Natürliche Niststrukturen schaffen
- Offene Bodenstellen: Da die meisten Arten im Boden nisten, lassen Sie an sonnigen, trockenen Stellen im Garten (z.B. an Wegrändern oder Böschungen) die Erde unbewachsen. Auch ein kleiner Sandhaufen aus ungewaschenem Sand (kein Spielsands!) wird gerne angenommen[28].
- Totholz belassen: Schneiden Sie alte, abgestorbene Äste nicht sofort ab. Stapeln Sie Brennholz an einem sonnigen, regengeschützten Ort. Käfer bohren Löcher hinein, die später von Bienen besiedelt werden.
- Pflanzenstängel stehen lassen: Schneiden Sie markhaltige Stängel von Brombeeren, Himbeeren, Holunder, Disteln oder Königskerzen im Herbst nicht ab. Lassen Sie sie über den Winter stehen und kürzen Sie sie im Frühjahr nur leicht ein. Bienen nagen sich in das weiche Mark, um dort ihre Nester anzulegen[29].
- Trockenmauern: Eine ohne Mörtel aufgeschichtete Mauer aus Natursteinen bietet in den Fugen ideale Nistbedingungen für Mauerbienen und wärmt sich in der Sonne schnell auf[30].
Das Wildbienenhotel: Häufige Fehler vermeiden
Künstliche Nisthilfen, oft als "Insektenhotels" bezeichnet, sind sehr beliebt. Leider sind viele kommerziell angebotene Modelle völlig nutzlos oder sogar gefährlich für die Tiere. Wenn Sie ein Wildbienenhotel aufstellen oder selbst bauen, beachten Sie zwingend folgende wissenschaftlich fundierte Kriterien[31]:
- Das richtige Holz: Verwenden Sie ausschließlich abgelagertes Hartholz (Esche, Buche, Eiche, Apfel). Weichholz (Fichte, Kiefer) fasert beim Bohren aus. An den Splittern verletzen sich die Bienen ihre empfindlichen Flügel.
- Die richtige Bohrung: Bohren Sie niemals in das Stirnholz (die Jahresringe), da das Holz dort reißt und Feuchtigkeit eindringt, was zum Verpilzen der Brut führt. Bohren Sie immer von der Seite (ins Längsholz). Die Löcher sollten zwischen 2 und 9 Millimeter Durchmesser haben, etwa 10 bis 15 Zentimeter tief sein und hinten verschlossen bleiben. Die Ränder müssen sauber abgeschmirgelt werden.
- Hohle Stängel: Nutzen Sie Bambus- oder Schilfröhrchen. Achten Sie darauf, dass die Röhrchen hinten durch den natürlichen Knoten (Nodium) verschlossen sind und die Kanten vorne glatt geschnitten sind.
- Was NICHT hineingehört: Stroh, Heu, Tannenzapfen oder Rindenmulch haben in einem Bienenhotel nichts zu suchen. Sie ziehen höchstens Ohrwürmer an, bieten Bienen aber keinen Nistplatz. Auch Lochziegelsteine sind meist nutzlos, da die Löcher zu groß und innen zu rau sind.
- Der Standort: Hängen Sie die Nisthilfe fest verankert (nicht baumelnd!), regengeschützt und vollsonnig (Ausrichtung Süd bis Südost) auf.
Ohne Futter kein Nest: Die richtige Bienenweide
Der beste Nistplatz nützt nichts, wenn die Bienen keine Nahrung finden. Bienen benötigen Nektar als "Flugbenzin" (Kohlenhydrate) und Pollen (Eiweiß) zur Aufzucht der Brut[32]. Da viele Wildbienen hochspezialisiert sind, ist eine große Vielfalt an heimischen Wildpflanzen entscheidend. Pflanzen Sie Glockenblumen (für Scherenbienen), Natternkopf (für die Natternkopf-Mauerbiene), Reseda (für Maskenbienen) oder Weiden (die wichtigste Nahrungsquelle im zeitigen Frühjahr für viele Sandbienen)[33]. Vermeiden Sie gefüllte Blüten (wie bei vielen Zuchtrosen oder Dahlien), da diese durch Züchtung ihre Staubblätter verloren haben und weder Nektar noch Pollen bieten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sind Bienennester im Garten gefährlich?
Nein. Wildbienen sind extrem friedfertig und verteidigen ihre Nester nicht. Ihr Stachel ist meist so weich, dass er die menschliche Haut gar nicht durchdringen kann[34]. Auch Honigbienen stechen nur im äußersten Notfall (z.B. wenn sie gequetscht werden), da sie beim Stich ihren Stachel verlieren und sterben. Die meisten schmerzhaften Stiche im Spätsommer am Kaffeetisch stammen von Wespen, nicht von Bienen.
Was mache ich, wenn ein Honigbienenschwarm in meinem Baum hängt?
Bewahren Sie Ruhe. Ein Schwarm auf der Suche nach einem neuen Nest ist nicht aggressiv. Kontaktieren Sie einen örtlichen Imkerverein oder die Feuerwehr. Ein Imker wird den Schwarm gerne und fachgerecht einfangen, da die Bienen in der freien Natur ohne Betreuung kaum Überlebenschancen haben[35].
Darf ich ein Bienennest entfernen?
Nein. Alle heimischen Bienenarten (sowohl Honigbienen als auch Wildbienen und Hummeln) stehen unter strengem Naturschutz. Es ist gesetzlich verboten, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Nester zu zerstören[36]. Bei akuter Gefahr (z.B. Wespennester in Rollladenkästen bei Allergikern) muss eine Fachfirma oder ein Imker zur Umsiedlung beauftragt werden.
Warum werden die Löcher in meinem Insektenhotel nicht besiedelt?
Dies liegt meist an Baufehlern. Wenn Weichholz verwendet wurde, in das Stirnholz gebohrt wurde, die Ränder ausgefranst sind oder das Hotel im Schatten hängt, meiden Wildbienen diese Röhren. Auch ungeeignete Materialien wie Stroh oder Tannenzapfen bleiben von Bienen unbewohnt[37].
Muss ich mein Wildbienenhotel im Winter ins Warme holen?
Auf keinen Fall! Die Bienenlarven und Puppen in den verschlossenen Röhren benötigen die natürlichen Temperaturschwankungen und die Winterkälte für ihre Entwicklung. Wenn Sie das Hotel ins warme Haus holen, schlüpfen die Bienen mitten im Winter, finden keine Nahrung und sterben. Lassen Sie die Nisthilfe ganzjährig draußen hängen.
Fazit
Bienennester sind architektonische Meisterwerke und die Kinderstuben unserer wichtigsten Bestäuber. Ob es der gewaltige, wärmende Superorganismus der Honigbiene im Winter ist oder die verborgene, kunstvoll mit Blättern tapezierte Röhre einer solitären Wildbiene – sie alle sind faszinierend und schützenswert. Der dramatische Rückgang der Insekten zeigt uns deutlich, dass wir handeln müssen. Indem wir in unseren Gärten, auf Balkonen und in der Landwirtschaft wieder mehr Strukturvielfalt zulassen – sei es durch offene Bodenstellen, Totholz, fachgerechte Nisthilfen oder ein reiches Angebot an heimischen Wildblumen –, können wir den Bienen den Lebensraum zurückgeben, den sie so dringend benötigen. Jeder Quadratmeter zählt, um das Summen auch für zukünftige Generationen zu erhalten.
Quellen und Referenzen
- Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), Bienen - Unverzichtbar für Natur und Erzeugung, 2011.
- Schwarz, M., Bienen – eine interessante und vielfältige Tiergruppe mit großer Bedeutung, ÖKO.L Zeitschrift für Ökologie, Natur- und Umweltschutz, 2016.
- Odemer, R., Funktionelle Anatomie der Honigbiene, Landesanstalt für Bienenkunde, Universität Hohenheim, 2012.
- Schwarz, M., Bienen – eine interessante und vielfältige Tiergruppe mit großer Bedeutung, ÖKO.L Zeitschrift für Ökologie, Natur- und Umweltschutz, 2016.
- Odemer, R., Funktionelle Anatomie der Honigbiene, Landesanstalt für Bienenkunde, Universität Hohenheim, 2012.
- Radetzki, T., Die Krise der Bienenhaltung - ein Symptom unfruchtbarer Konzepte, Schweisfurth Stiftung, 2008.
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- Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL), Begegnung mit einem Bienenschwarm – was tun?, 2025.
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- Schwarz, M., Bienen – eine interessante und vielfältige Tiergruppe mit großer Bedeutung, ÖKO.L Zeitschrift für Ökologie, Natur- und Umweltschutz, 2016.
- Deutsche Wildtier Stiftung, Wildbienen - Schützen und fördern im Kleingarten, 2021.
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- Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), Aktionsprogramm Insektenschutz, 2019.
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